heute möchte wir uns in einer etwas ernsteren Sache an euch wenden. Wir werden euch den neu gegründeten Verein “Bier PRO” vorstellen. Bei diesem Verein handelt es sich um die erste ernstzunehmende Vereinigung von Bierkonsumenten. Auch euer Bier Online Magazin Lieblingsbier.de ist mittlerweile Mitglied und wird tatkräftig für das Recht der Konsumenten kämpfen.
Es ist verdammt wichtig, dass wir uns alle gemeinsam für die Vielfalt der Bierkultur in Deutschland einsetzen und diese fördern und unterstützen. Somit ist es wichtig eine Lobby zu haben, welche sich für die Belange der Konsumenten einsetzt und nicht alles hinnimmt, was von den Brauereien diktiert wird.
Felix vom Endt
Vorstellung Bier PRO e.V.:
Mit seinen rund 1200 Braustätten gilt Deutschland vielerorts als Mutterland des Bieres. Rund 5000 bis 7000 verschiedene Biere und mehr als 40 unterschiedliche Bierstile gibt es hier. Trotzdem kennt sich das Gros der Verbraucher nicht aus. Die meisten wissen wenig über Sorten und Brauarten, geschweige denn Geschmack und Qualitätskriterien. Das Image des Bieres - so belegen Studien – ist denkbar schlecht. Indes liefern sich Brauereien erbitterte Preisschlachten und Verteilungskämpfe, die dazu führen, dass Unternehmen schließen oder aufgekauft werden und letztlich die Vielfalt zugrunde geht.
Anders als in England, Belgien, Dänemark, Holland, Österreich, ja selbst Italien gibt es hierzulande bisher auch keine unabhängige, überregionale Konsumentenorganisation mit umfangreichen Zielen. Das „Bierland Nr. 1“ steht also ohne Lobby für Bierkonsumenten da. Zwar leisten einige lokal tätige Initiativen und Vereine wertvolle Arbeit vor Ort, eine überregionale Vereinigung, die die Kräfte bündelt und eine Lobby organisiert, fehlt bisher.
Hier möchte der sich in Gründung befindende Verein BIER PRO etwas bewegen.
Schließlich beklagt auch der europäische Gesamtverband, die EBCU (www.ebcu.org), das Fehlen einer deutschen Vertretung. Als Dachverband der europäischen Bierkonsumentenvereinigungen vertritt die EBCU die Interessen der Bierkonsumenten in Brüssel. So gibt es beispielsweise regelmäßige Meetings mit den Mitgliedern des europäischen Parlaments. Denn immerhin werden auf EU-Ebene bereits 80 Prozent der in Deutschland gültigen Gesetze beschlossen.
Insgesamt zählt die EBCU mit ihren nationalen Mitgliedsvereinen mehr als 120.000 Mitglieder in 13 Ländern.
Die BIER PRO Konsumentenvereinigung Deutschland e.V. (IG) versteht sich als Verein, der alle Kräfte in Deutschland zusammenführen und bündeln will, die die Bierkultur fördern und beleben wollen.
57 Milliarden Euro haben die internationalen Regierungen in Europa im letzten Jahr durch den Bierkonsum eingenommen. Dies zeigte nun eine neue Untersuchung der Unternehmensberatung “Ernst & Young”. Auf Deutschland fällt knapp eine Milliarden Euro Steuereinahmen ab. Dies ist, bei einer Jahresproduktion von 103 Millionen Hektoliter, eine runde Summe. Deutschland ist somit auch Europas größter Bierproduzent und hält mit 1.330 auch die mit Abstand größte Anzahl an Brauereien im eigenen Land.
Europaweit sind rund 2,5 Millionen Jobs abhängig von der Bierbranche. In Europa werden rund 427 Millionen Hektoliter Bier im Jahr gebraut. Dies ist, weltweit gesehen, der absolute Spitzenwert. Im Vergleich dazu produziert China 393 Mio. Hektoliter und die USA 234 Mio. Hektoliter bedeutend weniger Bier.
