Interview: Daniel und Markus von myBier.at

Felix | 16. Februar 2012 | Kommentare (5)

Der Bierspezialitätenshop myBier.at mischt derzeit den österreichischen Biermarkt auf. Mittlerweile wurde auch offiziell bekannt gegeben, dass die Bierspezialitäten aus Österreich nach Deutschland verschickt werden. Eine tolle Sache! Wir haben uns die beiden Gründer Daniel Schalhas und Markus Wurzer mal zur Seite geholt und mit ihnen ein Interview rund um myBier.at, die Bierkultur in Österreich und Deutschland und den Biermarkt der Zukunft geführt. Dabei haben wir vor allem interessante Einblicke in die Arbeit und auch in die Zukunft von myBier.at gewonnen, welche wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Viel Spaß beim Lesen!

Servus miteinander, das unsere Leser auch wissen, mit wem sie es in den nächsten Minuten zu tun haben, könnt ihr euch jetzt erst einmal vorstellen..

Daniel: 20 Jahre jung, aufgewachsen und wohnhaft in der Nähe von Wieselburg (Niederösterreich). Bei myBier.at bin ich für die Plattformtechnik, Buchhaltung, Produktfotografie sowie Layout & Design zuständig. Neben myBier.at mache ich gerade die Ausbildung zum Fotografenmeister und arbeite als freier Pressefotograf.

Markus: 26 Jahre, aufgewachsen und wohnhaft in Wieselburg (einer Gemeinde mit großer Brautradition – die Wieselburger Brauerei zählt mit 900.000 hl zu den größten in Österreich), absolviertes Bachelor & Master-Studium im Bereich Marketing & Management (Vertiefungen: Lebensmittel sowie Innovationen) an der Fachhochschule Wieselburg. Bei myBier.at habe ich das Marketing, den Vertrieb und die Betreuung der Brauereien über. Daneben für das Marketing am elterlichen Direktvermarktungsbetrieb zuständig und als regionaler Reporter aktiv.

Daniel: Kennen gelernt haben wir uns beim Fortgehen beim Bier-Trinken bzw. über die Fotografie, die für beide von uns ebenfalls eine absolute Leidenschaft darstellt.

Markus: Richtig. Was das Thema Bier betrifft sind wir echte Quereinsteiger – das ist aber wahrscheinlich ganz gut so, weil wir genau deshalb viele Probleme anders angehen, weil wir noch nicht so eingefahren sind.

Markus und Daniel

Ihr habt das Onlineangebot www.myBier.at ins Leben gerufen, erzählt doch mal, was sich dahinter verbirgt?

Daniel: myBier.at ist Österreichs 1. Online-Shop für Bierspezialitäten heimischer Privatbrauereien. Wir lösen damit gleich zwei große Probleme mit einem Streich: erstens machen wir das Thema „Online-Distribution“ für Brauereien so einfach wie nie zuvor. Und zweitens machen wir bislang nur schwer zugängliche Bierspezialitäten für alle Bierliebhaber verfügbar.

Aus der Perspektive der Brauereien betrachtet: speziell kleinere Brauereien vermarkten ihr Bier meistens nur „rund um den Schornstein“ und haben deshalb nur einen stark eingegrenzten Kundenradius. Dies hat zwei Gründe: Erstens ist ihr Bier oftmals nicht filtriert und pasteurisiert – es hat also eine relativ kurze Haltbarkeit und ist damit nicht für den regulären Wiederverkauf geeignet. Zweitens geht es im Lebensmittelhandel zum Teil sehr brutal zu: man unterliegt dem allgemeinen Preisdruck, zahlt teure Logistik und muss sich über horrende Point of Sale-Marketingmaßnahmen von der Konkurrenz abheben. Dies können sich langfristig nur die Großbrauereien leisten – die Kleinen bleiben dabei auf der Strecke. Fachhändler für Bier sind im Gegensatz zu Wein noch eher selten anzutreffen.

