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Ohne Gentechnik: Oettinger widerspricht seiner eigenen Philosophie

OettingerSiegelArtikel

Die Firma Oettinger deklariert ab sofort alle seine „Biere“ mit einem speziellen Siegel, welches dem potentiellen Käufer zeigt, dass das Produkt „ohne Gentechnik“ hergestellt wurde. Oettinger ist somit die erste, so genannte Brauerei, welche dieses Siegel einsetzt. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und nicht extra mit einem „Siegel“ deklariert werden.

(c) Oettinger

Ich möchte auf Bedeutung des Siegels und dessen Einsatz beim Bier gar nicht weiter in diesem Artikel eingehen. Eines ist aber hervorzuheben: Oettinger widerspricht mit diesem Siegel seiner eigenen Unternehmensphilosophie und dies geht, meiner Meinung nach, absolut gar nicht. Das Siegel wird nämlich nicht nur auf die Etiketten gedruckt, nein, es kommt noch viel heftiger. Oettinger hat begonnen seine Kronkorken zu verändern und färbt diese nun grün.

In der Unternehmensphilosophie auf der Webseite des Unternehmens heißt es:
„Wir verzichten auf eine teure „Verpackung“ der Flaschen (Hochglanz-Etiketten, farbige bzw. bedruckte Kronenkorken, etc.) weil nach unserer Meinung letztendlich der Inhalt zählt.“ (Stand: 14.03.2013)

Zack! Da steht es schwarz auf weiß! Verzicht auf farbige bzw. bedruckte Kronkorken! Allerdings sind die Kronkorken nun grün und dies ist, nach meiner Philosophie, eine Farbe.

Beeindruckend, wie das keiner der „PR-Leute“ von Oettinger merken konnte. Ob das Ganze jetzt in einem „PR-Gau“ über geht? Ich bezweifel das, dafür sind die „Oettinger Liebhaber“ viel zu mächtig und kontern jede Kritik mit einem „Dann trink halt dein überteuertes Fernsehbier und rette den Regenwald“. Schaut doch einfach mal bei der Facebook-Seite von Oettinger vorbei, lest die Kommentare, und hinterlasst einen kleinen Gruß, ihr werdet sicherlich sofort das ein oder andere Gespräch beginnen können.

Ich jedenfalls trinke kein überteuertes Fernsehbier und auch kein Billigbier – ich trinke Craft Bier! Dieses benötigt übrigens keine Siegel, den ich kenne den Braumeister und schau öfters mal in der Brauerei vorbei und wenn ich da irgendwas rumstehen sehe, das nach was aussieht, was nicht in ein Bier gehört, dann gibt’s ein Satz heiße Ohren und ich kündige meinem Braumeister die Freundschaft.

Zum Abschluss dieser Story möchte ich noch kurz einen Kommentar auf der Oettinger-Facebook-Seite zitieren, welcher eigentlich für sich selbst sprechen kann:

„Entweder das Oettinger-Bier ist nicht nach dem Reinheitgebot gebraut und enthält z.B. Enzyme. Dann hätte „ohne Gentechnik“ Sinn. Oder aber es ist nach dem Reinheitsgebot gebraut, dann ist „ohne Gentechnk“ Werbung mit Selbstverständlichkeiten und Verbrauchertäuschung.“

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Bier ist für mich das großartigste und vielfältigste Getränk der Welt und immer wieder für Überraschungen gut. Craft Beer bedeutet für mich Lebensgefühl, Leidenschaft, Transparenz, und Liebe. Das Bier steht an erster Stelle und nicht Marketing, Wirtschaftlichkeit und Absatzzahlen, auch wenn diese selbstverständlich dazugehören.

10 Kommentare

  1. Hatte auch den Bericht im ZDF dazu gesehen und konnt nicht mehr vor lachen. Selbst der bayerische Brauerbund beäugt das ganze missmütig.

  2. Eigentlich ist das doch ein alter Hut da die Brauwirtschaft sich doch schon klar dazu geäußert hat:
    http://www.projektwerkstatt.de/gen/prozesse/2006lg/antrag_brauereien_wollen_nicht.pdf

    Umso peinlicher diese PR-Luftnummer von Oettinger. Das würde m.E. nur Sinn machen, wenn andere Brauereien trotz des o.g. generellen Statements inzwischen genmanipulierte Gerste einsetzen. Ansonsten ist das in der Tat „Verbrauchertäuschung und Werbung mit Selbstverständlichkeiten“!

