Bier zum Wochenende: Wernecker “Hopfen-Fluch”
Das heutige Bier zum Wochenende ist ein fränkisches Starkbier mit dem spannenden Namen „Hopfen-Fluch“. Was sich hinter diesem Namen verbirgt und ob der Hopfen wirklich flucht, probier ich euch jetzt in den nächsten Zeilen einmal näher zu bringen.
Die unterfränkische Brauerei Wernecker besteht bereits seit dem Jahre 1671. Seit 1861 ist die Brauerei in Familienbesitz und geht stetig mit dem aktuellen Biertrend, was unter anderem der „Hopfen-Fluch“, aber auch die weiteren 13 verschiedene Biere zeigen. Der Bierausstoß konnte in den letzten Jahren verdoppelt werden und beträgt mittlerweile über 20.000 Hektoliter pro Jahr. Der Inhaber Hans Jörg Lang beschäftigt derzeit 21 Mitarbeiter und 8 Auszubildende. Die Braugerste stammt zu 100% aus heimischem Anbau. In Schweinfurt wird diese Gerste zu Malz verarbeitet, der Hopfen stammt aus dem fränkischen Spalt und das Brauwasser kommt direkt aus dem Oberen Werntal. Eine absolut regional verwurzelte Brauerei.
Bei der hier vor mir stehenden Bierkreation von Inhaber Hans-Jörg Lang und seinem Braumeister Stefan Reusch geht es dann nicht ganz so traditionell zu, auch wenn das der Name erst mal vermuten lässt. Beim „Hopfen-Fluch“ handelt es sich zwar um ein „fränkisches Starkbier“, der Bierstil ist aber eher an britische India Pale Ales angelehnt. Auf der extra eingerichteten Internetseite www.hopfen-fluch.de wird die Geschichte des IPAs ein wenig näher erläutert. Ebenso gibt es quasi einen Warnhinweis: „Das Trinkerlebnis weicht stark von üblichen Bieren ab“, was ja an sich nicht schlecht ist, da sich so der Endverbraucher auf das Bier einstellen kann.
Was mir allerdings ein wenig fehlt ist eine eigene aussagekräftige Aromabeschreibung des Bieres. Diese finde ich leider nicht, wäre aber sicherlich auch ganz interessant und für solch ein Bier durchaus angebracht. Lediglich der Hinweis, dass das Bier mit 70 Bittereinheiten etwas bitterer ist als ein normales Pils und der Geruch sehr hopfig ist, lässt sich auf der Internetseite lesen. Aber gut, dafür sind ja auch wir „Biertester“ da, dass wir dieses Bier einem gerechten Urteil unterziehen und das wollen wir auch gleich mal machen.
Der „Hopfen-Fluch“ wird per Handarbeit in einer schicken Dreiviertelliterflasche abgefüllt. Die Flasche ist mit einem Korken verschlossen. Ein „Hopfen-Fluch-Zertifikat“ ist mit einer Schnur über der Flasche festgemacht. Die Schnur ist an der Flasche mit einem Wachssiegel befestigt. Das Ganze ist sehr schön und nett gelöst. Das Bier könnt ihr direkt über die Homepage für 13,50€ inklusive Versand bestellen.
Im Glas hat der „Hopfen-Fluch“ eine schimmernde, leicht orangene und sehr klare Farbe. Der Schaum bildet sich schnell und bleibt zunächst cremig und stabil. Nach einiger Zeit fällt er zusammen und verschwindet. Das ist schade, die Schaumbeständigkeit hätte ich mir durchaus länger vorstellen können. Aber vielleicht hab ich auch einfach nicht richtig mein Glas ausgespült.
Der Geruch ist leicht fruchtig, malzig und süßlich. Hier kommen Aromen von Waldbeeren und Honig durch. Aber auch der Hopfen macht sich bereits im Geruch bemerkbar. Der typische amerikanische, sehr fruchtige, IPA Geruch bleibt aber aus. Es ist also eher an das eher, wie bereits vermutet, an das malzigere und herbere britische IPA angelehnt.
Der Antrunk ist sehr frisch und fruchtig nach Waldbeeren mit einer feinen harzigen Süße unterlegt. Die Herbe und die Hopfenbittere kommen dann aber ziemlich schnell in den Vordergrund und verdrängen das durchaus sehr feine Waldbeeraroma. Insgesamt sehr frisch und schmackhaft. Dann wird es wieder ganz leicht süßlich und aromatisch. Die doch stattlichen 8,1% Alkohol machen sich so gut wie nicht bemerkbar. Eine ganz leichte metallische Note schwingt im Aroma mit, was aber nicht tragisch ist. Der Abgang ist sehr schön lang, herb, leicht bitter, schön würzig und mit einer feinen Süße unterlegt, die auch nochmal leicht an das Waldbeeraroma anschließt. Die leichte Fruchtnote schwingt auch noch lange nach dem letzten Schluck mit.
Ein Fazit zum unterfränkischen Hopfen-Fluch fällt nicht leicht. Insgesamt ist es auf jeden Fall ein spannendes und sehr aromatisches Bier. Für ein India Pale Ale fehlt mir persönlich ein wenig die Hopfenpower. Allerdings weiß ich auch nicht, was für ein Hopfen verwendet wurde. Vielleicht Hallertauer Aromahopfen und/oder britischer Fuggle? Auf jeden Fall ist das Waldbeeraroma wirklich genial. Das mundet mir richtig gut. Die durchaus feine Herbe macht ebenfalls eine schicke Harmonie aus.
Der „Hopfen-Fluch“ ist auf jeden Fall ein spannendes Gourmetbier welches auf jeden Fall probiert werden sollte.
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Hast Du zum Eineichen in letzter Zeit mal ein Worthington White Shield probiert? Gilt als eins der Ur-IPAs (gibt’s immerhin seit den 1820ern) — und hat beinahe erdige Geschmacksnoten. Sehr spannend, Historie im Glas, quasi.
Und 70 Bittereinheiten sind etwa *doppelt* so viele wie bei den meisten Pilsenern… (klar, das schmeckt nicht doppelt so bitter, aber immerhin…)
Das White Shield kenne ich nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Ursprünge eines IPAs sind sicherlich sehr interessant. Wobei so “erdig” mag ich es nicht, eher “fruchtig”
Aber wenn es um Geschichte geht, bin ich für alles zu haben!!