Markus: Als logische Konsequenz bleibt diesen Produzenten eigentlich nur der Versandhandel, um die Kundenreichweite zu vergrößern. Wie uns bislang alle Brauereien berichteten erhalten sie laufend Kundenanfragen, ob sie ihr Bier verschicken können. Viele machen das auch, jedoch mit Widerwillen, weil der Aufwand doch sehr hoch ist.

Wir setzen genau an diesem „kritischen“ Punkt an: Brauereien können den Online-Vertrieb komplett zu uns auslagern – wir richten für jede Brauerei eine eigene Seite mit allen Informationen ein, stellen die Produkte inklusive professioneller Produktfotos online, machen Marketing und übernehmen die komplette Bestellabwicklung. Die Preise geben dabei die Brauereien vor – wir legen eine übliche Handelsspanne darauf. Selbst die Ausstattung mit optimalem Verpackungsmaterial für den Bierversand wird von uns übernommen – quasi also ein Rundum-Sorglos-Paket. Die Brauereien selber bekommen bei jeder Bestellung eine E-Mail, packen die Produkte ein und rufen unseren Logistikpartner an zur Abholung. Das Bier wird direkt vom Produzenten zum Konsumenten geliefert – wir können unseren Kunden somit immer frischeste Ware garantieren und auch unfiltrierte Ware anbieten. Die Abrechnung wird monatlich durchgeführt.

Daniel: Aus Kundenperspektive betrachtet: Bierliebhaber erhalten Zugang zu einem großen Sortiment an Gourmetbieren, die bisher nur sehr schwierig bzw. nur bei den Brauereien selber erhältlich waren – durch die direkte Lieferung zudem immer so frisch wie möglich. Wir haben unseren Shop sehr einfach und übersichtlich gestaltet – damit wollen wir so manchem Kunden auch die gewisse Scheu vor einer Internetbestellung nehmen.

Was hat euch eigentlich den Anstoß gegeben solch ein Projekt umzusetzen und wie seid ihr dabei vorgegangen?

Daniel: Vorweg: bis zu dem Moment, der uns die Augen öffnete, waren wir ganz gewöhnliche Biertrinker mit ganz normalen Vorlieben. Wir kannten die größeren Brauereien Österreichs, wir kannten die Standard-Biersorten im Handel und in der Gastronomie – in Österreich ist vor allem Märzenbier vorherrschend – und machten uns darüber hinaus nicht viele Gedanken über das Thema Bier. Stein des Anstoßes waren ein Bierfächer und eine einfache Rechnung, die danach folgte.

Markus: Stimmt. Im Frühjahr 2011 präsentierte sich Hirter Bier samt ihrem Testimonial, der Skifahrer-Legende Franz Klammer, in unserer Region. Wir beide waren als Reporter eingeladen um darüber eine kleine Story zu verfassen. An diesem Abend bekamen wir auch einen Bierfächer der Doemens-Akademie in die Hand gedrückt und dieser erregte von Anfang an unsere Aufmerksamkeit. Auf jedem Fächerblatt (insgesamt sind es 34) wird ein Bierstil kurz beschrieben: welches Glas passt, welche Trinktemperatur, wie hoch sind Alkoholgehalt und Bitterkeit, sortenspezifische Aromatik, Kombinationsmöglichkeiten zu Speisen und was ist die Farbe. Wir waren höchst erstaunt wie viele unterschiedliche Biersorten da beschrieben wurden und wie wenig davon wir selber kannten.

Neugierig nach mehr begannen wir tags darauf mit unserer Recherche und bekamen gänzlich neue Einblicke – gewissermaßen wurde uns ein neues Bier-Weltbild zuteil. So brachten wir zum Beispiel in Erfahrung, dass innovative Kleinbrauer wie Reinhold Barta oder Gerhard Forstner auf extrem ausgefallene Rezepturen – auch abseits des Reinheitsgebots – setzen und damit den Markt so richtig aufmischen. Weiters erfuhren wir, dass der allgemeine Bierkonsum im Gegensatz zum Wein seit Jahren rückläufig ist – irgendwie auch kein Wunder dachten wir, denn schließlich wird Wein mit seinen vielen unterschiedlichen Sorten gewissermaßen zelebriert, während Bier meistens immer das gleiche ist und ihm deshalb auch wenig Aufmerksamkeit gewürdigt wird. Schlussendlich stellten wir eine einfache Rechnung an: ein österreichischer Supermarkt führt im Schnitt 30 verschiedene Biere von 10 Brauereien. Insgesamt werden in Österreich aber über 1.000 verschiedene Biere von 175 Brauereien produziert. Daraus lässt sich schließen, dass rund 97% aller Biere im normalen Handel gar nicht erhältlich sind.

