Interview: Sylvia Kopp zum Thema “Bier und Frauen”
Raus aus der Sackgasse, rein ins Vergnügen unter diesem Motto hat die Berliner Bierjournalistin und Bier-Sommelière Sylvia Kopp ein Interview mit sich selbst geführt. Auf eine lesenswerte Art und Weise erörtert sie das Thema “Frauen und Bier” und bringt es am Ende auf den Punkt. Wir freuen uns, dass wir euch dieses Interview zur Verfügung stellen dürfen.
Sk: Sylvia, wie kommt eine Frau drauf, sich so intensiv mit Bier zu beschäftigen?
Sylvia Kopp: Dass ausgerechnet Du das fragst? Ich habe gehofft, dieses Interview würde anders verlaufen als all die anderen.
Sk: Wieso?
Sylvia Kopp: Die Frage unterstellt doch klipp und klar: Frauen und Bier, das geht nicht zusammen. Mich hat mal einer nach einem Vortrag mit Verkostung wortreich gelobt, wie charmant ich das rübergebracht hätte. Er meinte dann auch noch, dass sich aus dem Thema und der femininen Art und Weise des Vortrags eine rechte Spannung ergeben habe.
Sk: Wie schön. Spannung ist was Gutes, jedenfalls in einem Vortrag.
Sylvia Kopp: Ja, sicher. Aber dann drängte es ihn zu wissen, ob ich etwa eine Lust daran verspüre, absolute Exotin zu sein.
Sk: Und, hat er recht?
Sylvia Kopp: Es macht mir große Freude, Verkostungen zu leiten, Leuten Geschmackserlebnisse zu bereiten und sie dazu zu bringen, etwas wahrzunehmen, was sie vorher kaum beachtet haben: die Vielfalt des Bieres. Wenn das exotisch ist, ja, dann verspüre ich eine große Lust am Exotismus.
Sk: Das ist aber nicht der Punkt, der Dich an dieser Frage aufgebracht hat …
Sylvia Kopp: Stimmt. Du kennst mich gut.
Sk: Also, was war’s?
Sylvia Kopp: Man steht da als eine, die dort eigentlich nicht hingehört und sich bei einem koketten Spielchen vergnügt. Leider kostet es aber in Wirklichkeit besonders viel harte Arbeit, Mut und Durchhaltevermögen, sich als Frau dieser männlich geprägten Bierwelt immer wieder zu stellen. Da vergeht uns Exoten zuweilen die Lust.
Sk: Du hast es also auch mit Widerstand zu tun.
Sylvia Kopp: Wenn ich nur daran denke, wie oft es vorkommt, dass Männer, die ihr ganzes Leben eine einzige Marke trinken, dies aber selbstbewusst und laut vertreten und sich für ausgewiesene Bierkenner halten, dass solche Männer sich in einer Bierverkostung am ehesten quer stellen, gar nicht erst richtig probieren und mit großer Gebärde gleich abwinken: Das sei doch kein Bier.
Sk: Das muss sich aber doch nicht unbedingt gegen Dich als Frau richten, sondern geht vielleicht gegen die Bierstile, die dem Teilnehmer ungewohnt erscheinen.
Sylvia Kopp: Ja, für manche ist das alles zu exotisch… aber ich spüre ganz genau, wenn einer mich herausfordern und meine Position in Frage stellen will. Das passiert meinen männlichen Kollegen nicht so krass, das weiß ich.

Jeder Mann ist von Natur aus Bierexperte: S. Kopp probiert Engelhardt Pils im Steglitzer Stammkrug www.Bierbotschaft.de
Sk: Wie gehst Du damit um?
Sylvia Kopp: Ich lasse mich nicht auf das Machtspiel ein, nehme die Provokation als eine Meinung und gebe dem Teilnehmer Raum, diese zu vertreten. So dürftig, wie sie ist, kostet es ihn Mühe und mich Zeit, aber danach ist er meistens beruhigt. Zum Trost ist auch spürbar, wie nach der ersten Abwehr ein Erkenntnisprozess einsetzt. Bei dem Widersacher arbeitet es, auch bei denen, die zunächst mitgefeixt haben. Und das gibt mir wiederum Hoffnung. Die Herausforderung liegt für mich darin, den Stillen, den Genießern und Offenherzigen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit einzuräumen. Und diesen ein Entzücken – gegen alle Widerstände im Raum – zu entlocken.
Sk: Zu den Stillen gehören oft die Frauen, stimmt’s?
Sylvia Kopp: Man merkt, dass Du schon an Verkostungen von mir teilgenommen hast. Frauen sind anfänglich meist sehr zurückhaltend, weil viele eigentlich überhaupt keinen Zugang zum Bier haben.
Sk: Was tust Du, um die Frauen zu erreichen?
Sylvia Kopp: Aufmerksamkeit. Ich schenke ihnen besondere Aufmerksamkeit und mache deutlich, dass wir uns hier nicht in der von maskulinen Bildern und Ritualen dominierten Werbewelt des Bieres aufhalten. Dass es nicht darum geht, wer am meisten trinkt und hinterher am längsten uriniert.
Sk: Echt? Sagst Du das so?
Sylvia Kopp: Nur implizit… Aber ich betone, dass es um das eigene Geschmacksempfinden geht. So finden die Leute, Männer wie Frauen, ihren ganz persönlichen Zugang zum Bier. Der Geschmackssinn ist letztlich doch was radikal Subjektives.
Sk: Wenn man es schafft, sich frei zu machen von vorgekauten Meinungen und der dominanten Sichtweise.
Sylvia Kopp: Genau, darum geht es. Es wird vieles nur abstrakt im Oberstübchen abgeschätzt. Es kommt aber darauf an, was eine Etage tiefer, im Mund- und Rachenraum, wirklich abgeht.
