Tja, als offizieller Nordamerika-Korrespondent für Lieblingsbier.de muss man nicht nur gar kein Russisch, sondern nebenbei auch noch schlecht Spanisch sprechen können…
Heute möchte ich nämlich einmal eine mexikanische Spezialität vorstellen: die Michelada, bzw. die Chelada. Wer aus Versehen mal auf meiner Seite gelandet ist, der wird wissen, dass ich auch viele Jahre lang als Tauchlehrer unterwegs war - unter anderem einige Jahre in Mexico.
Mit Mexico verbinden viele Leute in erster Linie mexikanisches Essen, Wüste, Sombreros, Tequila und die unvermeidlichen Mariachis. Für mich persönlich war es eines der schönsten Länder die ich jemals gesehen habe: unvergesslich die Unterwasserwelt vor Playa del Carmen und Cozumel, die Ruinen von Tulum, die wunderschönen Strände und die Freundlichkeit und Lebenslust der Mexikaner.
Es gab fast nichts schöneres, als nach einem harten Arbeitstag mit zwei, drei oder vier Tauchgängen in eine der Kneipen in oder um die Quinta Avenida zu gehen, ein eiskaltes Negra Modelo, Pacifico oder Dos Equis zu trinken und Gott einen guten Mann sein lassen. Und den Mariachis zuzuhören…
In Mexico wird fast ausschließlich untergäriges Bier getrunken, meinem Wissen nach werden seit relativ kurzer Zeit aber auch Ales und ein Weißbier in Mexico gebraut. Das in Deutschland so beliebte Corona spielt meiner Erfahrung nach dort eher eine untergeordnete Rolle.
Zitronenspalten in die Flasche zu reinzudrücken ist sogar etwas, was nur Touristas vorbehalten bleibt. Ein Mexikaner würde so etwas nie tun, die Limone dient nur dazu den Flaschenrand zu reinigen.
Aber es gibt etwas, das sich noch schlimmer anhört als Corona mit Zitrone, nämlich die Michelada. Woher der Name kommt kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, laut Wikipedia soll es sich von mi chela helada, also von mein geeistes Bier, herleiten. Hat auch Sinn, wenn man sich mal anschaut, wie man sich eine Michelada zubereitet:
• Bierglas in den Tiefkühler stellen. Solange, bis das Glas eine schöne dünne Eisschicht aufweist, ähnlich wie bei manchen Cocktails oder Longdrinks.
• Salz in einen flachen Teller schütten, und den Rand des Bierglases in das Salz eindrücken. Das gibt einen schönen Salzrand auf dem Glas.
• Jetzt das Glas mit einigen Eiswürfeln auffüllen. Ja, richtig gelesen - Bier mit Eiswürfeln.
• Je nach Geschmack die entsprechende Menge Limonensaft (Zitrone tut’s auch) über das Eis geben und
• mit hellem untergärigem Bier auffüllen.
• nach Geschmack einige Spritzer Maggi, Tabasco oder Worchestershiresauce zufügen.
Hört sich zugegebenermaßen pervers an, schmeckt aber bei den Wahnsinns-Temperaturen in Mexico gar nicht schlecht.
Außerdem löscht es den Durst besser als einfaches Bier oder ein Radler, und durch das Salz ersetzt man das körpereigene Salz das man beim Schwitzen verloren hat. Die Michelada ist eigentlich also sogar ein gesundes Getränk.
Wenn ihr Maggi, Tabasco oder Worchestershiresauce weglassen wollt, dann könnt ihr das gerne machen. Dann ist es aber keine Michelada mehr, sondern wird einfach nur noch Chelada genannt.
Eine photographische Anleitung für eine Chelada findet ihr bei Misfotosecuencias.com.ar, der Text ist allerdings allerdings auf Spanisch. Mauro schreibt hier von einer Michelada, allerdings ist er aus Argentinien (und benutzt ein brasilianisches Bier).
Ausprobieren lohnt sich meiner Meinung nach, und das Reinheitsgebot wird auch nicht mit Füßen getreten.
Prost, oder wie man in Mexico sagt: ¡Salud!
Am 30. Mai fand heuer zum vierten Mal das Atlantic Beer Festival in Moncton, NB statt. 16 Brauereien aus den Maritimes (New Brunswick, Nova Scotia und Prince Edward Island) und aus Maine/USA stellten ihre Produkte interessierten Besuchern vor.
Am Nachmittag (14:00h - 17:00h) kamen rund 1300 Besucher, zur Abendveranstaltung (19:00h - 22:00h) kamen noch einmal rund 1700 Bierliebhaber, was bei Eintrittspreisen von 37,50 CAD, das entspricht rund 23€, sicherlich eine respektable Anzahl an Gästen ist.
Jeder Besucher bekam ein 4 oz-Glas (116 ml oder 0,1 l), mit dem man von Stand zu Stand wandern konnte um die angebotenen Biere zu verköstigen. Neben den einheimischen Brauereien waren auch einige Handelsfirmen vertreten, die ihre Importbiere dem Publikum vorstellten. So konnte man, wenn man denn wollte, auch Warsteiner, Erdinger, Bitburger, Holsten, sowie Corona und Grolsch probieren.
Eine genaue Auflistung aller angebotenen Produkte könnt ihr hier finden.
Alles in allem eine ganz nette, überschaubare Veranstaltung. Leider nicht zu vergleichen mit deutschen Bierfesten wie in Nürnberg, Berlin oder Leipzig. Trotzdem haben wir für euch ein paar Bilder bereit gestellt.
Bilder gibts unter “more” zu sehen
Der Exportschlager: Erdinger Weißbier
Holsten darf natürlich auch nicht fehlen
typisch.. lange Beine und rote Schuhe
Unser Kanada-Experte Andi erschöpft am Corona Stand…
Bereits vor einiger Zeit haben wir für euch den ersten Teil über das Reinheitsgebot in Nordamerika, verfasst von Andi unserem Nordamerika-Korrespondenten, veröffentlicht. Den zweiten Teil wollen wir euch natürlich nicht länger vorenthalten. Deswegen, viel Spaß beim lesen!
Nun weiter im Text, wir sind noch nicht am Ende. Während diese im ersten Bericht genannten Aromen nur den Fruchtbieren zugesetzt werden, existieren noch viele andere Stoffe die hier dem Bier zugesetzt werden dürfen.
Ich kann und möchte an dieser Stelle nur auf einige eingehen. Wer weitere Infos haben möchte kann mir gerne eine E-mail schicken oder einfach einen entsprechenden Kommentar hinterlassen.
Um unerwünschte Eiweiße aus der Würze zu entfernen, wird hier beim Kochen der Würze sehr häufig sogenanntes “Irisches Moos” zugegeben. Das hat nichts mit Moos zu tun, vielmehr handelt es sich dabei um ein Produkt aus Rotalgen (auch Knorpeltang genannt; Referenz), das an der Küste von, unter anderem, Irland gesammelt wird.
Diese Rotalgen werden dann weiter zu Carrageen verarbeitet, welches neben der Enfernung von Eiweißen im Bier noch zu folgenden anderen Zwecken verwendet wird:
In der Lebensmittelindustrie wird Carrageen als Geliermittel für Schlankheits- und Light-Produkte und in Fleischwaren (z.B. Wurst) , sowie als Verdickungsmittel in kalt angerührten Marmeladen, Babynahrung, Milchprodukten, Milchshakes, Eiscreme und Desserts eingesetzt. Mit Hilfe von Carrageen können auch Trübungen in Weinen beseitigt werden. In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 407 zugelassen. Carrageen wird auch in der Kosmetikindustrie (Zahnpasta) verwendet. Das Dickungsmittel Carrageen (E 407) ist auch nach der Europäischen Öko-Verordnung für Bio-Lebensmittel zugelassen.
Toll nicht? Sehr vielseitig… Aber da ist noch eine Kleingkeit die mir sauer aufstößt (Zitat aus der Wikipedia): Im Tierversuch wurden Geschwürbildungen und Veränderungen im Immunsystem mit abgebautem Carrageen festgestellt. Na dann Prost!