Daniel: Nachdem wir diese Biere, von denen wir jetzt so viel gelesen hatten, natürlich auch verkosten wollten, wurde uns richtig bewusst, wie schwierig es eigentlich ist, dieser Produkte handhab zu werden: Fachhändler sind nach wie vor Mangelware in Österreich und auch im Internet gab es so gut wie keine Bestellmöglichkeiten für österreichische Gourmetbiere.

Wir wussten jetzt also, dass dies eine absolute Marktlücke darstellte und wir waren willens, diesen Umstand in Form eines Online-Shops zu verändern. Zu unserer Fügung ergab sich, dass unsere Freunde Mike, Rainer und Tom Ende 2009 eine eigene Online-Plattform namens myProduct.at gestartet hatten. Diese vereint Spezialitäten aus der österreichischen Landwirtschaft und macht diese für den Verbraucher ganz einfach verfügbar. Kern dieser Geschäftsidee (und was uns persönlich auch sehr gefallen hat) ist es, dass sie die (mitunter sehr kurz haltbaren) Produkte nicht auf Lager legen, sondern Bestellung direkt vom Landwirt zum Kunden verschickt wird. Im Mai 2011 präsentierten wir ihnen unsere Idee und einigten uns auf eine weitreichende Kooperation, um Synergien für beide Seiten zu schaffen. So baut unser Shop auf dem gleichen technologischen System auf und wir unterstützen uns in Sachen Logistik sowie Marketing. Auch der Name war durch diese Parallelität schnell festgelegt: myBier.at als Partner von myProduct.at. Am 8. August 2011 gingen wir an die Öffentlichkeit und bekamen unglaublich hohe Resonanz. Am 9. November 2011 war schließlich der große Online-Launch – im Endeffekt stampften wir also innerhalb eines halben Jahres das Ganze aus dem Boden.

Mittlerweile habt ihr bereits einige Brauereien gelistet und es kommen auch stetig neue Brauereien hinzu. Auf welche Brauereien darf sich der Bierliebhaber freuen?

Markus: Wir sind im November mit vier Brauereien mit insgesamt 40 Produkten gestartet. Von Anfang an dabei waren die Bierzauberei aus Brunn am Gebirge (Niederösterreich), das Brauhaus Gusswerk in Salzburg, die Privatbrauerei Gerald Schwarz aus Krumbach (Niederösterreich) und die Wirtshausbrauerei Haselböck in Münichreith am Ostrong (ebenfalls Niederösterreich). In der Zwischenzeit haben wir unser Sortiment um vier weitere Brauereien erweitert: die Hausbrauerei Kaltenböck vom Attersee (Oberösterreich), Kiesbye’s BierKulturHaus aus Obertrum (Salzburg), die Brauerei Gratzer aus Kaindorf (Steiermark) und die Privatbrauerei Loncium aus Kötsch-Mauthen (Kärnten). Einige weitere Brauereien stehen aktuell in der Pipeline bzw. es werden letzten Details geklärt. Fix sind unter anderem die Kartause Gaming mit ihrem Kartausenbräu (Niederösterreich) sowie die Handbrauerei Gerhard Forstner aus Kalsdorf bei Graz (Steiermark). Ende 2012 sehen wir unser Sortiment bei 20-25 Brauereien mit insgesamt 200-250 Produkten – Qualität geht bei uns aber immer noch vor Quantität!

Gibt es spezielle Kriterien welche eine Brauerei erfüllen muss um bei euch aufgenommen zu werden?

