Interview: Dr. Marc Rauschmann – Geschäftsführer von BraufactuM
Das “Gourmetbier” ist in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt. Nicht nur die Gastronomie hat diese Art des Bieres langsam aber sicher für sich entdeckt, auch immer mehr Konsumenten und Liebhaber greifen auf einzigartige und besondere Biersorten zurück. Allerdings besteht meist das Problem, dass diese Biere hauptsächlich aus dem Ausland stammen und deutsche Brauer, bis auf ein paar Ausnahmen, noch nicht den Mut haben sich diesen Kreationen zu widmen.
Um nun diese Lücke ein wenig zu schließen, ging im Jahr 2010 die Firma BraufactuM an den Start. In diesem Artikel wollen wir gar nicht viel über die Firma BraufactuM selbst verlieren, sondern den Geschäftsführer Dr. Marc Rauschmann zu Wort kommen lassen. Viel Spaß beim Interview mit dem Geschäftsführer von BraufactuM
Hallo Herr Dr. Rauschmann, stellen sie sich doch kurz einmal unseren Lesern vor,
Ich bin vor über 20 Jahren über Hobbythek (Bier brauen selber gemacht) zum Homebrewer geworden. Das Brauen hat mir viel Spaß bereitet, so dass ich mich entschlossen habe, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich habe daraufhin in Berlin studiert, promoviert und war dann lange Zeit für die Qualitätssicherung, Technologie und Produktentwicklung in der Radeberger Gruppe verantwortlich. Als Geschäftsführer der Gesellschaft “Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH” die ich zusammen mit meinem Kollegen Thorsten Schreiber gegründet habe, bin ich für die Rezeptentwicklung der eigenen BraufactuM Sorten und die Auswahl der Partnerbiere verantwortlich. Zudem kommen viele sonstige Aufgaben über Events/Promotion, Pressearbeit und Kundengewinnung hinzu. Eine vielseitige Arbeit die viel Spaß macht, aber leider zurzeit meine Familie (Frau und 2 Kinder) zu kurz kommen lässt.
Bitte erläutern Sie doch kurz unseren Lesern was BraufactuM eigentlich genau ist?
BraufactuM ist die Marke der Gesellschaft “Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH”. Braufactum enthält den Wortstamm Manufactum also “von Hand gemacht”, bzw. zusammen mit “Brau” von Hand gebraut. Diese Bezeichung entspricht dem im englischen Sprachraum verwendeten Ausdruck “Craft”. Braufactum fasst in der Kollektion besondere Biere verschiedenster Bierstile zusammen. Alle Biere gemeinsam haben, dass nur natürlich Zutaten verwendet werden, beste Rohstoffe verwendet werden und alle Prozesse für die Qualität optimal gestaltet werden. Dies beinhaltet z.B. eine Kühlkette von der Brauerei, über unser Lager bis zum Verkauf in unseren Kühlschränken. Die Biere sind ausnahmslos besondere Vertreter Ihrer Gattung, waren die ersten dieses Stiles, sind die traditionellsten, haben Preise gewonnen (insbesondere WBC und GABF) etc. BraufactuM führt praktisch Craft Beer in einer Auswahl von zurzeit 34 Sorten (25 Partnerprodukte und 9 eigene Sorten) in Deutschland ein.
Welche Ziele verfolgt BraufactuM?
BraufactuM bringt Bier auf Augenhöhe zu Wein als passenden Begleiter zu feinen Speisen aber auch zu allen anderen Gelegenheiten wie z.B. in der Bar, zu Zigarren oder einfach als Genuss in Deutschland ein. Wir wollen dabei die Faszination für Craft nach Deutschland bringen und zeigen, dass es über Bier viel mehr zu erfahren gibt als die meisten denken. BraufactuM steht für beste Qualität. Dazu wurde eine ausgefeilte Kühllogistik etabliert, die die feinen Aromen erhält. Die Notwendigkeit besondere Biere auch besonders zu lagern muss aber erst einmal erklärt, verstanden und dann auch konsequent umgesetzt werden.
Die so genannten „Edelbiere“ sind mehr oder weniger auf dem Vormarsch. Ändert sich das Konsumentenverhalten oder ist dies nur eine kleine Randerscheinung?
Das Konsumentenverhalten hat sich bereits in vielen anderen Kategorien geändert (Schokolade, Kaffee aber auch beim Wein). Generell sind Konsumenten bereit für hochwertige Lebensmittel mehr Geld auszugeben, wenn Sie die Besonderheiten verstehen und genießen können. Gleiches hat sich im Biermarkt bereits in USA, Italien und vielen anderen Ländern abgespielt. In den USA haben die Craft Breweries bereits einen Marktanteil von 5 % bei 12 % Umsatzanteil. Craft Breweries entstehen zurzeit in vielen Ländern, von daher bin ich sicher, dass wir diese Entwicklung auch in Deutschland sehen werden.
