Bier so vielfältig wie Wein – Lambics der neue US-Biertrend?!

Felix | 1. Dezember 2011 | Kommentare (5)

Der renommierte Wein- und Restaurantkritiker Eric Asimov schrieb vor kurzer Zeit in der New York Times unter dem Titel „Biere so vielfältig wie Wein“ eine Ode an das Bier. Wir haben für euch den Artikel einmal zusammengefasst. Vorweg ist es eine wunderbare Sache, wenn bekannte Personen aus der Weinszene solche positive Artikel über das Bier schreiben. Das ist eine Öffentlichkeitsarbeit, die das Bier braucht um weitere seinen Stellenwert verbessern zu können und seine Wertigkeit zu erhöhen. Bier soll ja Wein nicht ersetzen, es soll lediglich ein harmonisches neben- und miteinander geben. Zum Artikel geht es hier: klick

Im Artikel geht es um eine ganz spezielle Bierart, nämlich um die belgischen Lambics. Asimov beschreibt, wie er eine amerikanische Craft Brewery besuchte und dort den >Hefepilz Brettanomyces kennenlernte, welcher für die bestimmte Charakteristik im Lambic verantwortlich ist. Doch nicht nur das, dieser bestimmte Hefepilz ist ebenso in der Weinproduktion sehr bekannt, da er dort oft einen schweißigen und unerwünschten Geschmack hervorruft, also für gewisse Weinfehler verantwortlich ist. Also eigentlich etwas, was sich der Winzer nicht unbedingt wünscht. Der Brauer will diesen Hefepilz aber für den durchdringenden, typischen, säuerlichen Geschmack eines Lambics haben und züchtet ihn deswegen separat aber auch weit entfernt von anderen Hefen bzw. Sudkesseln um ein übergreifen zu verhindern.

Derzeit sind die belgischen Lambics in den amerikanischen Braukesseln heiß begehrt und viele Brauer experimentieren mit bestimmten Sorten um ein typisch saures Bier herstellen zu können. Die amerikanischen Brauer machen seit einigen Jahren faszinierende Biere, welche die Sinne der Bierliebhaber herausfordern und so kommen derzeit immer mehr Lambics auf den Markt. Ist das der neue große amerikanische Biertrend?

Die Bezeichnung „saures Bier“ ist da allerdings eine sehr vage Kategorisierung. Ursprünglich stammt diese Art aus alten belgischen Traditionsbieren wie Flandrischem roten oder braunen Ales. Die Fermentierung geschieht auf spontane durch natürliche, in der Umgebungsluft vorkommende Hefen. Auch die so genannte Geuze, eine Mischung aus Lambic-Bier verschiedener Jahrgänge, fällt unter diese Kategorie. Oft reifen die Biere in alten Wein- oder Whiskeyfässern um einen noch einzigartigeren Geschmack zu erzielen. Als Haupteigenschaft sind alle diese Biere, ähnlich wie beim Wein, frisch und leicht säuerlich.

Natürlich hat Eric Asimov nicht lange gezaudert und in einem Testteam gleich mal 20 säuerliche Biere verkostet, 13 amerikanische und 7 belgische Biere. Neben vielen verschiedenen Geschmackserlebnissen wurde auf jeden Fall auch eine Gemeinsamkeit festgestellt, nämlich eine gewisse Säuerlichkeit, die bei jedem Bier vorhanden ist.

Am meisten beeindruckt hat das Testteam das Kriek Ale der >Cascade Brewing aus Portland, Oregon. Dieses Lambic ist mit Kirschen aromatisiert, allerdings nicht süßlich, sondern wunderbar säuerlich und reich an komplexen Aromen, mit einem Hauch Frucht, welches den Geschmack ausbalanciert. Auf Nummer 2 befand sich das >Classic Geuze von Cantillon aus Belgien. Ein Cuvé aus drei verschiedenen Lambics, welche ein, zwei und drei Jahre in alten Fässern gereift sind. Ein Bier von seltener Komplexität mit einem säuerlichen Geschmackserlebnis der besonderen Art. Die weiteren Beschreibungen könnt ihr direkt auf der Artikelseite nachlesen.