Markus: Im Grunde sind es 5 Kriterien, die eine Brauerei erfüllen soll oder muss, damit wir sie bei uns aufnehmen:

1.) Muss-Kriterium: Es handelt sich um eine Privatbrauerei mit Sitz in Österreich.
2.) Muss-Kriterium: Die Brauerei füllt ihr Bier in Flaschen ab die in unseren Versandkarton passen.
3.) Muss-Kriterium: Die Produkte erfüllen alle lebensmittelrechtlichen Anforderungen und es ist eine ausreichende Mindesthaltbarkeit gegeben, also mindestens 4 Wochen).
4.) Soll-Kriterium: Die Produkte werden im österreichischen Lebensmittelhandel nicht flächendeckend angeboten – umso exklusiver, desto besser.
5.) Soll-Kriterium: Es existieren unabhängige Verkostungsergebnisse, wie z.B. Prämierungen bei offiziellen Bewerben, die die hohe Qualität der Biere belegen. Gibt es so etwas nicht, ziehen wir unabhängige Diplom-Biersommeliers wie den Biersepp zu Rate, der die Produkte für uns bewertet.

Ein sechstes Kriterium ist weder soll noch muss, sondern eher „darüber würden wir uns sehr freuen“: die Brauerei bietet ihre Produkte exklusiv im Internet auf myBier.at an. Aktuell haben wir mit 6 von unseren 8 Brauereien einen solchen Exklusiv-Vertrag abgeschlossen.

Nun gibt es auch in Deutschland bereits einige Bieronlineshops, hebt sich da myBier.at von der “Masse” ab??

Daniel: Die direkte Lieferung von der Brauerei zum Kunden ohne Zwischenlager ist sicher ein Punkt, mit dem wir uns abheben können. Damit ist es uns möglich, auch unfiltrierte und nicht pasteurisierte Biere von kleinen Brauereien anzubieten, die normalerweise nur sehr schwer erhältlich sind. Darüber hinaus hat der Kunde die Sicherheit, dass das Bier wirklich frisch vom Produzenten kommt und nicht über Wochen oder sogar Monate in irgendeinem Lager steht.

Markus: Weiters machen wir uns viele Gedanken über „Verkosten von Bier“. Es ist immer noch erschreckend anzusehen wie wenig dieses Thema im Gegensatz zum Wein beachtet wird. Wir sind deshalb eine Kooperation mit Bier-Index.de eingegangen, um uns gegenseitig zu unterstützen:

• Gemeinsam haben wir einen Verkostungsbogen erstellt, der jeder Bestellung von uns beiliegt
• Diese Bewertungen können ganz einfach auf Bier-Index.de übertragen werden – alle Produkte auf myBier.at sind auf Bier-Index.de angelegt
• Mit jeder Bewertung werden Punkte gesammelt – bei genügend Punkten können diese gegen myBier.at Gutscheine eingetauscht werden
• Die Bewertungsgrafik von Bier-Index.de wird beim jeweiligen Bier auf myBier.at angezeigt

Daniel: Auch die Kooperation mit dem Biersepp ist ein Novum – so lassen wir ihn jedes Produkt verkosten und fügen seine unabhängigen Kommentar ein, was sicher einen entscheidenden Kaufgrund darstellen kann.

Werdet ihr euch auf den Österreichischen Biermarkt beschränken oder ist geplant auch Biere aus dem Ausland, wie z.B. Deutschland, Italien oder auch Belgien mit aufzunehmen?

Markus: Was die Lieferung anbelangt: nein, denn wir liefern seit Kurzem auch nach Deutschland. Was die Brauereien betrifft: ja auf myBier.at gibt es nur Bier aus Österreich. Ob es aber z.B. einmal einen deutschen Ableger unter unserer Lizenz gibt können wir aktuell nicht sagen, das wird sich weisen.

Der Biersepp und Markus Wurzer

Mal ein etwas anderes Thema, welches aber sicherlich auch interessant ist. Seht ihr irgendwelche Unterschiede oder auch Parallelen zwischen der deutschen und der österreichischen Bierkultur?