Wie würden Sie einem jungen und unerfahrenen Bierkonsumenten von 18-25 Jahren ein „Edelbier“ schmackhaft machen?
Ich würde das Bier zunächst nicht Edelbier nennen. Den Namen finde ich nicht passend. Ich finde hochwertige Manufakturbiere schöner. Edel bezieht sicht häufig in erster Linie auf die Verpackung und den Preis. Hier geht es in erster Linie aber um das Produkt, also den Inhalt. Der junge Konsument muss die Biere probieren. Man kann besondere Lebensmittel, die jemand nicht kennt nicht schmackhaft reden, es muss einfach probiert werden. Wer ein IPA, in unserem Fall das Progusta, probiert, ist in der Regel von den Hopfenaromen gefangen und fasziniert. Und so geht es dann durch weitere Sorten. Er wird schnell verstehen dass es darum geht einzigartige Produkte in einer nicht vermuteten Vielfalt zu erleben und sich von jedem Produkt überraschen zu lassen. Es geht darum über den Tellerrand der deutschen Bierkultur hinauszuschauen. Es geht darum Bier in seiner Gesamtheit zu erfassen, Geschmack, Geruch und die Möglichkeit auch eine Symbiose mit feinem Essen einzugehen. Gerade hierbei gibt es endlos viele Möglichkeiten, sofern man bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen.
Was halten sie generell vom deutschen Reinheitsgebot? Bremst dieses eher die Kreativität der Brauer aus oder sichert es uns echte Qualität?
Das Reinheitsgebot sichert uns heute zunächst einmal, dass keine Zusatzstoffe ins Bier gelangen. Das ist schön und das ist auch das was dem Verbraucher wichtig ist. Es macht auch Sinn, dass die traditionellen deutschen Biersorten für die das Reinheitsgebot verfasst wurde mit den darin enthaltenen Zutaten hergestellt werden. Das Reinheitsgebot ist somit auch Garant für die gleichbleibende Herstellung dieser Sorten. Hierbei sollte dringend vermieden werden davon abzuweichen, um beispielsweise Produktions- oder Rohstoffkosten zu sparen.
Biersorten anderer Länder oder aber auch neue Kreationen wie von unseren Partnern hergestellt, sind sofern sie bei den weiteren Zutaten ebenfalls nur natürliche Zutaten verwenden, aber eine tolle Bereicherung.
Im Angebot von BraufactuM gibt es besondere Bierspezialitäten aus der ganzen Welt. Welche Kriterien müssen die Biere entsprechen, um in das Angebot aufgenommen zu werden?
Sie müssen in Ihrem Stil die besten, ersten oder traditionellsten sein. Der Gewinn von Preisen insbesondere World Beer Cup oder GABF wäre hervorragend. Der Bierstil bzw. das Bier muss sich zu den bereits in der Kollektion vorhandenen Sorten deutlich unterscheiden. Die Qualität muss kompromisslos im Vordergrund stehen. Die Braumeister müssen Interesse an einer aktiven Partnerschaft haben (gegenseitige Besuche, Austausch von Ideen, ggfs. mal ein Bier zusammen brauen). Die Brauerei bzw. der Braumeister muss sich ein gewisses Ansehen in der Szene erworben haben. Für Deutschland benötigen wir dann Exklusivität.
Bewerben sich Brauereien um in das Angebot aufgenommen zu werden oder gehen Sie auf die Brauereien zu?
Wir haben zurzeit viele Bewerbungen aus Deutschland. Auf die jetzigen Partner sind wir zugegangen, da uns vor dem Start natürlich keiner kannte. Zurzeit bauen wir vor allem die Partnerschaft mit den 9 bestehenden Partnern aus, sind aber immer offen für spannende neue Biere/Brauereien.
Es gibt auch eigene „BraufactuM Kreationen“, nach welchen Kriterien werden diese Biere zubereitet und wer übernimmt das Brauen?
