Warum englisches Bier besser ist als sein Ruf
England ist neben Belgien und Deutschland das traditionsreichste Bierland. Seine Bierstile Ale, Porter und Stout sind international bekannt und werden in vielen Ländern rund um die Welt gebraut. Einer großen Beliebtheit erfreuen sich hier auch die vielen Cidersorten. In Deutschland eher bekannt als Apfelwein, wird der Cider hier eher als Bier getrunken, hat mehr Kohlensäure und ist gerade im Sommer sehr erfrischend und dank der Apfel- oder Birnennote angenehm fruchtig und nicht zu süß. Wer Alster und Radler mag, der wird Cider lieben.
In Deutschland findet sich eine Breite Masse der eher Konservativen Biertrinker, die bei Bier-Cola, Bier mit Cranberrysaft oder Limettengeschmack nur verständnislos mit dem Kopf schütteln können. Nicht ohne Grund hat Deutschland heute noch weltweit den Ruf, das Land mit dem besten und reinsten Bier zu sein. Allerdings zeigen sich die Briten bei ihrem Bier ein wenig experimentierfreudiger als wir und die Vielfalt der englischen Biere gibt recht viel her. Ales zum Beispiel sind relativ bittere, dunkle Biere, oft auch als Bitter bezeichnet und mit 3 – 4 % relativ alkoholarm. Es gibt jedoch auch stärkere Vertreter, die auf eine interessante Geschichte zurückblicken.
Der Bierstil Porter, welches vom englischen Wort „port“ abgeleitet ist (Port bedeutet Hafen), wurde vornehmlich zur Zeit der Industrialisierung von Hafenarbeitern getrunken. Es sollte ihnen Kraft geben für die harte Arbeit im Hafen. Es ist noch dunkler als die Ales, in Deutschland würde es als Schwarzbier bezeichnet werden. Neben dem Ale und dem Porter gibt es noch das Stout, dessen bekanntester Vertreter wohl das irische Guinness ist, das wahrscheinlich jedem Deutschen bekannt ist. Wobei viele wohl der Meinung sind, dass der Anblick eines dunklen, frisch gezapften Guiness mit voller Schaumkrone (in England schlichtweg head (Kopf) genannt), angenehmer ist als sein Geschmack. Es wird mit Stickstoff anstelle von Kohlensäure gezapft und hat daher seinen cremigen und stabilen Schaum(kopf).
Der hohe Anteil an Röstmalz bei den genannten Bieren ist verantwortlich für die Aromen, die von röstig, karamell, nussig oder schokoladig reichen. Nicht nur bei den Aromen sind die Engländer kreativ, neben dem Geschmack sind die Designs der Labels auf den Flaschen humorvoll, originell, manchmal düster und manchmal recht schräg. Die Labels selbst sind oft schon kleine Kunstwerke, so finden sich grimmig dreinblickende Goblins, kleine Hunde im Piratengewand (Pirate Ale), betrunkene Drachen (Seidr Cymru, eine Cidersorte aus Wales) oder ein tanzendes Brautpaar (Kiss me Kate Beer).
Wer ein originelles Geschenk für einen Freund braucht, der ein großer Bierliebhaber ist, dem sei empfohlen, in einem British Shop (gibt es in jeder größeren deutschen Stadt) oder gut sortieren Getränkemarkt auf die Suche nach English Ales zu gehen, Bilder von diesen zu machen, evtl. die Herkunft des Bieres zu erkunden und daraus einen Tisch- oder Fotokalender zu machen. Selbst Skeptiker werden bei so einem Geschenk neugierig auf Englisches Bier. Und was viele noch nicht wussten: jeder, der mal ein Kölsch probiert hat oder sogar Kölschfan ist, ist eigentlich gleichzeitig Ale-Fan, denn das Altbier und das Kölsch sind der Alefamilie zugehörige Biere.
Falls ihr nun ein wenig Lust auf Bier aus England habt, dann empfehle ich euch www.BierPost.com. Hier könnt ihr zahlreiche Biere aus England bestellen und anschließend in aller Ruhe verkosten.
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Felix, das kannst Du doch besser! (auch wenn dieser Text von einem — anonymen — Gastautor stammt)
1.) Bei den angeblich traditionsreichsten Bierländern (zugegeben, die drei genannten sind schon auch meine liebsten) fehlt mindestens eins: woher, glaubst Du, kommt denn der Biertyp »Pilsener«?
2.) Daß Deutschland heute noch weltweit den Ruf habe, das Land mit dem besten und reinsten (was immer das heißen mag) Bier sei, würd’ ich gerne irgendwie belegt sehen. Es sei denn, »weltweit« hieße »zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen«.