Asimov möchte diese Biere nicht als Wein bezeichnen, auch nicht ähnlich zu Wein, sie sind einfach zu speziell und eigen. Diese Bierart hat eine unglaubliche Geschmacks- und Aromafülle, die jeden Weintrinker beeindrucken würde, wenn er sich auf dieses Erlebnis einlässt.

Bei uns in Deutschland sind Lambics sehr unbekannt und ich persönlich kenne jetzt direkt keine Brauerei, welche ein Lambic in ihrem Sortiment hat. Aber vielleicht täusch ich mich ja und ihr wisst, ob es in Deutschland Lambic gibt? Aber wir Deutschen sind ja sowieso gegen „neuen“ Dingen eher zurückhaltend und beobachten die derzeitigen Veränderungen auf dem deutschen Biermarkt mit Argusaugen, was sehr schade ist. Lasst uns mutiger sein, den nur dann können wir diese großartige Geschmacksvielfalt erleben und uns vor allem gemeinsam über diese Erlebnisse austauschen. Also liebe Brauer, her mit den Lambics.

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Kommentare (5)

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  1. Fritz sagt:

    Mit Brettanomyces werden in Deutschland das Deutscher Porter von Freigeist Bierkultur und eine Gose vom Bayrischen Bahnhof in Leipzig gebraut. Es gibt auch einen Steker nämlich die Huisstekerij H.Ertie in Duisburg von Ulrich Kremer.

  2. Jan sagt:

    Auch in Italien gibt es mittlerweile ausgezeichnete saure Biere. Allen voran braut Panil wunderschöne Biere mit Brettanomyces, auch Baladin und Birrificio del Ducato. Ducato baut seine sauren Biere z. T. über ein Jahr im alten Holzfass aus!
    Solch komplexe Biere hatte ich selten zuvor.

    Die Problematik ist im Artikel auch erwähnt worden – die Kontamination der “reinen” Bierhefe mit Brettanomyces. Die reinste Horror für einen Brauer der auch klassische Biere auf den Markt bringen will. Es gibt einige Beispiele wo die Brettanomyces nie wieder aus der Brauerei entfernt werden konnte…

    Also aufgepasst, aber nur Mut, man kann mit sagenhaften Bieren belohnt werden.

  3. Felix sagt:

    Hallo,
    Danke für eure Infos. Das mit der Gose in Leipzig ist mir auch gerade eingefallen. Habe ich sogar auf dem Bierfestival in Berlin im Jahre 2008 gekostet und hat mir sehr gut geschmeckt. Auf jeden Fall eine interessante Sache.

    Das es wirklich so extrem mit dem Hefepilz ist, hätte ich auch nicht gedacht. Schon sehr speziell! Italien ist auf jeden Fall ein spannendes Bierland!!

    Bierige Grüße,
    Felix

  4. H.ertie war mir auch sofort eingefallen. Großartige Biere! Ich hoffe, er trennt sich in Zukunft etwas leichter von seinen Schätzen… ich werde zur Sicherheit jedenfalls Platz im Gepäck reservieren, sollten wir es beide im kommenden Jahr zum Festival der Bierkulturen in Köln schaffen. Felix und Fritz — Ihr auch?

  5. Felix sagt:

    Das Festival der Bierkulturen ist auf jeden Fall eine tolle Veranstaltung!! Leider kann ich 2012 nicht teilnehmen, da ich wo anders bin. Wo?! Das werdet ihr bald erfahren ;-)

    Ansonsten aber 2013, klingt zwar noch lang hin, aber die Zeit vergeht ja bekanntlich sehr schnell.

    Bierige Grüße,
    Felix

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