Aber weiter, wir haben ja nicht ewig Zeit. Eine weitere Zutat im Sudhaus (oder später bei der Gärung) ist Fermcap-S (Handelsname). Die enthaltene Chemikalie ist Polydimethylsiloxan, ein anorganisches Polymer auf Siliziumbasis, ein Silikon.
Es dient in der Brauerei entweder dazu ein Überkochen der Würze zu verhindern, oder eine übermäßige Schaumbildung während der Hauptgärung zu vermeiden. Nötig ist die Gabe dieser Chemikalie in Nordamerika deshalb, weil viele Brauereien Geld sparen wollen indem sie kleinere (eigentlich zu kleine) Gefäße (Sudkessel, Gärtanks) kaufen.
In Deutschland ist das selbstverständlich nicht erlaubt. Hier werden diese “Probleme” verhindert, indem man der gewünschten Produktion entsprechend große Anlagen baut. Polydimethylsiloxan ist vielen unter euch aus anderen Anwendungen bekannt: es ist unter anderem in Cola light Produkten enthalten (zur Schaumverhinderung), es dient als Arznei bei Gasansammlung im Magen-/Darmtrakt (Blähungen) und bei Kopfläusen, und schließlich dient es auch als Schmierstoff… bei Kondomen.
Neben diesen Stoffen kommen noch viele weitere zum Einsatz:
• Zucker in allen Variationen
• Stärke in allen Variationen
• Mischungen aus beiden
• natürliche und künstliche Frucht- und Gewürzaromen
• Holzspäne
• Hefeprodukte zur Schaumverbesserung
• Ascorbinsäure (Vitamin C) zur Haltbarmachung
• Polymere zur Beseitigung von Kältetrübung
• Folsäure als Hefenahrung (Handelsname “Yeastex”)
• künstliche Enzyme, hier besonders Amylasen
• und, und, und…
Wen wundert es bei dieser Liste noch wenn Leute sich weigern diese “Biere” zu trinken? Deutsche Brauer und Mälzer demonstrieren seit 1516, dass man für ein gutes Bier nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe benötigt - warum also sollte ich diese ganze Chemie zu mir nehmen, wenn sie doch im Endeffekt unnötig ist?
Mancher wird jetzt einwenden, dass Radler und Ruß’n, Ententeich und Dreckiges, Betonmass und Isarwasser ja auch kein reines Bier mehr seien. Das ist natürlich absolut richtig, aber diese Biermischgetränke sind mit richtigem Bier hergestellt und fallen somit doch mehr unter den Begriff eines “Biercocktails” - zu denen man stehen kann wie man will.
Deutsches Bier zählt zu den besten der Welt, und dabei soll es bleiben. Trinkt mehr Deutsches Bier!
Regelmäßige Leser werde schon festgestellt haben, dass alle Autoren/Redakteure von Lieblingsbier.de das Reinheitsgebot von 1516 unterstützen. Ist ja an sich auch kein Wunder, denn wo findet man heute noch so ein reines Lebensmittel wie Bier?
Natürlich hat sich das Reinheitsgebot im Laufe von einigen hundert Jahren verändert, so ist z.B. die Verwendung von Weizen (für leckeres Weißbier) heutzutage ohne weiteres gestattet. Im Jahre 1516 durfte Weizen hingegen nicht zum Bierbrauen verwendet werden, es wurde zur Ernährung der Bevölkerung, zum Brotbacken verwendet.
Streng genommen war nicht einmal Malz laut Reinheitsgebot erlaubt, denn es ist explizit von “gersten, hopfen und wasser” die Rede - kein Wort von Malz. Auch die Hefe taucht im Original Reinheitsgebot nirgendwo auf, was allerdings nicht verwundern sollte, denn dieser Mikroorganismus wurde erst sehr viel später “entdeckt”.
Das “neue” Reinheitsgebot erlaubt statt Gerste also vermälztes Getreide (wie Weizen, Roggen und natürlich Gerste), Hopfen (auch Hopfenprodukte, sofern sie nur mechanisch/physikalisch und nicht chemisch behandelt wurden), Wasser und Hefe (von denen es auch wieder einige verschiedene gibt - denken Sie bloß mal an ober- und untergärig, Sherry- oder Champagnerhefe).
Bei der Produktion von Bier werden aber noch andere Substanzen verwendet, die nicht im Reinheitsgebot auftauchen: Kieselgur zur Bierfiltration oder Polyvinylpolypyrrolidon (kurz PVPP) zur Entfernung von unerwünschten Polyphenolen mit PVPP-Filtern aus dem Bier, neben anderen.
Wird das Reinheitsgebot hier ad absurdum geführt? Wird der Verbraucher betrogen und an der Nase herumgeführt? Mitnichten. Ganz salopp ausgedrückt kann der Brauer seinem Bier zusetzen was immer er will - er muss nur in der Lage sein dieses “Etwas” zu 100% wieder aus dem Bier zu entfernen, d.h. es darf nichts im Bier gelöst werden (sowohl Kieselgur als auch PVPP klären das Bier mittel ihrer physikalischen Eigenschaften). Gesundheitsgefährdende Stoffe sind natürlich hierbei komplett ausgeschlossen!
Anders sieht es wiederum in Ländern aus, in denen kein Reinheitsgebot den Verbraucher schützt. Viele dieser Länder haben keine so tiefverwurzelte Bierkultur wie Deutschland, und so wäre das Reinheitsgebot in diesen Ländern tatsächlich niemals zustande gekommen. Auch wachsen Gerste und Weizen in manchen Gegenden wegen den klimatischen und/oder geologischen Gegebenheiten nur sehr schlecht bis gar nicht, d.h. es müssten andere Stärkelieferanten herangezogen werden. Sehr oft wurde und wird immer noch Reis benutzt: billig, schnell wachsend, einfach zu handhaben, enthält viel Stärke.
Nachteil: aus Reis kann man kein Reismalz herstellen, d.h. es werden keine “reis-eigenen” Enzyme gebildet oder freigesetzt. Um die Stärke aber trotzdem in Zucker zu überführen muss man also entweder Malz zugeben, oder aber künstliche Enzyme zusetzen. Somit darf Reis, oder jedes andere unvermälzte Getreide, nach dem Reinheitsgebot nicht verwendet werden.
Dann gibt es ja noch die ganzen aromatisierten Biere, wie z.B. Erdbeerbier (vgl. folgenden Artikel auf Lieblingsbier.de), Blaubeerbier, Anisbier, Pizzabier und ähnliche. Hier kann natürlich keine Rede mehr vom Reinheitsgebot sein; was aber noch schlimmer ist, das hier meistens noch nicht mal von natürlichen Zutaten die Rede sein kann. Wer richtige Blaubeeren im Blaubeerbier sucht, der sucht oft vergeblich. Hier mal ein Foto von den Inhaltsstoffen des am meisten verwendeten Blaubeeraromas in Nordamerika:
Gehen wir das mal zusammen durch:
• High Fructose Corn Syrup
In den USA hat die zu High Fructose Corn Syrup (HFCS) verarbeitete Variante eine hohe wirtschaftliche und gesundheitliche Bedeutung, da es dort für die überwältigende Mehrheit aller Softdrinks als kalorisches Süßungsmittel eingesetzt wird. HFCS kann seit 1972 kostengünstig durch eine enzymatische Reaktion hergestellt werden. (…) Ein gesundheitliches Problem entsteht möglicherweise dadurch, dass der Zucker nicht mehrheitlich aus Glucose, sondern aus Fructose besteht. Im Gegensatz zur Glucose wird die Fructose insulinunabhängig verstoffwechselt. Da Insulin indirekt einen Anteil an der Erzeugung des Sättigungsgefühls hat und zudem Fructose in höheren Mengen die Fettsynthese fördern soll, kann durch den starken Einsatz von HFCS als Süßstoff möglicherweise Übergewicht entstehen. (aus Wikipedia)
• Plum Juice Concentrate
übersetzt: Pflaumensaftkonzentrat. Interessant, dass “Blaubeerbier” aus zum überwiegenden Teil Pflaumenaroma besteht.
