Interview: Mario und Timm von der CREW AleWerkstatt

Felix | Januar 24, 2012 | Kommentare (2)

Die CREW AleWerkstatt mischt derzeit mit ihrem Pale Ale den deutschen Biermarkt auf. Nachdem wir bereits eine ausführliche Verkostung des CREW Pale Ales durchführen durften, können wir euch jetzt ein interessantes Interview mit den Machern hinter der CREW AleWerkstatt präsentieren.

Die CREW: Mario und Timm

Stellt euch doch bitte kurz einmal vor
Hallo Felix, vorab danke für die Chance unsere etwas abgefahrene Idee der Revolution des deutschen Biermarktes bei Lieblingsbier.de vorstellen zu dürfen. Hinter der CREW AleWerkstatt stecken 2 Wahlmünchner, die eigentlich gar nichts mit dem Brauereiwesen zu tun hatten. Der eine, Mario Hanel, kommt aus Österreich und sollte eigentlich Skilehrer werden – der andere, Timm Schnigula, kommt aus Bonn und war auf dem Weg zum Handballprofi. Wir haben uns dann beide in München in unserem ersten Job nach der Uni bei einer Unternehmensberatung kennengelernt, wo wir unsere Passion für gutes Bier entdeckt haben.

Seit kurzer Zeit bereichert die „CREW AleWerkstatt“ den deutschen Biermarkt. Was dürfen wir uns denn unter der „CREW AleWerkstatt“ vorstellen?
Wir können es leider nicht besser ausdrücken als in unserem Mission Statement auf unserer Website:
„Die CREW AleWerkstatt steht für handwerklich gebraute, qualitativ höchstwertige und geschmacklich außergewöhnliche Biere für alle, die nicht mit dem Strom schwimmen.“
Wir haben einfach die Schnauze voll von monotonem Biergeschmack!

Wie kamt ihr dazu solch ein Projekt voranzutreiben und umzusetzen?
Wir beide waren schon immer sehr „bier-affin“ – wenn bis vor kurzem auch nur als Konsumenten. Durch unsere früheren Jobs als Unternehmensberater sind wir weit in der Welt herumgekommen und haben extrem gute Biere in Ländern getrunken, wo man eigentlich nur wässrige Plörre erwartet z.B. USA und Australien. Fakt ist, dass uns diese Länder in Sachen Braukunst und Innovation Lichtjahre voraus sind – das heißt nicht, dass deutsches Bier schlecht ist – in Deutschland wird immer noch das weltbeste Helle, beste Pils und beste Weizen gebraut… aber mehr halt nicht. Nachdem wir feststellen mussten, dass wir an innovative Biere wie z.B. Pale Ales in Deutschland nur schwer rankommen konnten, dauert es nicht mehr lang, bis die Idee zum eigenen Bier gereift war.

Beheimatet seid ihr ja direkt in München. Wie kommt denn euer Bier in der Landeshauptstadt Bayerns an, nachdem dort ja bis auf ganz wenige Ausnahmen (Giesinger Bräu) eher konventionelles und typisches „Münchner Helles“ Bier getrunken wird?
Wir stecken noch mitten in der Startphase, deswegen können wir hier noch wenig Aussagen treffen. Bislang hat uns noch kein Getränkemarkt oder Gastronom abgelehnt mit der Begründung, dass unser CREW Pale Ale nicht schmecken würde. Im Gegenteil, bis jetzt hat uns noch jeder Gastronom ins Sortiment mitaufgenommen, solange ihm nicht durch einen Biervertrag die Hände gebunden waren.

Natürlich drängt sich dem ein oder anderen der Zweifel auf: „Ale??? Das ist doch die warme, fade, schaumlose Brühe aus England“. Unser Ziel in den nächsten Wochen und Monaten ist es so viele Leute wie möglich von unserem Pale Ale probieren zu lassen, damit wir dieses Vorurteil hinsichtlich Ales wenigsten etwas aus der Welt räumen können!

Habt ihr Kontakt und einen regen Austausch zu anderen deutschen Brauern und Brauereien?
Auf jeden Fall. In Deutschland gibt es seit wenigen Jahren die sogenannten „Bierquerdenker“. Im Rahmen von Workshops treffen sich dort die innovativsten Braumeister Deutschlands zum gegenseitigen Austausch und Vorstellung ihrer neuesten Bierkreationen bzw. Versuchssude. Dort haben wir auch unseren „Mentor“ und lieben Freund Eric Toft kennengelernt, der uns von Beginn an in unserem Vorhaben mit Know-How und Kontakten unterstützt.