Entgegen den Trend, dass deutsche Brauereien langsam aussterben, legte die Anzahl der Brauereien in ganz Europa von 3.000 auf 3.733 zu. Die größten Exporteure sind die Niederlande, Belgien und Irland. Diese Länder verkaufen mehr als die Hälfte ihres Bieres im Ausland. Deutschland liegt mit 15 Mio. Hektoliter Exportbier eher auf den hinteren Plätzen.
Die größten global europäischen Biermarken sind das britische Guinness, das niederländische Heineken und das belgische Stella Artois. Tschechien belegt beim Pro-Kopf-Konsum mit 158 Litern den ersten Platz, darauf folgt Österreich mit 109 und Deutschland mit 108 Litern.
Nun kann auf Grund dieser Zahlen eigentlich gesagt werden, dass es dem Biermarkt in Europa ganz gut geht, doch das ist nur teilweise die Wahrheit.
Bereits seit 25 Jahren gibt es neben dem Stadtpark in Nürnberg einen der beliebtesten Biergärten der Franken Metropole. Nun muss das “Anderland” seine Bierbänke und Zapfanlagen abbauen, da die Stadt dort ein neues Wohnprojekt bauen möchte. Neben vielen Stammgästen trauert auch das ganze Team um das Ende des legendären Biergartens. Aber so einfach wollen sich die Mitarbeiter nicht geschlagen geben, den sie suchen bereits nach einem Ersatz-Biergarten, so dass im Sommer 2010 ein neues “Anderland” eröffnen kann. Angebote können unter info@das-anderland.de eingesendet werden. Wir bleiben dran.
Wechsel in der Paulaner Brauerei
Kurz nach dem Roland Tobias als neuer Chef der Münchner Paulaner Brauerei berufen wurde, gibt es nun auch einen Wechsel in der Geschäftsführung.
So verlässt Michael Bartholl, Chef für Marketing und Vertrieb der Brauerei, das Unternehmen. Angeblich gab es eine unterschiedliche Auffassung der weiteren Ausrichtung des Unternehmens in der Bierbranche. Ein Nachfolger steht bereits auch schon fest. Heiner Müller, bisher Geschäftsführer der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei, übernimmt die Position bei Paulaner. Die Fürstenbergische Brauerei gehört genau wie die Paulaner Gruppe zur Brau Holding International. Müller war zuvor Vertriebsdirektor bei der Spaten-Löwenbräu-Gruppe (InBev) und kennt daher die Ausrichtung des Münchner Biermarktes. So können wir gespannt sein, ob sich bei Paulaner demnächst bei der Vermarktung etwas ersichtliches ändern wird oder nicht.
Bereits vom 3. bis zum 4. Mai fand in München der 12. Bierkongress statt. Über zwei Tage verteilt traffen sich hochrangige Manager aus der Bierbranche, Marketingexperten, Bierspezialisten, und ganz normale Brauer um unter dem Motto “Sturm im Bierglas” Themen wie, Alkoholpolitik, Preiskampf gegen Discounter, Differenzierung der Biervielfalt und neuartige Produktvielfalt zu diskutieren. Als Referent war ebenfalls dGeschäftsführer und Brauer der Lahnsteiner Brauerei , Dr. Markus Fohr, anwesend. Im nachhinein konnten wir ihn zur aktuellen Stimmungslage in der Brauereibranche befragen. Viel Spaß!
Hallo Herr Dr. Fohr, willkommen zurück vom 12. Bierkongress aus München, wie ist die derzeitige Stimmungslage?
Hervorragend. Auf dem Kongress wurden viele Punkte genannt, die erfolgreiche Brauereien umsetzen müssen, um in Zukunft zu bestehen. Da wir all dies schon umgesetzt haben fühlen wir uns nun bestärkt. Beispiel: Außergewöhnliche Spezialitäten wir unser Buch, Bierlikör, Bierkäse, Hopfentee etc.
Als Autor des Buches „Besser Leben mit Bier“ und als Geschäftsführer der Lahnsteiner Brauerei hatten Sie die Ehre als Referent tätig zu sein. Wie kam es zu dieser Ehre?
Das Buch wird als erfolgreicher Versuch angesehen, das Image des Bieres zu steigern. Dies geschieht durch Geschichte und Geschichten, aber auch durch Informationsvermittlung in lockerer und humorvoller Form.