• Propylene Glycol
heißt auch auf Deutsch Propylenglycol. Bemühen wir noch einmal die gute Wikipedia:
Propylenglycol ist in Lösungsmitteln und in Hygieneartikeln wie Hautcremes, Zahnpasta und Deos als Feuchthaltemittel und Weichmacher enthalten. (…) Propylenglycol darf als Trägerstoff und Trägerlösungsmittel für Farbstoffe, Antioxidationsmittel, Emulgatoren und Enzyme verwendet werden. (…) Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und trägt die Bezeichnung E 1520.
Weitere Anwendungen: Gefrierschutzmittel, Nebelmaschinen, De-icing für Flugzeuge, Farbe für Schwarzlicht-Tätowierungen.
Die Frage was das im Bier (oder jedem anderen Lebensmittel) zu suchen hat kann ich nicht beantworten.
• Water – Wasser
• Blueberry Juice Concentrate
Ah, da ist ja endlich der Blaubeergeschmack. Immerhin “schon” an fünfter Stelle in der Liste. Die Auflistungen von Lebensmittel-Ingredienzien folgen in Nordamerika denselben Regeln wie in der EU: wovon am meisten drin ist muss an erster Stelle der Liste, und wovon am wenigsten drin ist kommt an letzter Stelle. An fünfter Stelle bei insgesamt nur sechs Zutaten heißt also, dass nicht unbedingt besonders viel an Blaubeersaftkonzentrat vorhanden ist.
• Citric Acid
Zitronensäure. Zitronensäure und ihre Salze werden zur Konservierung und als Säuerungsmittel von Lebensmitteln verwendet, beispielsweise in Getränken. (…) Zitronensäure ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 330 zugelassen.
Analog dazu sehen auch alle anderen Fruchtaromen aus: mal mehr Mal weniger Chemie drin. Ob das etwas ist was man unbedingt zu sich nehmen möchte, das muss jeder für sich selber beantworten; Ich persönlich sehe lieber davon ab.
Im zweiten Teil dieses Beitrags über die Abarten des Reinheitsgebotes werde ich dann auf viele weitere Stoffe eingehen, zum Beispiel Karrageen, Fermcap-S, Polydimethylsiloxan und vielen weiteren tollen Mittelchen.
Ich steh’ zwar nicht in der Kärntner Strasse, und ich sing’ auch nicht “Blowing In The Wind” - heim will ich aber trotzdem…
Seit 1997 hab’ ich mich in der Weltgeschichte herum getrieben, ich hab’ viel gesehen, viel erlebt und viel gelernt - aber wenn es am Schönsten ist soll man aufhören.
Ich arbeite seit einiger Zeit in einer kanadischen Brauerei, aber so das Wahre ist es nicht. Sogar meine bessere Hälfte, eine Kanadierin, möchte lieber in Europa leben…
Also: falls jemand einen hochmotivierten Brauer und Mälzer sucht - ich bin abreisebereit! Mehr Infos über mich gibt’s hier auf meiner Seite TheGermanGuy.net
Achja, ich bin nicht mehr der Jüngste. Wer die Anspielung mit der Überschrift nicht versteht guckt bitte hier: STS - Fürstenfeld
Auch wir von Lieblingsbier.de können unseren treuen, belastbaren, humorvollen und einfach sympathischen Auslands-Redakteur und Kolumnisten nur weiterempfehlen! Nicht zögern, sondern einstellen!
In einem ersten Artikel habe ich euch bereits die Kategorie I des Beer Judge Certification Program aus Nordamerika vorgestellt. Die BJCP ist eine Vereinigung von Biertestern, welche versuchen mittels “Biergattungs-Richtlinien” eine bestimmte Qualität in Nordamerika zu erzielen, da es dort kein Reinheitsgebot für Bier gibt. Nun möchte ich in einem weiteren Artikel die Kategorie II, laut BJCP, vorstellen. Zu diesen gehören Pilsner, mit den folgenden Unterkategorien:
2A - “German Pilsner (Pils)” - Deutsches Pilsner Typische Vertreter: Victory Prima Pils, Bitburger, Warsteiner, Trumer Pils, Old Dominion Tupper’s Hop Pocket Pils, König Pilsener, Jever Pils, Left Hand Polestar Pilsner, Holsten Pils, Spaten Pils, Brooklyn Pilsner
Aroma: typischerweise ein leicht getreideartiges Pilsmalzaroma, manchmal nach Graham Cracker (Wikipedia), und ein ausgeprägtes blumiges oder gewürzartiges Aromahopfen-Bouquet. Rein, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl. Viele haben anfangs ein schwefliges Aroma (vom Brauwasser und/oder der Hefe), sowie einen leichten Anflug von DMS aus dem Pilsmalz im Hintergrund.
Aussehen: strohfarben bis leicht goldfarben, sehr klar, mit einer cremigen, lange haltbaren Blume.
Geschmack: frisch und bitter, mit einem trockenen bis halbtrockenen Abgang. Mäßig bis wenig ausgeprägte Malzsüße, obwohl einige Getreidearomen und eine geringe Süße aus dem Pilsmalz akzeptabel sind. Die Hopfenbittere dominiert den Geschmack, und setzt sich durch den Abgang bis zum Nachgeschmack durch. Der Hopfengeschmack kann von niedrig bis hoch variieren, sollte jedoch immer aus deutschen Aromahopfen stammen. Rein, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl.
2B - “Bohemian Pilsner” - Pils aus Böhmen
Typische Vertreter: Pilsner Urquell, Krušovice Imperial 12°, Budweiser Budvar (”Czechvar” in den USA), Czech Rebel, Staropramen, Gambrinus Pilsner, Zlaty Bazant Golden Pheasant, Dock Street Bohemian Pilsner
Aroma: Schwer, mit komplexem Malz- und würzigem, blumigem Hopfenbouquet von Saazer Hopfen. Etwas angenehmes, maßvolles Diacetyl is akzeptabel, muß jedoch nicht vorhanden sein. Sonst rein, ohne fruchtige Ester.
Aussehen: sehr hell goldfarben bis dunkel poliert goldfarben, sehr klar, mit einer kompakten, lange haltbaren, cremigen weißen Blume.
Geschmack: reichhaltige, komplexe Malzsüße kombiniert mit einer ausgeprägten, aber doch weichen und abgerundeten Bittere, sowie einem Gewürzgeschmack von Saazer Hopfen. Erwas Diacetyl ist akzeptabel, jedoch nicht notwendig. Die Bittere ist vorherrschend aber niemals harsch und nicht lange anhaltend. Der Nachgeschmack wirkt ausgewogen zwischen Malz und Hopfen. Rein, keine fruchtigen Ester.
2C - “Classic American Pilsner” - klassisches amerikanisches Pilsner
Typische Vertreter: an dieser Stelle werden keine Biere genannt, es wird vielmehr auf die “Occasional brewpub and microbrewery specials” hingewiesen (also die gelegentlich speziell eingebrauten Biere aus Gasthausbrauereien und kleineren Brauereien).
Aroma: wenig bis mittel getreideartiges, maisartiges oder süßes Malzaroma kann vorhanden sein (Reisbasierte Biere sind neutraler). Mittleres bis gemäßigt hohes Hopfenaroma, oft von klassischen Aromahopfen. Reiner untergäriger Charakter, ohne Fruchtigkeit oder Diacetyl. Etwas DMS ist akzeptabel.
Aussehen: gelb bis dunkel goldfarben. Feste, lang anhaltende weiße Blume. Brillant und klar.
Geschmack: mäßig bis mäßig hohe Malzigkeit, ähnlich den kontinentalen Pilsnern, aber doch leichter in der Intensität durch die relativ hohe Gabe von bis zu 30% Maisflocken oder Reis. Leicht getreide- und maisartige Süße aus dem Mais, mit ausgleichender Hopfenbittere. Reisbasierte Versionen sind frischer, trockener, und entbehren oft den maisartigen Geschmack. Mittlerer bis ausgeprägter Hopfengeschmack aus Aromahopfen (entweder sehr spät hinzugefügt oder zur Vorderwürze). Mittlere bis hohe Hopfenbittere, welche weder kratzig sein sollte noch einen harschen Nachgeschmack hinterlassen sollte. Keine Fruchtigkeit und kein Diacetyl. Sollte sanft und lange gelagert sein.