3.) Die Etymologie des Wortes »Porter« würd’ ich dringend noch mal nachgucken, am besten bei Martyn Cornell, “Amber, Gold & Black. The History of Britain’s Great Beers”. Nur soviel: lat. »portare« = dt. »tragen«. Außerdem: Porter =/= Schwarzbier, schon wg. ober-/untergärig.
4.) Wenn Du von *englischem* Bier sprichst, warum illustrierst Du das mit einer Abbildung von Guiness!? (Nebenbei: kannst Du mir trennscharfe Definitionen von Porter und Stout nennen?)
Vor allem aber beantwortet der Text nicht die Frage, die die Überschrift (die ihrerseits etwas behauptet, was zu belegen wäre, daß englisches Bier nämlich einen schlechten Ruf habe) aufwirft. Und das hat England nicht verdient, die Biere von dort (und aus Schottland) sind nämlich mitunter wirklich sehr gut!
Lieber Gerrit,
Genau dafür gibt es ja die Kommentar-Funktion, in der Dinge ergänzt werden können. Dafür bin ich immer offen und auch zu begeistern. Vielleicht finden sich ja ein paar Antworten auf deine Fragen. Also vielen Dank für deine Ergänzungen
Grüße,
Felix
Porter = Gepäckträger
Die Porters haben eben gerne dies dunkle Bier getrunken, weil es recht preisgünstig war.
Ja passt doch und Gepräckträger waren früher ja doch eher am Hafen und nicht am Flughafen oder Busbahnhof oder?!
naja, is ja auch wurscht.. Grundsätzlich hat englisches Bier bei den meisten “Unwissenden” einen schlechten Ruf, da es einfach als Brühe abgestempelt wird, da ist es doch schön zu lesen, dass es auch anders geht. England hat tolle Biere, nicht zu verachten!
Du meinst damit eher einen Docker (Hafenarbeiter, Schauermann).
Porter sind Portiers, also Leute, die anderen die Koffer tragen.
@Gerrit: Stout – verkürzt von “stout porter” – the porter was made stouter. Das Adjektiv “stout” findet sich in jedem durchschnittlichen dictionary und übersetzt sich zu dann zu starker/kräftiger Porter.
Stout bezieht sich dabei aber nicht auf den Alkoholgehalt sondern auf stärkere Röstaromen als beim Porter. In eine Stout-Schüttung gehört auch geröstete Gerste (Rohfrucht), die in einem Porter nichts zu suchen hat.
In der einschlägigen Literatur finden sich dementsprechend auch unterschiedliche Schüttungen für ein Porter und ein Stout Porter. z.B.
die Schüttung für Fuller’s London Porter Clone -
Farbe 120 EBC, Bitterung ca. 30 IBU, alk. ca. 5,5 Vol-%
72% Pale Ale malt
13% Brown malt ca. 120 EBC (eine in D kaum erhältlich Malzsorte)
8,5% Crystal malt ca. 200 EBC
6,5% Choloate Malt, ca. 1000 EBC
dagegen für ein Stout Porter
Farbe ca. 100 EBC, Bitterung ca. 34 IBU, alk. ca. 4,1 Vol-%
89.5% Pale Ale malt (bevorzugt Maris Otter)
9.0% Röstgerste (ca. 1200 EBC)
1.5% Choloate Malt ca. 1000 EBC
Die Unterschiede in der Farbe sind kaum wahrnehmbar – ab gut 80 EBC ist eh alles schwarz.
Fuller’s London Porter:
Tiefschwarz, wenig Schaum crémiger Konsistenz ähnlich wie bei einem guten Espresso. Leicht herber Geschmack, Kaffee- & Röstaromen sehr deutlich aber nie aufdringlich und ohne einen unangenhem Nachgeschmack, mit einem Hauch von Schokolade. Kaum ist der erste Schluck die Kehle runtergeronnen verlangt es nach mehr. Ein vollmundiges, für den ausgeprägten Körper ein mit 30 IBU schwach gehopftes Bier, eher trocken aber manchmal mischt sich da ein leicht süßer Geschmack mit rein und es bleibt die Frage ob das nur eine Einbildung war. Geschmacklich entfernt(!) ähnlich wie ein Guiness, aber sanftere Röstaromen und insgesamt ausgewogener. Ein Gedicht!
Es gibt auch einige wenige deutsche Porter, aber die die ich bisher probieren durfte waren eine einzige Beleidigung für den Gaumen.
Prost!