Sk: Und dabei sind Frauen empfindsamer als die Männer?
Sylvia Kopp: Nein, nach meinen Erfahrungen weder – noch. Frauen und Männer können das gleich gut, wenn sie nur einmal den Respekt vor eingepflanzten Vorstellungen ablegen. Das gilt doch überall: Frauen sind längst nicht mehr aufs Häusliche abonniert. Die Zahl der Frauen, die einen Job und keine Zeit zum Kochen haben, die auf Geschäftsreisen sind und allein essen gehen, sich ins Café oder in eine Bar setzen, war noch nie so hoch. Dieser ganze dualistische Quatsch von männlicher und weiblicher Sphäre löst sich meiner Meinung nach auf. Jedoch oder gerade deshalb, so scheint mir, wird in der Bierwerbung der Geschlechterkampf erbitterter denn je ausgetragen
Sk: Findest Du das schlimm?
Sylvia Kopp: Mir persönlich ist das egal. Ich lebe ja längst ganz anders. Mein Keller ist voll verschiedener Biersorten aus verschiedenen Ländern. Ich trinke zu jedem Sonntagsessen die passenden Biere und habe einen tollen Partner, der das ebenso genießt wie ich… Aber ich wundere mich, dass die Industrie es sich leisten kann, die Frauen komplett auszuschließen.
Sk: Wie hast Du so schön in einem Vortrag gesagt: Der Fokus der Bierindustrie auf Männer ist eine „Sackgasse“.
Sylvia Kopp: Dem ist nichts hinzuzufügen. Komm, lass uns anstoßen. Prost!
Mehr über Sylvia Kopp und über ihre Arbeit und ihre Leidenschaft erfahrt ihr unter www.bierbotschaft.de
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Category: Bier Allgemein, Bier Interviews







ein tolles Interview. Ich bewundere Sylvia Kopp, wie sie diese Leidenschaft zum Bier lebt. Habe damals ihren Auftritt im Fernsehen gesehen. War total super!
Vielleicht müssten mehr Frauen selber Bier brauen und dann könnten sie ihre Biere nicht nur an den Mann sondern auch an die Frau bringen. Eigentlich wissen nur Frauen, was Frauen wollen
LG,Marina
> Eigentlich wissen nur Frauen, was Frauen wollen
Abgesehen von Mel Gibson, natürlich…
[duckt sich und verschwndet]
SK, Du hättest Sylvia mal fragen sollen, wann sie endlich ihren eigenen Blog aufmacht. Felix kann die deutsche Bierbloggerszene nicht alleine bewältigen…
Das ist richtig! Nur gemeinsam sind wir stark..
Aber Sylvia hat schon ihren eigenen Blog, allerdings nicht wirklich viel Zeit dazu?!
http://www.blog.bierbotschaft.de/
Was ist mit dir Gerrit? Gern kannst du natürlich auch für Lieblingsbier.de als Gastautor schreiben
Mir gefällt eigentlich meine Rolle, von den billigen Plätzen alberne Kommentare zu schreiben…
Und was Sylvia da hat, ist bisher bestenfalls die Infrastruktur für einen Blog… da geht noch was!
Da geht noch einiges, da bin ich aber auch dafür. Ja gut, hast Recht. Wir brauchen ja auch die Nörgler
Jeder findet eben das, was zu ihm passt *grins*
Witzig, dass Du, Felix, meine Blogseite hier aufs Tapez bringst. Ist doch streng geheim :-0
Ja, da geht noch was. Und es juckt in den Fingern. Wenn ich bloß nicht so beschäftigt wäre. Ächz.
Herzliche Grüße an alle
sk
Meine Liebe, Im Interent ist nicht viel geheim
und mein guter Freund und Helfer Google hat mir dabei geholfen, das war gar nicht so schwer.
Wir wollten dir ja nur ein wenig Motivation vermitteln. Aber du kannst auch immer gerne Lieblingsbier.de als “deinen” Blog nutzen
Bierige Grüße,
Felix
Liebe Sylvia, ich melde mich als
; du als Frau Botschafter bewegst schon einiges und “stetig Tropfen höhlt den Stein”; vielleicht verlangt Berlin aber ebenfalls nach ein paar “Pirat(-tinnen)”
bekehrte Biertrinkerin
schöne Grüße Christel
Gestern in meinem Laden: Ein Mann fragt sich, ob es bei Bier, das so viel schöne Aromen wie die Neuen von Schneider hat noch mit Rechten Dingen zugeht. Daneben steht ein Frau und schnappt sich ein Andersen IPA und seufzt: Ich hatte so lange kein IPA mehr.
Esther, wann kommst Du mit Deinem Laden auch nach Berlin?
sk
Das ist mal wieder ein wunderbares Beispiel Esther, sehe ich auch so
“stetig Tropfen höhlt den Stein”, absolut! Das Ganze dauert natürlich seine Zeit, aber ich denke, dass sich 1. schon einiges verändert hat und 2. sich noch einiges ändern wird. Der Stein ist im rollen und das ist gut so.
Ich glaube auch, dass die meisten Frauen sich viel besser mit Bier auskennen, gerade, wenn es um neuartige Spezialitäten geht, da sie sich einfach mit dem Tehma viel intensiver auseinandersetzen, als wir Männer. Aber so wurde das ja bereits auf den Punkt gebracht.
Hat der deutsche Brauer Bund nicht eine “Bierbotschafterin” benannt? Ina Müller?
[...] (typeof(addthis_share) == "undefined"){ addthis_share = [];}Das Thema Frauen und Bier beschäftigt derzeit nicht nur uns, sondern auch den Chris Cools, Deutschland-Chef von [...]