Anmerkung: Natürlich ist diese Unterteilung in den Augen vieler Bierliebhaber wieder vollkommener Quatsch. “Wie kann man nur ein Jever und ein Bitburger und ein Budweiser Budvar in einer Kategorie unterbringen? Sind doch alles recht unterschiedliche Biere, oder?”.
In Europa wird das etwas anders gehandhabt: hier gibt es eine Kategorie “Pilsner”, die alle oben angeführten Biere enthält. Eben, weil sie alle ähnlich sind: untergärig, oft sehr hell, hopfenbetont, mit einem stabilen Schaum.
Innerhalb dieser Kategorie bleibt dem Brauer noch sehr viel Spielraum zur Entwicklung eines Bieres, während der nordamerikanische Brauer sehr enge Grenzen gesetzt bekommt (so er denn Wert auf Anerkennung durch das BJCP legt…). Ist es ein deutsches Pils? Oder ein böhmisches? Oder ein klassisch-amerikanisches (was ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich ist, “klassisch” und “amerikanisch”)?
So, nächstes Mal gibt’s die Kategorie III, “European Amber Lager”, am besten vielleicht zu übersetzen mit “Märzenbiere”.
Bereits vor einiger Zeit habe ich euch etwas vom nordamerikanischen Biermarkt und seinen Gegebenheiten erzählt. So gibt es eine Vereinigung von Biertestern, welche versuchen mittels “Biergattungs-Richtlinien” eine bestimmte Qualität in Nordamerika zu erzielen, da es dort kein Reinheitsgebot für Bier gibt. Diese Organisation nennt sich Beer Judge Certification Program und nun möchte ich euch die eingeteilten Kategorien näher erläutern.
Laut BJCP gehören zur Kategorie 1, “Light Lager” (also leichte oder helle untergärige Biere), die folgenden Unterkategorien:
1A - “Lite American Lager”
Typische Vertreter: Bitburger Light, Sam Adams Light, Heineken Premium Light, Miller Lite, Bud Light, Coors Light, Baltika #1 Light, Old Milwaukee Light, Amstel Light
1B - “Standard American Lager”
Typische Vertreter: Pabst Blue Ribbon, Miller High Life, Budweiser, Baltika #3 Classic, Kirin Lager, Grain Belt Premium Lager, Molson Golden, Labatt Blue, Coors Original, Foster’s Lager
1C - “Premium American Lager”
Typische Vertreter: Full Sail Session Premium Lager, Miller Genuine Draft, Corona Extra, Michelob, Coors Extra Gold, Birra Moretti, Heineken, Beck’s, Stella Artois, Red Stripe, Singha
Anmerkung: Diese drei Kategorien hätte man eigentlich alle in einer einzigen Kategorie zusammenfassen können, da die entsprechenden Beschreibungen dieser Biere, bis auf den Stammwürzegehalt, vollkommen identisch sind:
Aroma: wenig bis gar nicht malzaromatisch. Wenn doch vorhanden, dann oft getreideartig, süßlich oder Maisartig. Hopfenaroma von gar nicht vorhanden bis hin zu einer leichten, gewürz- oder blumenartigen Beschaffenheit. Sehr geringer Hefecharakter (grüner Apfel, DMS, oder Fruchtigkeit) ist optional und akzeptabel. Kein Diacetyl.
Aussehen: sehr helle Strohfarbe bis zu mittlerem Gelb. Weißer, feinporiger Schaum, der nicht lange stabil bleibt. Sehr klar.
Geschmack: frisch und trocken, mit wenig getreideartiger oder maisartiger Süße. Hopfengeschmack gar nicht bis sehr gering. Sehr geringe Bittere. Im Großen und Ganzen geschmacklich ausbalanciert, von leicht malzig bis leicht bitter. Hoher CO2-Gehalt kann eine leichte Acidität (Säure) verleihen. Kein Diacetyl (Butterartiges Fehlaroma des Bieres). Keine Fruchtigkeit.
Aroma: angenehme Malzsüße, wobei Pilsner Malz-Aroma dominiert. Sehr wenig bis wenig gewürzartiges Aroma der Aromahopfen, leichtes DMS (Dimethylsulfid) im Hintergrund (vom Pilsner Malz). Weder Ester noch Diacetyl vorhanden.
Aussehen: mittleres Gelb bis fahl goldfarben, klar, mit einem cremigen weißen schaum.
Geschmack: leicht süßlich, malziges Geschmacksprofil. Getreide und Pilsner Malz-Aroma dominiert, mit wenig bis mittlerer Hopfenbittere. die den malzigen Eindruck unterstreicht. Wenig bis moderates gewürzartiges Aroma von Aromahopfen. Nachgeschmack und Gesamteindruck bleiben malzig. Klarer Geschmack, keine fruchtigen Ester und kein Diacetyl.
1E - “Dortmunder Export”
Typische Vertreter: DAB Export, Dortmunder Union Export, Dortmunder Kronen, Ayinger Jahrhundert, Great Lakes Dortmunder Gold, Barrel House Duveneck’s Dortmunder, Bell’s Lager, Dominion Lager, Gordon Biersch Golden Export, Flensburger Gold
Aroma: wenig bis mittleres Aroma von deutschem oder tschechischem Aromahopfen. Moderates Pilsner Malz-Aroma, von getreideartig bis leicht süßlich. Ein leichtes Schwefelaroma (durch das Wasser und/oder die Hefe hervorgerufen) kann anfänglich vorhanden sein, genauso wie ein leichtes DMS-Aroma (durch das Pilsner Malz) im Hintergrund. Kein Diacetyl.
Aussehen: hell bis dunkel goldfarben, klar, mit einem stabilen weißen Schaum.
Geschmack: Weder Dominanz des Pilsner Malzes noch der Aromahopfen, beide sind in einem ausgewogenen Verhältnis mit einem leichten Anflug malziger Süße, resultierend in einem geschmeidigen aber trotzdem frischem und erfrischendem Bier. Die Balance setzt sich bis zum Schluß fort, die Bittere des Hopfens überwiegt allerdings im Nachgeschmack (obwohl manche Biere dieser Kategorie leicht süßlich enden). Klar im Geschmack, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl. Etwas mineralischer Charakter kann vom Brauwasser herrühren, obwohl es normalerweise nicht als offenkundiger mineralischer Geschmack auffällt.
Das war die BJCP-Kategorie 1. Im nächsten Artikel dieser Serie stelle ich die Kategorie 2 vor, “Pilsner” Biere.
Wie vorher schon einmal erwähnt, hat diese Typisierung nicht unbedingt viel mit dem deutschen/österreichischem/schweizer/europäischen Bierverständnis zu tun.
Das hat unter anderem auch damit zu tun, daß das Berufsbild des Brauers und Mälzers in Nordamerika nicht geschützt ist, d.h. jeder darf sich Bierbrauer nennen, irgendeine Art von Ausbildung ist nicht nachzuweisen. Dementsprechend sind es auch, nach europäischem Verständnis, keine Fachleute die diese “Standards” etablieren, sondern interessierte Laien und (in weit überwiegendem Fall) ungelernte Brauer.
Auch die Gegebenheiten des Marktes müssen berücksichtigt werden: hat sich eine Marke auf dem Markt etabliert, sagen wir mal z.B. Erdinger Weißbier, so wird dieses Geschmacksprofil quasi zu einer Art Standard per se und wird von anderen Brauereien emuliert.
Abweichungen von diesem “Quasi-Standard” setzen sich dann nur langsam durch, d.h. es dauert auch eine gewisse Zeit bis die BJCP-Standards adäquat angepasst werden.