Daniel: Im Allgemeinen sehen wir keine allzu großen Unterschiede – Bier ist in beiden Ländern das beliebteste alkoholische Getränk und wird gleichgesetzt mit Geselligkeit, Tradition oder Brauchtum.

Markus: Wir glauben auch, dass beide Länder zu Recht stolz auf ihre Bierkultur sein können. Einer der wesentlichsten Unterschiede liegt sicher darin, dass wir in Österreich kein starres Reinheitsgebot haben und damit mehr möglich ist – ich denke nur einmal an das Waldbier von Axel Kiesbye oder die Horny Betty vom Brauhaus Gusswerk, zwei absolut herausragende Biere.

Wenn es nach einigen Brauern geht, soll das Bier immer mehr die Brücke zum Wein schlagen und mehr zum „Gourmetbier“ werden. Wie seht ihr das, ist diese Brücke bereits geschlagen oder muss hier noch mehr „Aufklärungsarbeit“ geleistet werden, was das Image des Bieres angeht, bzw. ist es überhaupt nötig dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen?

Markus: Wie schon gesagt liegt uns das Thema Bier-Verkosten sehr am Herzen. Was beim Wein schon seit Langem Usus ist, kann und soll schließlich auch für hochwertiges Bier gelten. Mit Lifestyle-Kampagnen lenken große Marken schließlich nur von nivellierender Produktpolitik ab. Der Erfolg der Zukunft gehört jenen, die auf echte Spitzenprodukte und deren Eigenschaften setzen – guter von schlechter Qualität zu unterscheiden setzt aber voraus, dass der Konsument zumindest die Grundzüge des Verkostens versteht. Ansätze davon haben wir mit unserem Verkostungsbogen geschaffen. Ist dieser erste Schritt getan kann das schnell zu einer Leidenschaft werden: man gibt sich nicht mehr mit dem Normalen zufrieden, sondern will neue Sorten, Geschmäcker und Genüsse kennen lernen und auch mehr über die Hintergründe (z.B. Brautechnik, Qualität und Herkunft der Rohstoffe) erfahren. Diese Passion lassen viele auch ihren Freunden und Bekannten zuteilwerden und das ganze wird zu einem regelrechten Multiplikator.

Daniel: Wir sind fest davon überzeugt, dass es in den nächsten Jahren einen regelrechten Boom in diese Richtung geben wird, so wie es beim Wein schon vor 10-15 Jahren der Fall war. Das Segment der Gourmetbiere, welche wir anbieten, wird von heute <1% des Biermarktes bis 2020 auf 6-7% anwachsen, gleichzeitig wird der Bierjournalismus – so wie du ihn betreibst – ähnlich elaboriert arbeiten wie der Weinjournalismus, weil es immer mehr Konsumenten gibt, die sich tiefer mit Bier beschäftigen möchten.

Eure Meinung ist gefragt: Braucht der Biermarkt innovative Ideen oder sollte er sich weiter auf traditionsbewusste Produkte konzentrieren?

Markus: Der Biermarkt benötigt definitiv innovative Ideen, schließlich ist der Pro-Kopf-Verbrauch seit vielen Jahren rückläufig, die Margen sind durch vermehrte Konkurrenz sinkend, der Kostendruck ist steigend, dazu kommt der demographische Wandel und diese ganze Abwärtsspirale dreht sich immer schneller… beim deutschen Bierkongress im Jänner in Düsseldorf, wo ich selbst als Referent eingeladen war und unsere Geschäftsidee präsentiert habe, wurden diese Probleme ausführlich diskutiert und Lösungsvorschläge dargelegt. Speziell in großen, eingefahrenen Konzernen ist es aber glaube ich sehr schwierig kurzfristig was zu ändern – sie agieren eher wie schwerfällige Öltanker und zählen meiner Ansicht nach deshalb zu den großen Verlierern dieser Situation, weil sie weiterhin auf ihr „altbewährtes“ Sortiment setzen. Gewinner werden kleine Brauer sein, die sich mit Innovationen schnell auf die Veränderungen einstellen, Nischen besetzen und wie schon weiter oben gesagt auf Qualität & Genuss setzen, weil Massenware mit Einheitsgeschmack kann die Industrie viel günstiger und besser herstellen.

