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Bayerischer Brauerbund verklagt Christian Hans Müller wegen „Bayerisch Nizza Clubbier“

ChristianHansMuellerBayerischNizza

„Wer will nochmal, wer hat noch nicht?“ So oder so dachte ich es mir, als ich vom nächsten „Duell“ David gegen Goliath erfahren habe. Diesmal wurden allerdings nicht die Anwälte einer Brausefirma in den Kampf geschickt, sondern die Anwaltskanzlei des Bayerischen Brauerbundes klagt gegen den Neueinsteiger auf dem deutschen Biermarkt Christian Hans Müller.

Dieser Fall ist komplizierter und skurriler als der Fritz-Fall, bei dem es grundsätzlich um das Führen des Begriffs „Fritz“ im Zusammenhang mit Getränken ging. Fritz Wülfing einigte sich gezwungenermaßen mit den Machern von fritzkola und wird nun in Zukunft unter Ale-Mania den Biermarkt aufmischen. Bei Christian Hans Müller ist der Fall ein etwas verzwickterer.

Die Anwaltskanzlei des Bayerischen Brauerbundes „Knaak & Kollegen“ verschickte Ende Januar an die Hans Müller Sommelierbier GmbH mit Sitz in Aschaffenburg (Bayern) einen Brief in dem eine rechtsverbindliche Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung beigefügt wurde, die der Beschuldigte bis Donnerstag, den 20.02.2014, zu unterzeichnen hatte. Wird diese Erklärung innerhalb der genannten Frist nicht eingereicht, werden gerichtliche Schritte durchgeführt, so heißt es im Schreiben der Anwaltskanzlei welches mir vorliegt.
Gerade noch den „RateBeer Award“ als beste neue bayerische Brauerei abgeräumt und nun klopfen die Anwälte des Bayerischen Brauerbundes an. Worum geht’s hier eigentlich genau? Ist Hans-Müller mit seinen neuen und kreativen Bieren wie dem „Bayerisch Nizza Clubbier“, ein frisches und fruchtiges Wheat Pale Ale, dem traditionellen Bayerischen Brauerbund ein Dorn im Auge? Oder wird einfach „ganz normal deutsches Recht“ durchgeführt?

Im Grunde geht es um etwas banales, nämlich um die Führung der Wortbezeichnung „Bayerisches Bier“, welches eine eingetragene Kollektivmarke des Bayerischen Brauerbundes ist. Dabei geht es vor allem um die geographische Schutzmarke. Es darf nur bayerisches Bier drauf stehen, wenn es auch Bier aus Bayern ist. Konkret geht es um die Biersorte „Bayerisch Nizza Clubbier“. Dabei geht es um jede Art von Form, Schreibart oder dergleichen was die Assoziation „Bayerisches Bier“ hervorrufen kann.

Hat also Hans Müller sein Bier nicht in Bayern gebraut und schreibt es trotzdem auf das Label? Falsch! Das Bier wird in einer bayerischen Brauerei, genauer gesagt bei Schlappeseppel, gebraut und abgefüllt. In dieser Brauerei darf ganz offiziell „bayerisches Bier“ fließen, so heißen und ist dementsprechend gekennzeichnet. Ebenfalls sitzt die Firma von Christian Hans Müller in Aschaffenburg und ob ihr es glaubt oder nicht, dieser beschauliche Ort gehört auch gerade noch so zum Freistaat Bayern.