Ich habe auch vor in nächster Zeit in einem Artikel (oder einer Artikelreihe) noch etwas mehr auf die sensorische Beurteilung von Bieren einzugehen. Ich kann mir vorstellen, dass einige unserer Leser Schwierigkeiten haben “DMS”, “Diacetyl”, “Ester” oder “Phenol” geschmacklich mit irgend etwas in Verbindung zu setzen. Bald mehr davon…
Viele Amis meinen ja immer noch, daß der Durchschnitts-Deutsche jeden Tag Lederhosen bzw. Dirndl trägt, literweise Bier in sich reinschüttet und ansonsten nicht viel zu tun hat außer jodeln, Kuckucksuhren basteln und Kühe hüten. Doof… Wie halt alle Vorurteile. Viele Deutsche denken beim Stichwort USA aber auch nur an Grand Canyon, Hamburger, Cowboystiefel und Obama…
Eine löbliche Ausnahme ist mir im Internet jedoch untergekommen. Es gibt tatsächlich, entgegen anderslautenden Gerüchten, auch Amerikaner die es besser wissen. Auf der Seite beergeek.com von Chris und seiner Frau Merideth berichten sie in Videoform über ihre Reisen nach (unter anderem) Deutschland, immer auf der Suche nach gutem Bier.
Ich habe für euch mal einige ausgewählte Episoden (leider nur auf englisch, aber langsam und deutlich gesprochen) mit jeweils dazugehörigem Direktlink zum Video herausgesucht. Diese könnt ihr euch anschauen, wenn ihr einfach auf den daneben stehenden Link klickt. Auf jeden Fall sehr lohnenswert sich die Videos anzusehen, auch wenn man der Sprache nicht mächtig ist, da die Bilder auch fantastisch sind!
In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Biere hauptsächlich nach dem Stammwürzegehalt in Gattungen eingeteilt. Als Stammwürze bezeichnet man die Gesamtheit der im Bier gelösten Malz- und Hopfenbestandteile vor der Vergärung.
So gibt es z.B. die leichteren Schank-, Einfach- oder Leichtbiere mit Stammwürzen zwischen ca. 1,5% und ca. 10%, die sog. Vollbiere mit ungefähr 12% Stammwürze, und Starkbiere mit über 16% Stammwürze. Natürlich sind das nur Richtwerte, genauere Infos wieviel Stammwürze welches Bier hat findet ihr hier.
Daneben werden Biere noch unterschieden zwischen untergärig und obergärig, und natürlich nach Farbe (“Dunkles” und “Helles”, meist allerdings nur im süddeutschen Raum).
In Nordamerika ist alles, wie eigentlich fast immer, ein klein wenig anders. Wer in einer x-beliebigen kanadischen oder US-amerikanischen Stadt ein Helles, Dunkles, ein Vollbier oder ein Starkbier bestellt, wird außer verständnislosen Blicken nicht viel bekommen.
Bier wird hier unterteilt in Lager (untergärig) und Ales (obergärig). Während die größeren Brauereien meistens untergärige Lagerbiere brauen, stellen kleinere Brauereien meistens nur Ales her, da diese mit deutlich weniger Aufwand und damit deutlich billiger herzustellen sind als untergärige Biersorten.
Da es hier kein Reinheitsgebot für Bier gibt, dürfen Brauer hier auch so ziemlich alles was sie wollen für ihr Bier verwenden.
Was manchmal zu etwas… hmm… abenteuerlichen Kreationen wie Pizzabier oder Anisbier führt.
Eine Vereinigung von Biertestern versucht mittels “Biergattungs-Richtlinien” (beer style guidelines) etwas Systematik in den Geschmacksverhau zu bringen. 1985 wurde dazu das Beer Judge Certification Program ins Leben gerufen.
Der Verband bringt laufend neue Editionen dieser Richtlinien heraus, die auch von den BJCP-Juroren als Basis für kompetitives Biertesten bei Wettbewerben angewandt werden müssen (eine aktuelle Ausgabe dieser Guidelines kann hier kostenlos runtergeladen werden - PDF-Datei, 73 Seiten, englisch, ca. 1 MB).
Bitte diese Richtlinien nicht auf deutsches/österreichisches/schweizer Bier anwenden! Die Unterteilung der Biere laut BJCP ist auf den nordamerikanischen Markt zugeschnitten, und hat teilweise äußerst wenig mit deutschen/österreichischen/schweizerischen Gegebenheiten zu tun. Laut BJCP gehören z.B. seltsamerweise das “Ayinger Jahrhundert-Bier” aus München und das “Flensburger Gold” in die Kategorie 1E - Dortmunder Export.
In den nächsten Wochen möchte ich für alle, die des englischen nicht so mächtig sind, in loser Reihenfolge alle Bierkategorien kurz anreißen, und dabei auch auf einiges näher eingehen.
Nächste Woche stelle ich die erste Kategorie“Light Lager” vor. Vertreter dieser Gattung, lt. BJCP:
• Lite American Lager
• Standard American Lager
• Premium American Lager
• Munich Helles
• Dortmunder Export
Ja, ja… ich weiß. Alles falsch geschrieben, und falsch übersetzt, und überhaupt einfach falsch! Aber was soll ich denn machen, wenn ich nun mal kein Russisch spreche? Also mußte Tante Guhgl wieder mal herhalten…
Wieso überhaupt Russisch? Nun ja, ich dachte mir mir das würde gut zu meinem heutigen Artikel passen, der sich mit Медову́ха und квас befasst. Nicht hauen! Aua, aua… OK, OK - ich geb’ mich geschlagen: mein heutiger Artikel befaßt sich also mit Medowucha und Kwas.
Nicht, daß ich das schon jemals getrunken hätte. Oder irgendwann mal in Russland oder der ehem. UdSSR gewesen wäre. Leider nicht. Beruflich allerdings hatte ich schon fast damit zu tun:
Vor einigen Wochen hatte mein Chef die glorreiche Idee, dieses phantastische Gebräu aus Rußland… *wiewardochgleichderName?*… brauen zu wollen. “Wenn Millionen von Leuten in Rußland das trinken, dann werden Kanadier das auch trinken”. Mit diesen Worten drückte er mir eine kleine Schachtel in die Hand. “Mach’ das mal fertig!” Die Schachtel enthielt nur ein braunes Pulver, sonst nichts.
Also lesen wir mal die Gebrauchsanleitung. Shice, kann kein Russisch. Umdrehen. Ah ja, jetzt ja… welch freudige Überraschung: eine Gebrauchsanleitung in deutsch! “Kwass” - aha. Keine Ahnung. Ah, auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum: “Mindestens haltbar bis August 2002″. “Cheeeef!…”
Somit hatte sich das Brauen “dieses russischen *wiewardochgleichderName?*” sehr schnell erübrigt, und ich konnte diese Episode kanadischen Unternehmertums wieder ad acta legen.
Bis ich bei Englishrussia.com auf einen Artikel stieß, der mein Interesse weckte. In diesem Artikel drehte es sich um das russische Getränk Medowucha. Ich übersetze den einfach hier mal schnell für euch:
Seit hunderten von Jahren ist es Tradition in Rußland, dieses besondere Getränk aus Honig und und Hopfen herzustellen. Auch einige berühmte russische Schriftsteller haben dieses alkoholarme Getränk manchmal erwähnt.
Es ist überliefert, daß alle Familienmitglieder vor der Hochzeit zusammenkamen um einen großen Vorrat dieses Honiggetränkes für das Hochzeitspaar zu brauen. Während der Hochzeit und bis zu 30 Tage nach der Hochzeit durfte das Paar ausschließlich dieses Getränk trinken - nichts anderes war erlaubt. Die Flitterwochen wurden in Rußland also sogar nach diesem Honiggebräu benannt (engl. honeymoon → Honigmond).
Das Rezept selbst ist sehr einfach. Zuerst bringt man Wasser in einem Topf zum Kochen, dann fügt man reichlich Honig hinzu, und nach einer gewissen Zeit noch etwas Hopfen. Danach läßt man das Gebräu abkühlen und fügt etwas Hefe hinzu. Das ist alles, in ca. fünf Tagen haben sie ein echtes russisches Getränk das sogar stärker als ein normales Bier ist.
Soweit die Übersetzung. Warum das Getränk anfangs als “alkoholarm” und später als “stärker als ein normales Bier” beschrieben wird kann ich auch nicht sagen. Vielleicht hängt das mit den äußerst genauen Mengenangaben im Rezept zusammen?