Welchen Anteil haben kleinere Privatbrauereien oder Hausbrauereien an der österreichischen Bierkultur?

Daniel: Vom Ausstoß her ist ihr Anteil eher verschwindend. Sie beleben aber den Markt durch ihren hohen Innovationsgeist, durch ihre enorme Flexibilität und ihr Streben nach sehr hoher Qualität.

Markus: Weiters sind sie mit allen Aspekten in der heimischen Region verwurzelt, was zum Beispiel die Erhaltung der traditionellen Braumethoden, Sicherung von Arbeitsplätzen und Anregung des regionalen Kreislaufs anbelangt

Könnt ihr persönlich ein Lieblingsbier oder eine Lieblingsbiersorte bennen oder ist das bei der Biervielfalt nicht wirklich möglich?

Markus: Das ist sehr situationsbedingt – Bier muss einfach passen. Zu meinen allgemeinen Favoriten zählen fruchtige India Pale Ales, ein erfrischendes Weißbier im Sommer und obergärige Starkbiere mit langer Reifezeit.

Daniel: Eigentlich alles was sich von der Industrieplörre abhebt.

Wo seht ihr euch und myBier.at in den nächsten Jahren?

Markus: Wir sehen myBier.at als einer der Vorreiter des Gourmetbier-Trends, der in Österreich gerade erst so richtig ansetzt. Wir wollen bei diesem Trend aber nicht nur dabei sein, sondern ihn auch richtig anfeuern. Wir haben vor unser Sortiment weiter behutsam auszubauen und Bierliebhaber immer wieder mit neuen Entdeckungen zu erfreuen.

Zum Abschluss noch ein paar bierige Weisheiten für unsere Leser?

Markus: Ein schöner Spruch fällt mir da ein: Sternstunde ist, wenn ein Bier aus Fremden Freunde macht.

Daniel: Dem kann ich nichts hinzufügen außer Prost!

Vielen Dank für das ausführliche Interview!!

Bier-Relevanz / interessante Artikel:

  1. Interview: Dr. Markus Fohr über den 12. Bierkongress in München
  2. Interview: Daniel Göllner zum Bierkastenschwimmreif

Category: Bier Allgemein, Bier Interviews

Kommentare (5)

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  1. SaschaSchnei sagt:

    Sehr interessantes Interview. Wünschen wir mybier.at viel Erfolg!
    Du hättest die beiden noch nach den Portokosten nach Deutschland befragen können. Leider steht auf deren Seite nichts konkretes.
    Prost ;)

  2. @ Sascha: Infos über die Versandkosten findest du im Menüpunkt “Versand & Bezahlung“, da steht das riesengroß ganz oben. Prost :-)

  3. SaschaSchnei sagt:

    Das ist aber neu, dass da Deutschland mit Preis aufgeführt ist. Vorher stand da immer Preis auf Anfrage. Aber nächstes mal schau ich vorher noch einmal rein. Versprochen :)

  4. ThomasT sagt:

    Liegt wohl daran, dass der Versand erst seit ein paar Tagen offiziell nach Deutschland geht, oder?

    Ich werde demnächst wohl auch mal eine Bestellung aufgeben. Bin total neugierig auf die Biere vom Brauhaus Gusswerk und der Bierzauberei, bestimmt interessant und spannend!

    Weiter so, viel Erfolg auch von mir!

    Thomas

  5. @ Sascha: Völlig richtig => seit Montag verschicken wir offiziell nach Deutschland und haben das jetzt auch entsprechend ausgewiesen.

    @ ThomasT: Mit den Brauerei-Probierpaketen bekommst du einen tollen Querschnitt durch das jeweilige Sortiment – in der Tat spannend was sich unsere Brauer immer wieder einfallen lassen, ich sag nur Triple A-Bier vom Gusswerk und das Red Alien Ale von der Bierzauberei und und und… :)

    Prost in die Runde!!

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