8. Lahnsteiner Bierseminar: Deutsch-Schweizer Bierkaleidoskop
Neben den bekannten „Mega-Trends“ wie Wellness oder gesunde Ernährung entwickelt sich zur Zeit ein neuer internationaler Mega-Trend: Bierspezialitäten. Einige Beispiele aus der deutschen und der Schweizer Braulandschaft beleuchtete das 8. Lahnsteiner Bierseminar.
Vorher leuchtete jedoch ein Nachtrag zum letzten Bierseminar unter dem Thema Malz im Licht der Aufmerksamkeit: Das Malzdisplay aus dem Hause Weyermann Malz enthält 17 verschiedene Malze vom bekannten hellen Gerstenmalz bis zum Roggenröstmalz. Mit Malz alleine ist natürlich kein Durst zu löschen. Diese Aufgabe übernahm das Lahnsteiner Obergärig, ein helles, mild gehopftes und vollmundiges Bier aus reinem Gerstenmalz. Obergärig vergoren entspricht es der typischen Brauart, wie sie die Braumeister in den Städten des Rheinlands schon im Mittelalter nutzten. Seit einigen Jahren feiert es in Oberlahnstein eine Renaissance.
Kein Produkt des Mittelalters sondern ein im Rheinland gänzlich neues stellt der Hopfenlikör naturtrüb aus der Lahnsteiner Brauerei dar. Er entsteht auf Basis des wohl gehopften hellen Doppelbockbieres „Martinator“ unter Zugabe von Alkohol, Zucker, Hopfendolden und Hopfendestillat. Die Kombination aus Hopfen, auch als „grünes Gold“ bekannt, und dem satten Goldgelb des Martinators erzeugt einen warmen, herbstlichen Ton von grün-braun. Die aromatische Frische des Hopfens, seine charakteristische Bittere und die Süße des Zuckers kombiniert mit der wuchtigen Vollmundigkeit und Malzaromatik des Doppelbocks erinnern an eine frisch gemähte Blumenwiese, ein Hopfenfeld oder ein aromatisches Kräuterbonbon. Dieses ist jedoch nicht im Entferntesten in der Lage, die wohlige Wärme im Bauch zu erzeugen, die dieser Likör mit sich bringt. Mit der Vorstellung des neuen Hopfenlikörs auf diesem Bierseminar erfolgte gleichzeitig der offizielle Verkaufsstart. Produzent ist wie beim Bierlikör die HIM Liköre GbR aus Winningen an der Mosel.
Hanfbier ist eine Biersorte, die zu brauen in Deutschland nicht möglich wäre. Zwar gehören Hanf und Hopfen zur gleichen Familie, aber im Deutschen Reinheitsgebot ist klar die Rede von Hopfen, nicht von Hanfgewächsen. So verwirklichte diese Idee die Privatbrauerei Locher aus dem Appenzell in der Schweiz. Das Hanfbier ist eine naturtrübe Bierspezialität mit 5,0 Vol.-% Alkohol. Insbesondere durch den Hanf erhält es eine leicht süßliche, typisch „hanfige“ Note. „High“ wird man davon eindeutig nicht.
Castégna ebenfalls mit 5,0 Vol.-% Alkohol aus der Brauerei Locher enthält mit Kastanien eine weit weniger berüchtigte Zutat. Bei dieser aus dem Tessin stammenden Rezeptur gibt der Braumeister die Kastanien zusammen mit dem Malz in den Sud. Nach der Gärung reift das Bier drei Monate lang und entwickelt ein leicht süßes Aroma mit feiner Bittere.
Ambrosius aus der Alprisbacher Klosterbräu im Schwarzwald enthält keine so extrava-ganten Zutaten, aber seine Zutaten haben es mindestens genauso in sich – es ist ein Doppelbockbier mit 7,7 Vol.-% Alkohol. Sein Namensgeber Ambrosius Blarer (1492 – 1564) verdankt diese Ehre ganz sicher der Tatsache, dass er einige Jahre lang als Prior dem Kloster Alpirsbach vorstand. Bekanntheit erlangte sein Name mehr durch seine Tätigkeit während der Reformation und als Liederdichter. Durch die klösterliche Tradition trägt Ambrosius auch den Beinamen „Abtei-Bier“ und das Muster eines Alpirsbacher Klosterfensters im Hintergrund. Eine spezielle Hefe und insbesondere Tettnanger Doldenhopfen bescheren dieser Spezialität „einen samtig weichen Schaum und ein vollendetes Aroma aus Frucht und Bittere in feinster Balance“.
Die nächsten Bierseminare finden am 1.12.2011 sowie 2012 am 12.1., 9.2., 1.3., 12.4., 3.5. und 14.6 statt. Die Themen sind wie immer das am besten gehütete Geheimnis des Lahnsteiner Brauerei. Überraschung garantiert – Anmeldung unter fohr@lahnsteiner-brauerei.de
Die letzten Bierseminare hallen mittlerweile länger nach in Lahnstein. Solange Vorrat reicht stehen die verkosteten Bierspezialitäten nun auch im neu gestalteten und erweiterten Brauereimarkt zum Verkauf. Auf diesem Weg können nun alle, die ein Seminar verpasst haben, dies zumindest geschmacklich nachholen.
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