Die Rezepte der Biere wurden zunächst in Zusammenarbeit mit vielen Braumeistern in zahlreichen Versuchen entwickelt. Hier haben wir drei Richtungen:
a) Alte deutsche Rezepte zum Teil neu interpretiert (Darkon, Marzus, Oscur oder Colonia)
b) Internationale Rezepte von Sorten, die uns auf der Reise besonders begeistert haben. Hier haben wir dann eigene Interpretationen entwickelt: Progusta (IPA), Clan (Scotch Ale)
c) Kombination von deutschen mit internationalen Sorten: Indra (Weizen IPA)
Wichtig war uns die Rohstoffe mehr in den Vordergrund zu bringen. So finden sich in den Zutatenlisten auch alle Hopfen- und Malzsorten. Hier haben wir für viel Abwechslung gesorgt.
Was hat es mit dem Projekt „Mein Gasthaus für feine Bierkultur“ auf sich?
In Frankreich gab es mit den Brasserien immer schon Gasthäuser, die eine gute, gehobene Küche zu den Bierspezialitäten des ihr angeschlossenen Brauhauses angeboten haben. Mit BraufactuM wollen wir hierzulande nun etwas Eigenes etablieren: ein Gasthaus für feine Bierkultur, in dem Bier als Begleiter der gehobenen Küche den gleichen Stellenwert hat wie Wein. Gesucht wurde bei diesem Wettbewerb für diese Idee die geeignete Person bzw. wie jetzt mit den Siegern das geeignete Team mit einem ausgeprägten Unternehmergeist.
Was muss ein Gastronom mitbringen um diesen Wettbewerb gewinnen zu können?
Die Kandidaten mussten sich in den vier Kategorien der Kulinaristik beweisen: Unternehmerisches Geschick, Service und Gastlichkeit, Küchenkunst und Material sowie Getränkewissen. Sie mussten einen Businessplan eines Gasthauses für feine Bierkultur erarbeiten, vorstellen und dazu Rede und Antwort stehen. Der Wettbewerb ist diese Woche zu Ende gegangen und wir waren von dem Qualitätsniveau des Finales unheimlich beeindruckt. Das Sieger-Trio aus Hamburg hat sich dabei mit dem ausgereiftesten Konzept und ausgezeichneter individueller Kompetenz durchgesetzt. Die Zusammenarbeit mit den Dreien wird sehr spannend und ich freue mich sehr darauf zu erleben wie dann der Gedanke der feinen Bierkultur in ihrem eigenen Betrieb umgesetzt wird.
BraufactuM ist eine Tochter der Radeberger Gruppe. Diese gehört wiederum zum Lebensmittelkonzern Dr.Oetker. Die Radeberger Gruppe kauft kleinere Brauereien auf und bringt viele so genannte „Fernsehbiere“ auf den Markt. Wie lässt sich dies mit den Werten und Zielen von BraufactuM vereinbaren?
Da die Radeberger Gruppe als Teil der Oetker Gruppe ein werteorientiertes Familienunternehmen ist und langfristig denkt, ist es möglich einer solchen Idee aus Überzeugung eine Chance zu geben. Die Radeberger Gruppe steht für deutsche Bierkultur. Neben den bekannten Pilsmarken wie Radeberger und Jever, hat die Radeberger Gruppe das komplette Portfolio der deutschen Biersorten wie diverse Weizenbiere (u.a. Schöfferhofer), Alkoholfreie Biere, Kölsch, Alt, Berliner Weisse. Diese Kultur wird aktiv gepflegt und ständig ausgebaut. Braufactum ist eine Erweiterung bzw. Fortführung dieser Philosophie allerdings völlig eigenständig im Markt aktiv. Dadurch sind wir in der Lage aus einer Hand den gesamten Prozess von der Rezeptentwicklung über das Brauen bis zur Vermarktung, Distribution und den Events mit unseren Konsumenten zu betreuen. Wir sind nur ein kleines Team und machen alles selber. wodurch leider manche Themen (wie auch dieses Interview) länger dauern.
Könnte es sein, dass BraufactuM eine ganz bestimmte Zielgruppe erreichen möchte, in welche die Radeberger Gruppe noch kein Produkt heranbringen konnte?
Unserer Zielgruppe sind Genießer. Diese finden wir zum einen natürlich zum Beispiel unter Weinkonsumenten. Daher sind wir auch Partner des VDPs (Verband deutscher Prädikatsweingüter) und machen viele Veranstaltungen mit Winzern. Unsere Zielgruppe ist aber sehr weitgefasst. Wir haben auch viele Konsumenten, die BraufactuM als Ergänzung Ihres bisherigen Bierspektrums sehen, und auch gerne Markenprodukte der Radeberger Gruppe trinken.
Wird die Bierlandschaft sich in den nächsten Jahren verändern?