Euer Pale Ale wird mittlerweile sogar auf offiziellen Bierverköstigungen von Bier-Sommeliers, zum Beispiel von Sylvia Kopp im Portfolio mit angeboten? Habt ihr mit solch einem Erfolg gerechnet und wie könnt ihr euch diesen erklären?
Wir haben Sylvia bei einer unserer „Bierexkursionen“ nach Berlin persönlich kennen gelernt und haben uns sofort gut verstanden. Zudem hat ihr unser Pale Ale sehr gut gemundet. Es ist natürlich ein großer Erfolg für uns und wir sind auch sehr stolz darauf – allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es ja keine große Auswahl in Deutschland gibt. Wenn man nach einem deutschen Pale Ale für eine Verkostung sucht, landet man ja zwangsläufig irgendwann bei der CREW AleWerkstatt.

Derzeit gibt es bei euch ja nur eine Biersorte, das Pale Ale. Warum habt ihr gerade mit dieser Biersorte begonnen und nicht mit einer „klassischen“?
Wir wollten ein Bier brauen, welches sich als „Einstiegsdroge“ für einen deutschen Biertrinker anbietet – und hier ist das Pale Ale ideal. Zudem wollten wir auch kein klassisches englisches oder amerikanisches Pale Ale brauen, wo man nach 3 Flaschen satt und zufrieden ins Bett geht. Unser Ziel war es ein schlankes, trockenes Pale Ale zu kreieren, das nach jedem Schluck schon wieder den nächsten verlangt und dennoch ein überwältigendes Hopfenaroma innehat.

Wenn ich richtig gezählt habe, befinden sich in eurem Pale Ale fünf verschiedene Hopfensorten. Wie habt ihr die Auswahl getroffen und warum euch für diese fünf Sorten entschieden?
Auf unserer Kleinanlage haben wir mit vielen Hopfensorten herumprobiert. Uns war klar, dass Cascade und Citra eine herausragende Rolle in unserem Pale Ale spielen werden. An Chinook und Nelson Sauvin hatten wir anfangs aber gar nicht gedacht, weil uns die beschriebenen Aromaprofile nicht zusagten. Aber so kann man sich irren… Herkules war eigentlich gesetzt, da dieser für uns und viele andere Brauer der beste Bitterhopfen in Deutschland ist.

Braut ihr eure Biere eigentlich in einer eigenen Brauerei und entwickelt ihr auch neue und eigene Rezepte?
Unser Traum ist von Anfang an unsere eigene Brauerei in München zu bauen und dann natürlich gleich mit einem coolen Brewpub dabei, wo man alle Probesude und Biere gleich „on Tap“ direkt aus dem Lagerkeller verköstigen kann. Wir haben hier auch schon eine Location im Auge, allerdings schlagen sich um dieses Traumobjekt noch mehrere Bewerber und die Chancen für uns sind eher gering, aber wir werden sehen – mehr können wir hier leider noch nicht verraten… falls jemand allerdings zu viel Geld in der Tasche hat und in eine eigene Brauerei investieren will – bitte melden… Freibier auf Lebenszeit ist auf jeden Fall garantiert
Derzeit entwickeln wir alle Rezepturen auf unserer Kleinanlage und lassen dann bei einer befreundeten Landbrauerei nach unserem Rezept brauen und abfüllen.

Dürfen wir uns denn auf weitere „exotische“ und/oder klassische Biersorten freuen?
Darauf könnt ihr wetten. Auch wenn wir gerade nicht viel Zeit zum Brauen haben sind wir gerade an der Fertigstellung einer CREW IPA Rezeptur… und wir haben noch so einiges Verrücktes im Kopf!

Ihr verkauft euer Bier fast ausschließlich über euren Online-Shop. Dies machen bisher sehr wenige Brauereien. Seht ihr da einen Vorteil für die „AleWerkstatt“?
Das stimmt nicht ganz. Der Webshop war für uns von Anfang an ein sehr wichtiges Instrument, da wir jedem Biertrinker in Deutschland die Möglichkeit geben wollen problemlos, schnell und vor allem zum gleichen Preis an unser Bier zu kommen. Wir sind sicherlich die erste Brauerei deutschlandweit, die über ihren Webshop KEINE Versandkosten verlangt. Allerdings ist unser Vertriebsschwerpunkt die Gastronomie, da unser Pale Ale wie vorher gesagt auch den „normalen“ Biertrinker erreichen soll, der noch nichts mit dem Begriff „Pale Ale“ anfangen kann. Diese Kunden können wir mit unserem Webshop sonst nicht erreichen.

Wo holt ihr euch Inspiration? Gibt es Biere an welchen ihr euch orientiert habt oder existieren ausländische Brauereien, zum Beispiel in den USA oder in Großbritannien, welche ihr als Vorbilder nehmt?
Da gibt es zahlreiche. Vor allem natürlich auch die klassischen wie Sierra Nevada, Anchor, Deschutes oder Ballast Point. An einige ausländische Biere sind wir allerdings auch nicht gar nicht rangekommen wie z.B. Stone oder Dogfish Head – wir haben allerdings gehört, dass deren Ales geschmacklich ein Hammer sind!