Der Artikel auf Englishrussia.com enthält übrigens auch Photos, aber leider erhielten wir nicht die Erlaubnis diese auf Lieblingsbier.de zu verwenden.
Mehr Informationen bietet auch die Wikipedia nicht, außer dass man noch Beeren bzw. Beeren- und Fruchtsäfte hinzufügen kann, und auch sonst scheint das sonst so allwissende Internet sehr sparsam mit Infos zu diesem Thema zu sein.
Nach diesen wenigen Informationen kann man aber davon ausgehen, dass es sich bei Medowucha quasi um eine Mischform zwischen Met und Bier handelt.
Wer schon Erfahrungen damit gesammelt hat: bitte Bericht an Lieblingsbier.de!
Nun aber zu Kwaß. Kwaß wird in Deutschland auch als “Brotbier” bezeichnet, und darum hat es logischerweise auch Eingang in Lieblingsbier.de gefunden.
Kwaß gehört in Rußland seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Erfrischungsgetränken überhaupt. Es hat einen sehr angenehmen, süß-säuerlichen, brotigen Geschmack. Kwaß gilt als sehr gesund und verdauungsfördernd, und viele Leute fügen zur Geschmacksverbesserung noch Früchte, Beeren, Honig und/oder Gewürze zu, was zur Folge hat, daß auch jede Menge Vitamine und Spurenelemente in so einem Kwaß enthalten sind.
Ich habe für die Leser von Lieblingsbier.de ein einfaches Rezept aufgetrieben. Man benötigt:
• 250g Roggenbrot
• 100g Zucker
• 20g Hefe
• 2l Wasser
• nach Geschmack Rosinen
Die Zubereitung ist denkbar einfach, obwohl es, wie bei jedem Gärprozeß, auch hier zu Fehlgärungen kommen kann:
Das Brot in dünne Scheiben schneiden und in einer trockenen Pfanne oder im Ofen dunkelbraun werden lassen, bis es trocken ist. Das Brot in kleine Stücke brechen, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt für 4 Stunden warm stellen. Hefe in wenig lauwarmen Wasser auflösen und mit Zucker vermischen. Den Brotaufguss absieben und die Flüssigkeit auffangen. Die Hefe-Zucker-Masse in die Flüssigkeit geben und 10 Stunden an einer warmen Stelle ziehen lassen. Fertigen Kwaß abseihen, in Flaschen abfüllen und ein paar Rosinen hinein geben. Flaschen fest verschließen und kalt stellen. Nach drei Tagen ist Kwaß fertig.
Dieses Rezept stammt übrigens von RusslandJournal.de (für alle Rußlandfetischisten ein absolutes Muss).
So, zum Abschluss dieses Artikels gelobe ich hiermit feierlich, die Russische Sprache, dessen Grammatik, Rechtschreibung, Aussprache und Syntax nie wieder so zu verballhornen wie in diesem Artikel. Ja, ich schäme mich. пока, до свидания!
McDonalds? Nie wieder! Burger King? Nur wenn es sein muss. Wendy’s? Gibt’s in Deutschland nicht mehr, und außerdem mag ich das auch nicht, basta! Zugegeben, ich bin …äh, nennen wir es mal einfach… ein bisschen älter geworden, und da nimmt der Verzehr von Junk Food normalerweise eher ab, so dass mich diese ganzen Burgerketten eher kalt lassen. Mit einer Ausnahme...
Als ich vor vielen Jahren nach Kanada kam landete ich zuerst in Vancouver, an der Pazifikküste gelegen, weil meine Freundin eben von da war. Irgendwann verspürte ich damals auch den Wunsch nach einem Cheeseburger, und kam auf die Idee, man könne doch einen McDonalds aufsuchen - worauf meine Freundin mich fragte ob ich denn noch alle Tassen im Schrank hätte, und man könne das Zeugs doch nun wirklich nicht guten Gewissens zu sich nehmen, es sei doch ungesund, viel zu teuer, und überhaupt und sowieso… Als Alternative wurde mir A&W angeboten. Und siehe da: große, saftige, leckere Burger mit viel Käse; knusprige Pommes, die erstens nicht viel zu versalzen sind, und zweitens auch nicht vor Fett triefend auf dem Teller landen; panierte Zwiebelringe, die, man glaubt es kaum, wirklich nach Zwiebel schmecken!
Tja, und diese A&W-Kette verkauft eben auch jede Menge Rootbeer. Ich muss zugeben, dass mich das zuerst sehr geschockt hat - Bier aus Wurzeln? Wie eklig! Aber sehr viele Leute tranken dieses Zeugs leidenschaftlich gern. Es kam, wie es kommen musste, und eines Tages probierte ich doch mal dieses Rootbeer.
Industriell hergestelltes Rootbeer hat mit Bier nichts mehr zu tun, es handelt sich mehr um eine Brause mit relativ unbekannten Zusatzstoffen, die man entweder mag oder eben auch nicht. Geruch und Geschmack dieses Getränkes können durchaus Erinnerungen an eine Apotheke wecken. Ein bißchen almdudlerisch, möchte ich fast sagen - ich liebe übrigens Almdudler, während andere es als eine Strafe Gottes für den Sündenfall verdammen.
Irgendwann stieß ich auf die Tatsache, dass Rootbeer in früheren Zeiten wirklich mal als Bier konzipiert wurde, und auch mittels alkoholischer Gärung hergestellt wurde. Wir, d.h. ich, Bierbrauer, und meine kanadische bessere Hälfte, Köchin, beschlossen daher, die Herstellung von althergebrachtem Rootbeer auszuprobieren… Die Resultate waren durchaus respektabel.
Ich möchte hier das Rezept veröffentlichen, mit dem wir, meiner Meinung nach, das beste Resultat erzielt haben. Die Zutaten sind schwer erhältlich, sogar hier in Kanada und in den Staaten. Ich habe allerdings für alles eine Online-Bezugsquelle gefunden.
Rezept für Rootbeer:
7 Gramm Sassafrasholz - Bezugsquelle
7 Gramm Sarsaparilla - Bezugsquelle
3,5 Gramm Süßholzwurzel - Bezugsquelle
ca. 2,5 cm frischer Ingwer, geschält und in ganz dünne Scheiben geschnitten
1 - 2 Vanilleschoten, halbiert
2 Liter Wasser
Alles zusammen in einem sehr großen Topf für einige Minuten aufkochen, Topf vom Herd nehmen, abdecken, und für ca. 2 Stunden stehen lassen. Anschließend durch ein sauberes Tuch (oder Kaffeefilter) abfiltern. Danach weitere 2 Liter Wasser hinzufügen, und bis zum Erreichen einer Temperatur von ca. 24°C abkühlen lassen.
480 ml Melasse (Bezugsquelle) und 1 Gramm Trockenhefe (Backhefe) hinzufügen und gut umrühren. Jetzt am besten (zwei) leere 2 Liter Colaflaschen mit sehr heißem Wasser und Spülmittel auswaschen. Gut nachspülen! Jetzt den Sud vorsichtig in die leeren Flaschen umfüllen. Dabei darauf achten, daß man die Flaschen nicht zu voll macht - mindestens 5 cm frei lassen! Flaschen anschließend sorgfältig verschließen und für 12 Stunden für die Hauptgärung zimmerwarm aufbewahren.
Danach noch für weitere 2 - 5 Tage im Kühlschrank nachgären lassen. Das Rootbeer ist jetzt fertig, ihr könnt es entweder trinken oder gleich wegschütten - ganz nach Belieben. Obwohl es wie eine exotische Brause schmeckt: Rootbeer enthält Alkohol!
Vorsicht beim Aufmachen, die Flaschen können einen ungeheuren Druck entwickeln! Wer es ganz exotisch mag, kann gerne auch noch einen Rootbeer float ausprobieren: Rootbeer in ein Glas, Krug, Vase, Badewanne oder ähnliches füllen, und dann langsam eine, zwei, fünf, oder 247 Kugeln Vanilleeis hineingleiten lassen…
Tja, kanadisch ist eben manchmal sehr anders!
