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Neues aus dem BIERLAND: Überschüsse – oder: Wie erschließe ich eine neue Zielgruppe

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Vor einiger Zeit habe ich bereits über das neueste Produkt, mit dem schönen Namen „Weizi„, aus dem Paulaner-Labor berichtet und nun meldet sich auch unsere Kolumnistin Esther aus dem Bierland Hamburg zu Wort und kommentiert dies mit einigen Insider-Informationen.

Der Produktionsleiter und der Verkaufsleiter der Brauerei laden zum Meeting ein. Der Hintergrund: Der Absatz alkoholfreien Weizens fällt und aufgrund des fallenden Umsatzes von Spezi gibt´s noch zu viel Saftkonzentrat im Lager. Eine Idee muss her.

Thema: Innovative Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen.

Es ist Montag. Es war ein sonniges Wochenende. Die Bundfaltenhosen sind frisch aufgebügelt, das Schatzi hat die Brotreste aus der Aktentasche genommen und letztere auch wieder frisch geölt. Die weißen Hemden hängen wieder perfekt im Kleiderschrank und auch die Schuhe haben wieder eine
Grundüberholung mit Schuhcreme und Spanner bekommen. Der Verkaufsleiter ist froh, nun endlich kreativ werden zu können. Er will dem Kollegen von der Produktion beistehen und hat nun die Truppe vom Außendienst zum Mitdenken eingeladen. Manche müssen da schon einige hundert Kilometer fahren. Aber was tut man nicht alles für seine Brauerei.

Da sitzen seine Jungs nun am ovalen Eichentisch. Der Meyer ist in Gedanken noch bei seinem Hasi, dass ihm so viele Bussis zum Abschied gegeben hat. Gedankenverloren streicht er sich durchs gegellte Haar und klappt dann sein Außendienstlernotebook vor sich auf. Zuerst erscheint ein Foto vom Hasi auf dem Schirm. Der Schulze Peter hat einen Schreibblock vor sich und schnauft unter seiner 40jährigen Berufserfahrung. Er hat es nicht leicht, sein Spusi will, dass er endlich mal in Rente geht. Aber was soll er dann den ganzen Tag machen – nur mit dem Spusi. Schulze hat nämlich in jedem Hafen eine Braut und alle anderen nennt er Schatzi. Ein Leben ohne die Schatzi wäre furchtbar. Der Müller Paul denkt ans Gassi gehen. Sein Schnecki hat dazu keine Lust. Darum ist er in den Außendienst gegangen. So kann er mittags mal zu Hause vorbeischauen und mit seinem Wauwi Gassi gehen.

Während die uniformierte Mannschaft noch ihren Gedanken nachhängt, stürmt der Verkaufsleiter herein. Er begrüßt sie mit dem Motivationsspruch: Ihr wisst, der einzige Satz, der zählt, ist der Umsatz! Dann wirft er über Beamer dramatische Umsatzeinbußen in Törtchenform an die Wand und stellt die offene Frage: Was ist zu tun? Dann traut sich der Mann, dessen Statur eher der eines Wadenbeißers gleicht, in seinem Kreativitätsschub soweit nach vorn, dass er drei Kreise an das Flipchart malt und sinnträchtig vorliest: Alkoholfreies Weizen, Saft, Zielgruppe. Die Toni, ein super Mädchen, hat BWL studiert und als beste in München abgeschlossen, darf mitschreiben, was den Gebietsleitern zu den drei Stichwörtern einfällt.

Alkoholfreies Weizen: kein Bier, für Kranke, für Alte, für Schwangere, für Autofahrer, für Warmduscher,
Saft: gesund, für Kinder, Alte, Kranke, Schwache, Ökos
Zielgruppe: Hunde, Kinder, Frauen, Alte, Kranke

Schnell ist man der Meinung des Verkaufsleiters, der sich inzwischen entspannt dem Taschenbillard widmet, obwohl sein Spatzi ihn an jedem Wochenende bittet, seine Bundfalten doch nicht so zu schikanieren: Man wird die die beiden Produkte mischen. Ein alkoholfreies Weizen mit Saft als Mischgetränk. Großartig. Das gibt es noch nicht.

Jetzt fehlen noch die Zielgruppe und der Name. Jetzt kommen alle ins Schwitzen. Tiere mögen keinen Saft. Kranke werden wieder gesund. Alte sterben weg. Kinder sollen Fassbrause trinken. Was übrigbleibt sind die Frauen, die ja sowieso immer die betrunkenen Kerle nach Hause fahren müssen. Super! An die hat noch keiner gedacht. „Genial!“ ächzt es in den Bundfalten des Verkaufsleiters.

„A Weizi für mei Schatzi!“ transpiriert Schulz in seiner langen Erfahrung.

„Und, was sagt das Toni dazu?“ meint Müller Paul, der mit dem Wauwiproblem. „Ja, genau!“ kommt nun die eifrige
Nachfrage vom Verkaufsleiter „Konnten Sie alles notieren, was hier in der überschäumenden Kreativität entstanden ist? Bitte noch einmal als Memo an alle und für den Konzeptentwurf, denn sie schon mal im Rohbau bitte erstellen, setzen wir uns dann nach meinem Urlaub zusammen!“

Toni nickt und denkt bei sich „Ihr Schlaffis, ich trinke weiter mein IPI!“

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Kategorie: Bier Allgemein, Bier Artikel, Neues aus dem BIERLAND

von

Bier ist für mich das großartigste und vielfältigste Getränk der Welt und immer wieder für Überraschungen gut. Craft Beer bedeutet für mich Lebensgefühl, Leidenschaft, Transparenz, und Liebe. Das Bier steht an erster Stelle und nicht Marketing, Wirtschaftlichkeit und Absatzzahlen, auch wenn diese selbstverständlich dazugehören.

4 Kommentare

  1. Peter_lustig sagt

    oh herrlich! So stell ich mir den Prozess wirklich sehr gut vor. Ein herrlicher Artikel. Vielen Dank dafür.

    Aber mal ernsthaft, was will den Paulaner damit erreichen? Wer soll den dieses Getränk trinken? Alkoholfreies Weizenradler oder wie?

    Paulaner sollte mal dabei bleiben, was sie auch können..

    Prosit!
    Peter

  2. Pingback: Bier-Splitter: Von Start-Ups, Bier in Möbelhäusern und Managerfeindlichkeit | usoX Bierblog

  3. Markus sagt

    Das gibt es noch nicht? Weit gefehlt. Die Pott’s Brauerei aus Oelde hat bereits einen alkohofreien Weizen-Mix auf den Markt gebracht. Pott’s Blitz!

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