  3. Carsten sagt

    Das das Reinheitsgebot irgendwas über Gentechnik aussagt, würde mich wundern.
    Über kurz oder lang wird der Anteil an Gerste, der gentechnisch verändert wurde steigen.
    Ich finde diese Gentechnik-Panik äußerst befremdlich. Züchtung ist auch nur eine manuelle und fehlerträchtige Form von Gentechnik und wird seit Jahrhunderten angewandt. Von daher wäre mehr Sachlichkeit und Differenzierung angebracht. Ich kauf gerne Biere von Brauereien, die sich um Umwelt, Menschen und Resourcen gedanken macht. Aber so manch einer, der bei Gentechnik reflexartig den Untergang des Abendlandes heraufbeschwört, sollte sich auch erstmal im Gedanken machen versuchen.

  4. Jan sagt

    …und niemand wundert sich über das Geschäftsmodell des „ohne Gentechnik“-Labels? Ein Greenpeace-Campaigner säht jahrelang Furcht und Schrecken vor der bösen Gentechnik in die Herzen der Verbraucher, und wird dann – schwupps – Geschäfsführer des VLOG „Verband Lebensmittel ohne Gentechnik“, der das „ohne Gentechnik“-Label vertreibt.
    Für mich ein billiger Werbegag – offensichtlich vertraut Oettinger nicht mehr darauf, nur mit der Qualität ihrer Biere zu überzeugen. Mit jedem Schluck darf man jetzt die Verbrauchertäuschung unterstützen (Werbung mit Selbstverständlichkeiten) und die Kassen des VLOG klingeln lassen… Na dann Prost!

  5. in crust we trust sagt

    Wow. da hst du ja einen gesalzenen bericht rausgehauen. scheinbar hast du von bier und allem was damit zusammenhängt richtig viel ahnung. sehr toll. ich hab nur eine frage „oettinger hat jetzt farbige kronkorken“ und ich denke mir nur hast du keine anderen probleme oder einfach zuviel freizeit?

  6. Vintner sagt

    Hey crusty,

    das hier ist nun mal ein Bier-Blog. Also werden bierrelevante Themen aufgegriffen.

    Wenn die Größte Brauerei Deutschlands ihr Marketingkonzept ändert, dann freue ich mich hier darüber zu lesen.

  7. hey,

    Jap, ich hab ne Menge Ahnung von Bier und allem was damit zusammenhängt, gut erkannt..

    Freizeit?! Eher nicht so im Moment.. leider :( Ansonsten geht es darum, das Oettinger seiner eigenen Unternehmensphilosophie widerspricht und dies ist schon sehr krass. Natürlich ist es nur ein „kleiner“ Puntk, aber es ist vielleicht auch ein Anfang?

    Prost,
    Felix

  8. Jörg Dierig (Geschäftsführer Vertrieb, Marketing, Export der Zweigniederlassung Gotha von Oettinger) referiert übrigens heuer am deutschen Bierkongress in Düsseldorf – sein Thema: „Glaubwürdigkeit mit System – das Marken und Handelsmarkenkonzept der Oettinger Brauerei“. Na alsdann ;)

  9. Peter Malcherczyk sagt

    !! T O L L !!
    dass sie endlich nach 497 Jahren dem deutschen Reinheitsgebot außer :
    W A S S E R
    G E R S T E
    M A L Z und
    H O P F E N
    nun auch noch eine Garantie für >> Gentechnik freies <> Alkoholarmes, bzw. Alkoholreduziertes Bier < 0,5 Vol. %. Bzw. ein Bier mit echten 0,000 Vol.%
    produzieren würden ….dass wäre richtig
    T O L L (:-)
    P.S. Oder hat Bitburger mit seinem 0,0 Vol. % die Vorreiterrolle bereits übernommen?
    Oder mauscheln die genau so weiter, wie sie? Oder verwenden die noch Genmanipulierte Zutaten?
    Erreichen aber nur damit 0,0 Vol. %?

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