Wer kennt das nicht: man sitzt mit Freunden bei einem oder zwei (oder drei) Bierchen zusammen, scherzt, hat eine Mordsgaudi, unterhält sich über dies und jenes oder meinetwegen auch über etwas komplett anderes, etwa über das persönliche Lieblingsbier, und dann passiert es… jemand wagt es tatsächlich, das Unaussprechliche auszusprechen: „Wos sogst do? Des Weißbier vom XXX mogst? Bist narrisch oda wos? Den Plempi kost ja ned saufn, da biagts da jo de Zeanägl auf!“ (für alle Nicht-Bayern: „Wie bitte? Das Weizenbier der Brauerei XXX schmeckt dir besonders gut? Da muß ich dir leider widersprechen, dieses Bier gehört geschmacklich nun überhaupt nicht zu meinen Favoriten!“)
Nun könnte man jetzt stundenlang darüber debattieren, ob dieses Bier jetzt wirklich trinkwürdig oder doch bloß eher zum Füße waschen gedacht ist, aber sehr wahrscheinlich wird man auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Gottseidank, denn Geschmäcker gibt es so viele verschiedene wie es Menschen gibt, und Geschmack ist etwas, über das man beim besten Willen nicht streiten kann - und auch nicht streiten sollte. Wie sagt mein alter Herr immer so schön: „Jedem Tierchen sein Plaisierchen!“.
Was man hingegen machen kann und auch machen sollte, ist, Biere objektiv zu verkosten und nach festgelegten Kriterien miteinander zu vergleichen. Das hört sich sehr einfach an, erfordert jedoch einiges an Übung und Training. Sehr viele Faktoren gilt es dabei zu berücksichtigen, und seine eigenen Präferenzen sollte man hierbei auch hinten anstellen können.
Um eine Bierverkostung erfolgreich durchzuführen, müssen zunächst einmal einige Vorbereitungen getroffen werden. Man benötigt z.B. einen Raum in dem nicht geraucht werden darf, denn Zigarettenqualm beeinträchtigt das Geschmacksempfinden.
Man benötigt auch absolut saubere und richtig gespülte Gläser. Ganz besonders gilt das bei vergleichenden Verkostungen, d.h. bei denen ein Bier mit einem anderen verglichen werden soll. Am besten eignen sich hierfür klare, dünnwandige, zylindrische Gläser; so werden die Bierfarbe, die Klarheit und der Glanz eines Bieres am wenigsten beeinflußt.
Die Gläser bitte NICHT in der Spülmaschine spülen, das kann zu Ablagerungen führen die die Qualität des Bieres beeinträchtigen können. Auch haushaltsübliche Geschirrspülmittel eignen sich mit Sicherheit nicht zur Bierglas-Reinigung. Es gibt im Handel jedoch spezielle Reiniger für Biergläser die keinerlei Rückstände hinterlassen, und somit weder Geschmack oder Geruch, noch den Schaum des Bieres in irgendeiner Art verändern.
Wer nicht gleich eine ganze Flasche des Reinigers kaufen will, wendet sich einfach vertrauensvoll an die Kneipe seines Vertrauens!
Nun werden die Biere eingeschenkt, wobei darauf geachtet werden sollte, daß keine zu großen Unterschiede bei der Einschenktechnik auftreten. Der Winkel des Glases bezüglich des Winkels der Flasche (oder des Winkels des Zapfhahnes), sowie die Einschenkgeschwindigkeit haben einen riesigen Einfluß auf die Bildung einer Schaumkrone, auch oft „Blume“ genannt.
Jetzt fallen beim Bier auch sofort die ersten Punkte ins Auge die es zu beurteilen gilt: • Wie ist die Bierfarbe? Eher blaß? Oder doch kräftig? Golden oder goldgelb? Eher eine leuchtende Bernsteinfarbe? Oder vielleicht doch wie dunkler Bernstein? Typisch? Oder doch außergewöhnlich? • Wie sieht der Schaum aus? Sehr feine Blasen (oder „Poren“), gleichmäßig? Oder ungleichmäßig kleine und große Blasen? Ist der Schaum stabil, oder fällt er innerhalb kürzester Zeit zusammen? Wie ist die Schaumfarbe? • Wie ist die Klarheit (bzw. Trübung bei Weißbieren, Zwickel-, Keller- und Zoiglbieren) des Bieres? • Nun zum Geruch des Bieres: ist er angenehm? Frisch und rein? Existieren besondere Geruchskomponenten, z.B. hefig, zitrusartig, oder sticht vielleicht ein Gurkenaroma heraus?
Nun zur eigentlichen Verkostung, zum ersten langersehnten Schluck, dem Antrunk. • So ziemlich das erste was einem auffallen wird ist die Frische, die CO2-Haltigkeit: schmeckt das Bier frisch oder eher alt, schal, abgestanden? Wie fühlt sich das CO2 auf der Zunge an – angenehm oder lästig? Wie ist der Gesamteindruck, ist das Bier typisch für die Gattung, über- oder unterdurchschnittlich? •„Vollmundigkeit“ könnte man vielleicht auch mit „Mundgefühl“ gleichsetzen: wie „fühlt“ sich das Bier im Mund an? Kommt der Geschmack sofort zum Tragen, oder muß man erst dreimal um den Block laufen bis ein Geschmackserlebnis auftaucht? • Bier wird aus Malz und Hopfen hergestellt, also sollten wir auch versuchen diese beiden Komponenten sowohl separat als auch im Gleichklang miteinander zu bewerten.
Überwiegt eher die Süße des Malzes oder die Bittere des Hopfens, sind beide harmonisch aufeinander abgestimmt?
Sind besondere Malzaromen auszumachen, z.B. karamel-, schokoladen- oder brotartige Aromen?
Ist die Bittere des Hopfens angenehm oder unangenehm, adstringierend (adstringierend = wenn es einem die Löcher in den Socken zusammenzieht)? Hält sich die Bittere lange auf der Zunge? Sind besondere Hopfenaromen vorherrschend, z.B. floral (blumig), zitrusartig? • Bei trüben Bieren spielt die Hefe natürlich auch eine gewichtige Rolle. Ist der Hefegeschmack gerade richtig? Oder zu dominant? Nicht genügend vorhanden?
Jetzt kommt etwas, was der Fachmann als „retronasalen“ Eindruck bezeichnet, und zwar ist das der Geschmackseindruck, den man nach dem Ausatmen durch die Nase erhält. Oder anders: wenn man rülpst und dann durch die Nase ausatmet erhält man noch einmal einen (meist) angenehmen Gesamteindruck vom Bier, den es anschließend in Worte zu fassen gilt.
Fazit:„Des schmeggt wia ei’gschlafene Fiaß“ ist nicht wirklich eine Äußerung wie man sie von einem echten Bierliebhaber und Kenner erwarten sollte, auch wenn es manchmal stimmen sollte. Ein bißchen mehr Informationen wären hier durchaus angebrachter und auch sicherlich hilfreicher.
Wer mehr über Bierverkostung erfahren möchte, dem kann ich die virtuelle Bierverkostung auf der Webseite des Bayerischen Brauerbundes ans Herz legen.
Herr Dr. Stempfl von der Doemens Akademie zeigt neben der Verkostung verschiedener Biere auch wie man Weißbier richtig einschenkt (für die „Preiß’n“ unter unseren Lesern ;-)), faßt die Grundlagen einer Bierverkostung kurz zusammen, und erläutert in einem Video auch, welches Glas zu welchem Bier paßt.
Und wer sehr viel mehr wissen will, der sollte sich zu einem Lehrgang als Biersommelier anmelden. Nach erfolgreicher Beendigung dieses zweiwöchigen Intensivkurses kann man sogar mit Biertrinken Geld verdienen…
Feierabend, endlich! Es gibt doch fast nichts Schöneres als nach einem Tag angefüllt mit harter Arbeit nach Hause zu kommen, bequeme Klamotten anzulegen, gute Mucke aufzulegen, und ein leckeres Bierchen zu zischen.