Erzählen sie doch bitte kurz worin es in ihrem Beitrag „Besser leben mit Bier – Wege in und aus der Imagekrise des Bieres“ ging.
Wichtigster Punkt: Wir müssen neue Wege finden um das Image des Bieres in der Öffentlichkeit positiv darzustellen. Wir haben entgegen vieler Vorurteile die These „Bier macht schnell, schlank, schlau und schön“ aufgestellt und diese wissenschaftlich bewiesen. Mehr dazu in meinem Buch.
Haben Sie den Eindruck, dass sie ihre Message gut vermitteln konnten?
Ja, denn ich konnte einige Bücher direkt verkaufen, wurde oft auf meinen Vortrag angesprochen und lernte Interessenten kennen, die möglicherweise eine größere Anzahl Bücher kaufen möchten.
Denken Sie, dass die Hauptthemen wie die Alkoholpolitik, die Differenzierung der Biermarken oder der Preiskampf der Brauereien mit den Discountern in einer ausreichenden Lage diskutiert wurden?
Was ist nur los? Auch der Start in das Jahr 2009 wird nicht gerade von einer positiven Entwicklung im Bierkonsum der Deutschen begleitet. Ganz im Gegenteil! Im Vergleich zum Januar 2008 sank der Bierverkauf um unfassbare 18,3 Prozent. So ging zum Beispiel im Bierland Bayern der Absatz zweistellig zurück und nur in einem Bundesland wurde mehr getrunken als im Vorjahr.
Insgesamt verkauften die 1300 heimischen Brauereien gerade mal 6,5 Mio. Hektoliter Bier. „Die Verunsicherung durch die Wirtschaftskrise ist nun auch in der Brauwirtschaft angekommen“, kommentiert Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund (DBB) im Gespräch mit WELT ONLINE.
Nach einiger Zeit wollen wir für euch das Bier Blitzlicht mal wieder aufgreifen und euch einige Neuigkeiten rund um die Brauerei- und Bierbranche vorstellen.
Schörghuber will engere Vernetzung des Bier-Geschäftes:
Die Brauereigruppe Schörgruber, zu dem unter anderem Paulaner, Kulmbacher und Karlsberg gehören plant eine zentralere Führung ihres Bier-Geschäftes. So sollen Einkauf und Logistik künftig für zahlreiche Biermarken zentral über eine Abteilung gelenkt werden. Das Konzept sei bereits unter der Führung des im November plötzlich verstorbenen Inhabers Stefan Schörghuber entworfen worden. Ebenfalls sollen die deutlich gestiegenen Kosten für Energie, Hopfen und Malz durch eine engere Zusammenlegung der kleineren Brauereien kompensiert werden. Kein Kommentar gab das Unternehmen zu Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass einige Biersorten wie Mönchshof oder auch Fürstenberg in ganz Deutschland vertrieben werden sollen. In Berlin gibt es schon das fränkische Mönchshof im Einzelhandel, z.B. bei REWE, zu kaufen.
Größte Brauerei der Welt wird in Stuttgart geplant:
Der 1852 gegründete BrauereianlagenherstellerZiemann plant derzeit für das Unternehmen Corona die Realisierung der weltgrößte Brauerei in Mexiko. Diese Brauerei soll pro Jahr sagenhafte 30 Millionen Hektoliter Bier produzieren. Im Vergleich dazu stellt die größte Brauerei in Deutschland im Jahr sechs Millionen Hektoliter Bier her. Die neue Brauerei wird über einen eigenen Bahnanschluss verfügen und ihr Brauwasser über eine 16 Kiliometer Pipeline beziehen um das Trinkwasser der Bewohner von Piedras Negras an der mexikanisch-texanischen Grenze nicht komplett aufzubrauchen. Das Unternehmen Ziemann produziert für fast jede Brauerei weltweit maßangefertige Brauereianlagen und hat einen jährlichen Umsatz von 400 Millionen Euro. “Ganz egal wie groß ein Brauerei-Projekt ist und wo auf der Welt es sich befindet – Ziemann deckt alle Aufgabenbereiche ab, wir sind also längst nicht mehr Komponentenhersteller, sondern bieten schlüsselfertige Lösungen an”, so Jörg Rositzke, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation bei der Ziemann Ludwigsburg GmbH. “Dazu gehören die Megatanks mit einem Fassungsvermögen bis zu einer Million Liter ebenso wie die Kühlanlagen, Sudbottiche und Filter bis hin zur Software für die Anlagensteuerung.” Mehr Informationen über Ziemann gibt es hier.
