Österreich trinkt mehr Bier – gut oder schlecht?

Felix | 16. Februar 2012 | Kommentare (1)

Der Bierausstoß in Österreich stieg im Jahr 2011 um rund zwei Prozent von 8,26 auf 8,43 Millionen Hektoliter Bier. Beim Export gab es sogar einen Zuwachs von rund 20 Prozent und das kann im nächsten Jahr durchaus noch mehr werden, nachdem nun der österreichische Bierspezialitätenversandshop www.mybier.at offiziell auch nach Deutschland verschickt.

Die beliebteste Biersorte in Österreich ist immer noch das typische Märzenbier, welches durchweg von jeder großen Brauerei angeboten wird und somit auch am meisten gekauft wird. Der Marktanteil vom Märzen liegt bei rund 63 Prozent, das sind 5,4 Millionen Hektoliter.

Aber auch das Weizenbier (plus 16,8 Prozent) und das Bockbier (plus 4,7 Prozent) konnten hohe Zuwächse verzeichnen. Leichtbier, Spezialbier und Pils möchten die Österreicher dagegen nicht mehr so gerne trinken.

Grundsätzlich ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich bereits seit einigen Jahren höher als der in Deutschland. Die Schere geht sogar immer weiter auseinander und der Bierdurst der Österreicher ist größer denn je. In Österreich gibt es derzeit „gezählte“ 73 Brauereien. Dies sind natürlich ein paar weniger als in Deutschland, hier zählen wir rund 1.300 Brauereien, welche insgesamt einen Ausstoß von rund 82,7 Millionen Hektoliter. Nachdem diese Zahlen bekannt wurden, haben ziemlich viele Medien das Thema aufgegriffen und als reißerische Überschrift die Thematik „Ösis hängen Deutschland ab“ aufgegriffen und gehaltvoll ausgeschlachtet. Ok, auch ich habe bereits etwas reißerisch darüber berichtet.

Und nun? Sollen wir in Deutschland „neidvoll“ anerkennen, dass die Österreicher mehr Bier trinken als wir? Oder um was geht es hier bei diesem Vergleich? Wir pflegen ja bereits seit einiger Zeit einen regen Austausch mit dem Österreichischen Brauwarenschutzverband und mit Sepp „Biersepp“ Wejwar und können hier die Österreichische Bierkultur nur loben. Aber nicht wegen der Quantität, sondern wegen der Qualität.

Grundsätzlich ist es ja auch völlig egal, wie viel Bier getrunken wird, sondern es geht darum, welches Bier getrunken wird. Der Absatz von Bierspezialitäten in den letzten Jahren in Österreich und auch in Deutschland sprunghaft angestiegen, auch wenn er insgesamt noch niedrig ist. Die Verbraucher dürsten nach innovativen und speziellen Bieren und haben es satt sich dem langweiligen Einheitsbier von Großbrauereien hinzugeben, welche lediglich durch qualitativ hochwertige PR-Kampagnen überzeugen und nicht durch ihr Bier, denn das schmeckt überall gleich fad.

Von mir aus kann der Bierkonsum in den nächsten Jahren weiter sinken. Das ist für mich eindeutiges Zeichen dafür, dass wir Verbraucher nicht weniger Lust auf „Bier“ haben, sondern eher mehr Lust auf richtiges Bier. Wir wählen gezielter aus, trinken genussvoller, langsamer und mit mehr Überlegung, Geist und Seele. In Österreich ist der Pro-Kopf-Verbrauch gestiegen. Was bedeutet das? Hier wirkt sich der Genuss von Bierspezialitäten natürlich viel schneller auf die Statistik aus, da es insgesamt viel weniger Einwohner in Österreich gibt und auch die großen Brauereien wie Stiegl z.B. immer wieder bestimmte Spezialitäten auf den Markt werfen. Wir können also entweder davon ausgehen, dass die Österreicher bereits einen großen Absatz von Bierspezialitäten in ihrer Statistik haben oder der Effekt einfach etwas später eintritt. Grundsätzlich eher letzteres, so wie wir unsere lieben Freunde aus Österreich kennen. Bitte nicht übel nehmen, natürlich nur ein Spaß.

Schauen wir, wie sich die Statistik in den nächsten Jahren verändern wird. Noch ist der Konsum von Bierspezialitäten mit gerade mal 2-3% sehr gering. Doch dies kann sich in den nächsten Jahren drastisch verändern. Wir werden also erleben, dass der Pro-Kopf-Verbrauch weiter sinken wird, der Bierkonsum von Bierspezialitäten aber ansteigen wird. Getreu nach dem Motto: Lieber Klasse statt Masse! Da in Österreich bekanntlich alles ein wenig länger braucht, wird sich dieser statistische Wert auch ein wenig später einstellen. Was wir nun beobachten sind quasi die letzten Zuckungen des „Massen-Biermarktes“ in Österreich

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Kategorie: Bier Allgemein, Bier weltweit, Brauereien

Kommentare (1)

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  1. BeerNerd sagt:

    Also an mir liegt es nicht, dass die lieben Nachbarn aus dem Süden mehr Bier trinken als wir hier in Deutschland. Ganz im Gegenteil! Wobei ich das Ganze schon interessant finde mit dem Thema, mehr Qualität statt Quantität, da ist schon was dran.

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