Das Ganze ist alles komplizierter als gedacht. Der Vertrieb und das Eintragen der Marke „Bayerisch Nizza Clubbier“ verstößt laut Aussagen der Anwälte des Bayerischen Brauerbundes gegen den Schutz der eingetragenen geographischen Angabe „Bayerisches Bier“ und verletzt ferner die Rechte der Geimenschaftskollektivmarke „Bayerisches Bier“. Dabei steht Bayerisch Nizza lediglich als Synonym für die Heimat von Christian Hans Müller – für Aschaffenburg. Christian selbst distanziert sich auch von einer Vermarktung bayerischen Bieres im Sinne dessen, was der Bayerische Brauerbund darunter versteht. Er lobpreist lediglich sein Zuhause. Biere die aus Bayern kommen müssen sämtlichen Anforderungen der Spezifikation dieser Eintragung entsprechen. Dazu gehört, dass die Brauereien, die Biere unter dieser Bezeichnung vertreiben, dem amtllichen Kontrollsystem angehören, das die Einhaltung dieser Spezifiaktionsbedingungen überwacht. Dabei gibt es zum Beispiel Kategorien wie Farbe, IBUs, etc. welche ganz klar kennzeichnen was bayerisches Bier ist und was nicht.

Müller gehört mit seiner Marke nicht dem Kontrollsystem zum Schutz der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ an und ist deshalb nicht befugt, ein von ihm gebrautes Bier als „Bayerisches Bier“ oder als „Bayerisch Nizza Clubbier“ zu vermarkten, auch nicht, wenn er damit „Aschaffenburger Bier“ vermarktet. Der Schutz des Begriffs erstreckt sich nämlich nicht nur auf die Bezeichnung selbst, sondern auf jegliche Abwandlung, die den Gedanken an die Bezeichnung Bayerisches Bier aufkommen lässt, auch das Design des Labels kann herangezogen werden.

Hatte wenig zu lachen in den letzten Wochen: Christian Hans Müller

Also Klartext. Hier wird ein mutiger und innovativer Entrepreneur vom Bayerischen Brauerbund dazu gedrängt sein Bier vom Markt zu nehmen, weil er „Bayerisch Nizza Clubbier“ drauf gepinselt hat??? Obwohl das Bier in einer Brauerei gebraut wird die dem Schutzsystem angehört. Gleichzeitig sehe ich beim Lesen des Namens „Bayerisch Nizza Clubbier“ eher das mediterrane Nizza mit seinen Stränden, Meer und Partyclubs vor meinen Augen als das hüglige mit Wiesen und Seen gepflasterte Bayern mit seinem „Mia san Mia“ Charakter. Was ist das überhaupt für ein Kontrollsystem und für eine Vereinigung der man angehören muss um „Bayerisches Bier“ vermarkten zu dürfen? Ich verstehe durchaus das „Bayerisches Bier“ ein wertvolles „Label“ ist, welches vor Halunken und Scharlatanen geschützt werden muss, aber ein junger Mensch der ein finanzielles Risiko eingeht um den deutschen Biermarkt zu bereichern solch einen Riegel vorzuschieben, nur weil er nicht Mitglied in der Vereinigung der Hüter des „Bayerischen Bieres“ ist? Da platzt mir doch glatt die Hutschnur!

Christian hat das Jahr 2014 bereits voll durchgeplant. Er hat vor voll durchzustarten, neue Sorten stehen bereit, Etiketten sind gestaltet und das gesamte Konzept ist auf „Bayerisch Nizza“ als Produktgruppe für viele neue Spezialitäten abgestimmt. So etwas kostet Geld, Zeit und ist durchaus sehr arbeitsintensiv. Seine gesamte Existenz könnte zerstört werden. Ist es das was der Bayerische Brauerbund möchte? Einen unliebsamen Mitbewerber auf dem bayerischen Biermarkt, welcher bayerisches Bier modern interpretiert, einen vor den Latz zu hauen?

Wie geht’s weiter? Wir haben Christian in den letzten anderthalb Jahren durchaus als Kämpfer kennengelernt. Doch aktuell lernen wir eine neue Seite an ihm, nämlich die diplomatische, die er selbst nicht als seine stärkste sieht, kennen. Dank ihr und der Beratung seiner Anwältin konnte er neben eines Aufschubs noch einiges mit der Gegenseite klären. Er wird das Bayerisch Nizza Clubbier ohne dem Bayerischen Brauerbund beitreten zu müssen der Kontrollsystematik anschließen. Dafür hat er in den letzten Tagen, neben umfangreichen und beeinträchtigten Messevorbereitungen zur Braukunst Live, sehr viel Formelles unternommen, um bei der Kontrollbehörde aufgenommen und geprüft zu werden. Dort gibt es dann wohl doch nichts zu befürchten. Das Bayerisch Nizza Clubbier erfüllt alle Kriterien, anhand des Prüfkatalogs und wird weder vor, noch nach einer Prüfung durch das entsprechende Institut vom Markt genommen werden müssen. Wir können uns also weiterhin an frischem Clubbier erfreuen und ganz entspannt weiteren Projekten des Hauses Hans Müller entgegenblicken.