Wie würdet ihr euer Crew Pale Ale dem „normalen“ Biertrinker beschreiben?
Aromatischer als Weizen, Herber als Pils und süffiger als Helles… und noch mit einer extra Portion Geschmack!

Euer Bier gibt es bisher in einigen ausgewählten gastronomischen Betrieben in München und über euren Online-Shop zu kaufen. Werdet ihr das in Zukunft so beibehalten oder gibt es auch andere Verkaufsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einen eigenen Laden? An einen eigenen Laden denken wir derzeit noch nicht. Wir wollen uns mit voller Energie der Gastronomie in München widmen und so viele „normale“ Biertrinker wie möglich von unserem neuen Biergeschmack überzeugen. Sollten wir demnächst aber unseren Traum von der eigenen Brauerei verwirklichen können, dann gibt’s dort sicher auch einen Laden ;-)

Ein Kasten mit 20 x 0,33 Liter Flaschen kostet 26,50 Euro. Ein Preis, der für den „normalen Verbraucher“ schwer zu vermitteln ist. Habt ihr da bereits negative Erfahrungen gemacht oder wie geht ihr damit um?
Negative Erfahrungen eigentlich noch keine. Eine Rückmeldung von einem österreichischen Biersommelier war, dass wir unser Pale Ale „viel zu billig verschleudern“ würden – das ist sicherlich etwas übertrieben. Wir glauben einfach, dass Qualität auch ihren Preis haben muss und dazu kommt, dass sowohl der manuelle Herstellungsprozess als auch die Rohstoffe für uns um ein vielfaches kostenintensiver sind als z.B. für Becks. Trotzdem schaffen wir es eine Flasche CREW Pale Ale in einer Bar für 3,50 EUR anzubieten – dies war auch unser Ziel, da wir uns nicht als „Gourmetbier“ in einer Champagnerflaschen für 20 EUR positionieren wollen.

Wie seht ihr das „Bierland Deutschland“ im Vergleich zu anderen „Bierländern“ wie die USA, Belgien oder Großbritannien?
Deutschland hat viel nachzuholen und wird dies auch tun. Die Bierlandschaft wird sich in den nächsten 10 Jahren erheblich ändern. Überall wo wir hinkommen spüren wir dieses „Craft Brewer Brodeln“ – es wird wohl nicht mehr lange dauern bis die nächste AleWerkstatt irgendwo in Deutschland auf sich aufmerksam macht.

Habt ihr ein Lieblingsbier oder eine Lieblingsbiersorte oder könnt ihr das bei der weltweiten Biervielfalt nicht wirklich benennen? Wir beide unterscheiden uns etwas in unseren „Lieblingsbieren“: Während Timm ein Fan von vollen Bieren mit ausgeprägten Malznoten ist, steht Mario eher auf schlanke Biere mit „unendlich viel Dry Hopping“. Lieblingsbier ist natürlich unser eigenes, aber die Pale Ales und IPAs von Sierra Nevada und Ballast Point sind auch extrem gut.

Unsere obligatorische Abschlussfrage: Habt ihr ein paar bierige Weisheiten für unsere Leser?
Vergesst die Konvention von Aroma- und Bitterhopfen – das ist alles Bullshit – wir haben mit Bitterhopfen schon die abgefahrensten Aromen und Geschmäcker rausgekommen, insbesondere im Dry Hopping!

Und natürlich: Lass ein gärendes 50l Fass im Winter nie übers Wochenende auf Deinem Balkon stehen… denn es kann böse Folgen haben!

Vielen Dank für das Interview!

Ein weiteres interessantes Interview gibt es übrigens auf dem Bierblog Bier-entdecken.de zu lesen. Hier gehts lang: klick

Bier-Relevanz / interessante Artikel:

  1. Das Pale Ale der CREW Ale Werkstatt aus München

Category: Bier Allgemein, Bier Interviews, Biere

Kommentare (2)

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  1. Minga Bua sagt:

    Servusla,

    Klasse Interview! Sehr informativ.

    Wo gibt es denn eigentlich das Bier in Minga zu kaufen? Also in welchen Bars??

    Danke!!

  2. [...] Die CREW: Mario und Timm Ihr verkauft euer Bier fast ausschließlich über euren Online-Shop. Dies machen bisher sehr wenige Brauereien. Seht ihr da einen Vorteil für die „AleWerkstatt“? Das stimmt nicht ganz. Der Webshop war für uns von Anfang an ein sehr wichtiges Instrument, … Read more on Bier Online Magazin [...]

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