Die Bierlandschaft hat sich ständig verändert und das wird sie auch weiterhin tun. Ich bin überzeugt davon, dass “Craft” Bier auch in Deutschland eine Entwicklung einschlagen wird, die wir in USA, Italien oder Skandinavien sehen. Wichtiger Teil dieser Veränderung ist aber neben den Produkten auch der Konsument. Er wird aktiver einbezogen, erfährt viel Wissenswertes und gibt seine Erfahrung zurück.
Braucht der deutsche Biermarkt innovative Ideen oder sollte er sich weiter auf traditionsbewusste Produkte konzentrieren?
Das eine schließt das andere nicht aus. Wichtig ist, dass man über den Tellerrand hinaus schaut. Wichtig ist ferner dass die Brauereien verstehen, dass man im gleichen Boot sitzt. Es geht darum, Konsumenten dauerhaft für Bier zu begeistern und Bier zu möglichst vielen Anlässen als passenden Begleiter zu etablieren. Innovative neue Produkte oder tolle Produkte aus anderen Ländern können diese Begeisterung mit unterstützen und sich auch positiv auf traditionelle Produkte auswirken.
Haben Sie ein bestimmtes Lieblingsbier?
Das IPA hat mich in den USA am meisten fasziniert. Unglaublich dass man eine solch tolle Biersorte in Deutschland praktisch noch nicht kennt. Hopfen hat mich über viele Aufenthalte in verschiedenen Anbaugebieten in Deutschland und USA schon immer fasziniert. Die Luft ist in der Erntezeit von den unglaublichen Aromen gesättigt. All diese Stoffe, diese Emotion des Rohstoffes Hopfens spürt man im IPA. Je nach Zusammensetzung der Hopfensorten hat praktisches jedes IPA einen anderen Charakter und trägt die Handschrift des Braumeisters. Es ist zudem eine hohe Kunst den Körper des Bieres so zu gestalten, dass die Bittere harmonisch eingebunden wird. Es gibt hier so viel zu erzählen, so viel auszuprobieren eine praktisch immer neue Fundgrube für tolle Biere. Wir haben mit Progusta unser eigenes IPA entwickelt und sind darauf richtig Stolz.
In Nordamerika gibt es rund 600 aktive Bierblogger. Glauben Sie, dass Blogger den Biermarkt beeinflussen könnten? Ich bin überzeugt davon dass der aktive Austausch der Braumeister mit den Konsumenten ein Teil der aktuellen Bewegung darstellt und auch unsere Entwicklung in Deutschland beeinflussen wird. Von daher ein eindeutiges: “JA”
Zum Abschluss noch ein paar bierige Weisheiten für unsere Leser?
Ich bin kein Freund der sich reimenden Weisheiten, daher möchte an dieser Stelle Garrett Oliver zitieren: “Wer die Welt des Bieres noch nicht für sich entdeckt hat, der verpasst eine der größten Freuden, die das Leben für einen Menschen bereit halten kann”.
Vielen Dank für das Interview!!
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Category: Bier Allgemein, Bier Interviews










Hat Hr. RAUSCHmann sehr gut rüber gebracht!
Bier braucht Liebe
Bier zu werden
Bier braucht
liebe Weggefährten
Es lebe die gel(i)ebte Bierkultur
GENUSSbotschaft – BIERkulturstadt Bamberg
Wie kann micht jemand mit einem Schöfferhofer Weizenbier
begeistern ?
DAS KONZEPT ist schön,
aber wird leider nicht funktionieren, weil damit kein Geld zu verdienen ist, es sei denn, es wird als Hobby betrieben und Sponsoren zahlen. Lange.
Und wenn das Bier so schmeckt wie die Kommas gesetzt wurden, naja,…
Vielleicht aber wurde der Artikel ja nach Verkostung erstellt, dann sei es verziehen!
Viel Glück, hoffe, Euch gibt es noch in 3 Jahren.
Gambei
Heinz aus Shanghai
Interessantes Konzept,
aber das wird leider nicht aufgehen.
Und wenn das Bier so schmeckt wie die Kommas gesetzt wurden, naja,…
Aber vielleicht wurde der Artikel ja nach Verkostung erstellt, dann sei es verziehen!
Viel Glück, hoffe Euch gibt es noch in 3 Jahren.
Gambei
Heinz aus Shanghai
Is doch wurscht wie die Kommas sind, hauptsache es gibt Menschen die gerne über Bier berichten und schreiben!!!
Glaube schon das Braufactum funktioniert, da Radeberger dahinter steckt. Also erst informieren, bevor man meckert.
Grüße nach Shanghai!