Alles dem Bier zu liebe, nicht wahr?

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Kategorie: Bier Allgemein, Bier Artikel, Brauereien, Craft Beer, Craft Beer national, bier, brauereien, kommentar

von

Bier ist für mich das großartigste und vielfältigste Getränk der Welt und immer wieder für Überraschungen gut. Craft Beer bedeutet für mich Lebensgefühl, Leidenschaft, Transparenz, und Liebe. Das Bier steht an erster Stelle und nicht Marketing, Wirtschaftlichkeit und Absatzzahlen, auch wenn diese selbstverständlich dazugehören.

6 Kommentare

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  2. Daniel F. sagt

    Die sind sich auch für keine Peinlichkeit zu schade, oder?
    Bin kein Jurist, aber nach dem ausführlich geschilderten Sachstand dürfte das hoffentlich eine krachende Niederlage für den Bayerischen Brauerbund geben. Schade, daß diese Vereinigung auch etliche der besten deutschen Privat- und Familienbrauereien vertritt, die mit einem solchen Vorgehen wahrscheinlich auch nicht einverstanden sind.
    Reine Profilierung und Panik vor aufkeimender Konkurrenz.

  3. Alle Achtung vor der Aufbereitung des in der Tat anscheinend geographisch und rechtstechnisch recht verzwickten Themas.

    Dazu auch grundsätzlich alle Sympathie für dringend gebrauchte Neuzugänge auf dem deutschen Biermarkt, jenseits von den Ballungszentren Berlin, Köln und München.
    Nur scheint mir eines noch possierlicher als die großkotzige Haltung des bayrischen Brauerverbands, und das ist als neue Brauerei/neuer Vagabundbrauer bei meistens sehr freundlich gesinnten, experimentierfreudigen Trinkern allen Alters und aus allen deutschen Ländern dermaßen seinen Newcomer-Sympathiebonus zu verspielen, indem man seine ersten kommerziellen Sude gleich „Sommelierbiere“ nennt (sollen etwa Produzent und Rezipient gleich Sommeliers sein?). Wenn man 66cl-Flaschen eigengelobtes, aber auf z.B. Ratebeer nur sehr lau empfangenes „Dreistern Sommelierbier“ gleich mit wirklichkeitsfernen €16-18 bei einem Wunschpublikum von kapitalkräftigen Premium-Trinkern (aus dem unbedarften Frankfurter Speckgürtel?) absetzen möchte, braucht man nicht damit zu rechnen, dass der durchschnittliche Craftbiernerd für deine kleine Vagabundunternehmung blogtechnisch oder sonstwie David-gegen-Goliath-witternd auf die Barrikaden klettert.
    Ich fand das Bayrisch Nizza Bier an sich auch nicht schlecht als wheat ale/witbier/Weizen-Crossover, lasse mich aber, wie bestimmt einige andere langjährige Quertrinker, für die der Geschmack an erster Stelle kommt, nicht so gerne als clubgehenden Sommelier zielgruppieren.

    Da ist vielen der ex-Fritzale, jetzt Ale-Mania doch etwas sympathischer, mit seiner wahren Experimentierlust (APA, Gose, Stout) jenseits von Geldgier und Nizza-Club-Sommelier-Gehabe. Auch Kollegen-Hessen vom BrauKunstKeller zeigen, dass es eine Nummer bescheidener immer noch ganz gut ankommt – es ist also keine Frage von „wer aus der tiefsten Provinz kommt, muss am lautesten schreien“.

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