Na dann mal ab in die Küche, Kühlschranktür auf… hmm… Ketchup und Mayo auf die Seite räumen, die mumifizierte Gurke entsorgen, Blattspinat, vertrockneter Salat… Kreuzkruzifixherrschaftsseitnsakramentnochamal! KEIN BIER MEHR! Muss ich jetzt bei dem Sauwetter auch noch zum Liquor Store marschieren… na ja, hilft ja nix.
Dort angekommen finde ich eine reiche Auswahl von Ale-Bieren, Ale-Bieren und Ale-Bieren. Ah, da ist ja die „Import“-Abteilung, ein kleines Regal mit ca. zehn verschiedenen Bieren. Und was gibt’s da alles Leckeres für mich als Weißbierliebhaber? Hoegaarden – nee, nicht wirklich! Erdinger – öhh, vielleicht noch was anderes? Erdinger Dunkel – besser als gar nichts, das muss es denn wohl sein.
So oder so ähnlich geht es wohl jedem, der hier in New Brunswick nach einem bestimmten Bier sucht. Ich z.B. trinke sehr gerne Hefe-Weißbiere: Karg, Franziskaner, Schneider, Unertl und dergleichen.
Nicht, dass ich erwarte hier ein Karg kaufen zu können (das gibt’s ja schon selten genug beim Getränkemarkt in Deutschland), aber ein bisschen mehr Auswahl sollte es schon sein. Ich würde, wenn es denn absolut sein müsste, sogar ein US-amerikanisches Weißbier trinken, so es denn nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraut wäre. Aber nur Erdinger?
Natürlich gibt es auch andere Biere in Kanada: ich kann z.B. König Ludwig Weißbier kaufen – in Nova Scotia. Das wäre dann ungefähr so, als müsste man von München nach Stuttgart fahren um sein Lieblingsbier zu kaufen. Schneider Weiße gibt es auch, allerdings in British Columbia, ca. 4500 km weit weg. Woran das liegt?
Nun, hier in Kanada ist der Handel mit Alkohol vom Staat sehr streng reglementiert. Es gibt Alkohol nicht im Supermarkt, nicht am Kiosk oder Corner Store, und erst recht nicht an der Tankstelle. Alkohol, gleich welcher Form, kann man nur in von der Provinzregierung kontrollierten Getränkemärkten kaufen, den sog. Liquor Stores. Denen wird vom Liquor Board vorgeschrieben, welche Alkoholika zu welchem Preis verkauft werden dürfen und welche eben nicht. Und wer den falschen Geschmack hat guckt eben in die Röhre…
Eine Flasche Erdinger Weißbier kostet zurzeit übrigens 3.53 kanadische Dollar, zuzügl. 10 Cent Pfand. Das ergibt beim derzeitigen Wechselkurs einen Preis von ca. 2.15 €, hochgerechnet kostet ein Kasten Erdinger mal eben 43 €. Plus Pfand.
Wen’s interessiert: hier kann man sich eine komplette, aktuelle Sortiments- und Preisliste für New Brunswick runterladen.
Mal eben zum Getränkemarkt um ein paar Flaschen seines Lieblings-Gerstensaftes zu kaufen geht halt leider nicht überall… Die Qual der Wahl – wie schön!
Ab heute dürfen wir euch interessante Beiträge von einem Brauer und Mälzer aus dem wunderschönen Kanada präsentieren. Gründe warum unser neuer Autor, er lernte seine Zunft im schönen Oberbayern, mittlerweile seine Künste im kalten Kanada darstellt und ob es dort überhaupt Bier und was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in den nächsten Wochen und Monaten. Wir wünschen allen viel Spaß!
So, das hab’ ich jetzt davon! Jetzt sitze ich hier an meinem Schreibtisch und muß Artikel für Lieblingsbier.de schreiben, anstatt auf der faulen Haut zu liegen und blödelige Videos auf YouTube anzuschauen. Wenigstens habe ich noch mein Weißbier das mich mental unterstützt…
Ach so – wer ich überhaupt bin? Ich bin der Andi, bin gelernter Brauer und Mälzer, und arbeite momentan in einer kleinen Brauerei im östlichen Kanada. Ich bin eigentlich nur durch Zufall auf Lieblingsbier.de gestossen, als ich nämlich nach Infos über das stärkste Bier der Welt suchte.
Sonst so? Kurz gefaßt: ich fühle mich steinalt, benehme mich manchmal aber wirklich kindisch (und find’s toll!), ich würde mich als Genußmenschen bezeichnen (man sieht’s leider), bin ein misanthropischer Philanthrop, ein agnostischer Atheist, ein Nihilist, Terrorist und alles was sonst noch zu einem guten Bürger gehört – kurzum: „nix B’sonders“, wie man in Bayern sagt.
Gelernt habe ich mein Handwerk beim Altöttinger Hell Bräu, einer sehr kleinen aber feinen Brauerei, die trotz (oder gerade wegen) sehr traditioneller Herstellungsmethoden sehr gute Biere (Das Dunkle war ein Traum!) herstellte. Leider habe ich erfahren müssen, daß diese Brauerei 2008 ihren Betrieb eingestellt hat (Georg Hell, der letzte Besitzer, arbeitet aber hart an einer Wiederaufnahme des Braubetriebes).
Nach Gastspielen in mehreren bayerischen Brauereien entschloß ich mich zu studieren. Und zwar beim Doemens Technikum in Gräfelfing. Was ich studiert habe? Natürlich Bierbrauen… Das Studium mußte ich allerdings aus persönlichen Gründen Anfang des dritten Semesters abbrechen.
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Irgendwann hat es mich dann nach Kanada verschlagen. Das Traumland vieler Deutscher: unendliche Wälder, Einsamkeit, Natur pur, nette Menschen.
Leider Gottes hat diese Land in meinen Augen einen entscheidenden Fehler. Einen gar schrecklichen Fehler; sinnverwirrend und existenzbedrohend, erschreckend und furchteinflößend… es gibt kein richtig gutes Bier!
Die gesamte nordamerikanische Bierkultur hat in den letzten Jahre einen erschreckenden Wandel durchgemacht. Viele sogenannte „craft breweries“ haben den Betrieb aufgenommen. Das ist an sich nichts Schlimmes sondern eher etwas Gutes, denn 1. belebt Konkurrenz das Geschäft, und 2. gibt es nichts langweiligeres als geschmackliche Eintönigkeit auf dem Biermarkt.
Das Problem dabei ist: so ziemlich alle dieser Craft breweries werden von Personen betrieben die eigentlich gar keine Qualifikation dazu haben, sondern im Prinzip nur „größenwahnsinnige“ Hobbybrauer sind. Das ist an sich auch nicht schlimm, denn wenn ich mir so manches deutschsprachige Hobbybrauerforum anschaue, dann wundere ich mich teilweise wirklich, wieviel Energie diese Leute in ihr Hobby stecken, und über wieviel angelesenes Fachwissen sie verfügen. Teilweise mehr als ich…
Und genau das fehlt hier bei so vielen nordamerikanischen Brauern – Fachwissen, Know-how.
Hunderte von Brauereien über die ganze Welt verteilt beweisen seit sehr vielen Jahren, Jahrzehnten und teilweise Jahrhunderten, daß man zur Herstellung einer unglaublichen Vielzahl von Bieren, ob man sie nun persönlich mag oder nicht, nur Wasser, Malz, Hopfen, Hefe, und eben Sachverstand benötigt.
Wie man so etwas, so etwas, oder gar so etwas als Bier bezeichnen kann, das wird mir, als Brauer und als Bierliebhaber, für immer ein Rätsel bleiben.
Nun, Ich möchte in Zukunft versuchen die technischen Aspekte des Brauens näher zu erläutern und Fachbegriffe zu erklären, vielleicht auch auf die nordamerikanischen Bedingungen einzugehen, und die eine oder andere Merkwürdigkeit, die mir hier so auffällt, dokumentieren und für euch darstellen. Ich hoffe ihr werdet Spaß daran haben.
Für Fragen und Anregungen bin ich immer zu haben: brewerab@gmail.com