Die Bayern mögen kein Bier mehr:
Das Bier-Bundesland Nummer 1 wankt in seiner Stellung. Die Liebe zum Bier geht immer mehr zurück. Im Jahr 2008 wurden 30 Millionen Mass bayerisches Bier weniger getrunken als noch im Vorjahr. So werden trotz derzeit gesunkener Energie- und Rohstoffpreise der Preis des Bieres in den nächsten Monaten weiter erhöht. Dies bestätigte Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes in einem Interview. Weiterhin wird von König die derzeitigen politischen Bemühungen gegen den Alkoholkonsum in der Bundesrepublik mit “reinem Aktionismus” niedergeschmettert. Ebenso wird wohl der Preisanstieg im Zeichen der Finanzkrise nicht zur Steigerung des Absatzes herbeiführen. So wünscht sich der Geschäftsführer für das bayerische Gold einen schönen Sommer, der Absatz und Ansehen des Bieres hebt: “Dann wäre der ganzen Brauwirtschaft geholfen.”
Brauerei Eichbaum vor dem Aus:
Die Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim hat im Jahr 2007 einen Minusbetrag von 12 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies geht aus dem veröffentlichten Geschäftsbericht hervor. Die zur Actris-Gruppe (Karamals, Valentins Weißbier) gehörende Brauerei konnte noch im Jahr 2008 vier mal Gold der DLG für ihre Biere einfahren. Die Verluste sollen zum größten Teil aus Abschreibungen auf Beteiligungen und Rückstellungen für die Restrukturierung des Unternehmens entstanden sein. Auch die allgemein sinkende Nachfrage nach Bier und die hohen Rohstoffpreise sollen zum Verhängnis beigetragen haben. Mehrheitsaktionär Dietmar Hopp habe sich bereits von seinen Aktien an der Actris-Gruppe getrennt. Die Brauerei erwartet für das vergangene Jahr etwas “freundlichere Zahlen”.
Vom 12. bis zum 14. November findet die 48. Fachmesse der europäischen Getränkewirtschaft, die BRAU Beviale, im Messezentrum Nürnberg statt. Insgesamt werden zu diesem Großereignis insgesamt 1.400 Aussteller von Getränke-Rohstoffen, Technologien, Logistik und Vermarktungsideen anreisen und sich einem breiten Publikum präsentieren. Erwartet werden ebenso 34.000 Besucher und potentielle Kunden, die sich in Mittelfranken um die Themen Marktorientierung, Neuheiten, Einfluss auf Produktentwicklung, Vorbereitung von Investitionsentscheidungen und vieles weitere austauschen werden.
Neben allerlei geschäftlichen Ereignissen kommt der herbstliche Branchentreff auch einem kleinen “Volksfest” nahe. So ist es nicht nur eine reine geschäftliche Veranstaltung sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis, an dem auch das ein oder andere besondere Bierchen getrunken wird. Neben einer lockeren und entspannten Atmosphäre gibt es auch das ein oder andere Event zum feiern und geniessen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Eine Tageskarte kostet übrigends 13 Euro. Die Karten können direkt im Online-Ticketshop bestellt werden.
Euer Bier Online Magazin wird zwar nicht mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten sein, doch werden wir uns auch blicken lassen um das ein oder andere Gespräch über die Bierbranche zu führen und für unsere Leser Neuigkeiten zu erfahren!
Themenschwerpunkte der diesjährigen BRAU Beviale sind unter anderem:
- Was werden die Europäer im Jahr 2015 trinken?
- Produktneuentwicklungen für eine gesunde Ernährung
- „Gegessen und getrunken wird immer“ – aber wie viel?
- Europäische Getränkeindustrie als wichtiger Jobmotor
- Rohstoff- und Energiepreise steigen: Was heißt das für den Konsum?