Bierige Eindrücke vom 2. internationalen Brauwettbewerb – Teil 1
Vor einiger Zeit haben wir über den 2. internationalen Brauwettbewerb 2011 im Rahmen zweier Kongresse auf dem Messegelände ICC in Berlin berichtet. Am 27. September 2011 fanden sich 18 Kandidatenteams zum, von der studentischen Vereinigung “Campusperle” organisierten, Brauwettbewerb zusammen. Die Jungs rund um das Bierbewertungsportal Bier-Index.de waren vor Ort und haben ihre Eindrücke in Wort und Bild gefasst. Das Ganze übrigens verfasst von Dirk Hoplitschek, vielen Dank dafür!
Nun wollen wir in zwei Teilen insgesamt sechs der 18 Kandidatenteams mit ihren Bieren etwas näher vorstellen. Neben den Eindrücken der Jungs vom Bier-Index konnten wir Esther Isaak de Schmidt Bohländer, ihres Zeichens Ladenbesitzerin für Bierspezialitäten in Hamburg (www.bierland-hamburg.de) und Jurymitglied am Brauwettbewerb gewinnen, welche exklusiv und ungeschminkt ihre Eindrücke der einzelnen Bierstile erläutert.
Auf jeden Fall sehr spannend und interessant, welche verschiedenen “Bierexperimente” sich die jungen Leute (zu)getraut haben. Wir können nur hoffen, dass diese Ideen und kreativen Überlegungen weiter verfolgt werden und vielleicht dürfen wir ja das ein oder andere Bier oder Bierrezept schon bald selber verköstigen.
FH Campus Wien: „S’Kerndl inside“
Die erste Beschreibung gebührt dem Team rund um Rudolf M. Fink und ihrem „Grape Seed Beer“ – nicht nur für die Qualität des Gebräus, sondern auch für den Mut, uns durstigen Bier-Index- Reportern einfach mal ein Glas einzuschenken, auch wenn der Vorrat knapp und die Jury noch nicht bedient war. Das Besondere am „S’Kerndl inside“ ist die Verwendung von Traubenkernmehl. Dabei handelt es sich um die Überbleibsel aus der Kernölgewinnung. Zudem enthält das Bier OPCs. Der biochemisch interessierte Leser möge bitte selbst recherchieren, worum es sich dabei handelt. Die gewünschte Funktion der OPCs jedenfalls ist das Einfangen von Radikalen, wodurch das Krebsrisiko gesenkt werden soll
Bier gegen Krebs? Na, da kommen wir doch auf ein zweites Gläschen vorbei! Das lohnt sich auch geschmacklich, denn das vollständig aus biologischen Zutaten gebraute Traubenkernmehlbier überzeugte nicht nur durch eine schöne Bernsteinfarbe, sondern auch durch eine überraschend gute Harmonie zwischen den Malznoten und den Weißweinaromen der Traubenkerne. Nach einem malzig-süßen Einstieg kamen diese voll zur Geltung, getragen von einem passend frischen, weichen Körper. Die Bitterkeit im Abgang war sehr zurückhaltend, dafür aber flächig, mit phenolischem Beigeschmack. Auffällig war der deutliche Kerngeschmack am Gaumen– solltet ihr jemals ein „S’Kerndl inside“ in die Finger bekommen, probiert es doch zu ein paar Sonnenblumenkernen.
So schlecht stehen die Chancen dafür übrigens gar nicht, denn davon abgesehen, dass dieses Bier in Hektolitermengen gebraut wurde, denkt man an der FH Campus Wien auch über eine weitergehende Zusammenarbeit mit lokalen Brauereien nach. Wir würden uns freuen.
Esther Isaak de Schmidt-Bohländer: “Ein Weizen. Wenn ich mich richtig erinnere. Etwas nelkig, etwas bananig. Schmeckte. War zu kompromißbereit.”
TU Braunschweig: Carl-Wilhelms-Bräu
Der Bier-Index-Award für Schankfreudigkeit geht an die Jungs und Mädels der TU Braunschweig. Als wir an ihrem Stand auftauchten, herrschte vor wie hinter dem Tresen Hochbetrieb. Nicht nur das Team selbst, sondern auch Gäste von anderen Ständen zeigten sich angetan von der Freigiebigkeit der Braunschweiger und auch von der Qualität ihres Pilsners.
Gefallen hat uns am „Carl-Wilhelms-Bräu“, dass es als naturtrübes Pilsner die Vorzüge eines weichen Körpers mit der kompromisslosen Herbe und Trockenheit eines norddeutschen Lagers verband. Zwar war der leicht staubige Einstieg trotz typisch grasiger und apfelartiger Noten etwas plattsüß und unspektakulär, dafür reichte der Abgang mit seiner trockenen Bitterkeit fast schon in die Orangenschalenaromen belgischer Tripel. Dass dieses Bier dabei noch süffig und leicht blieb, dürfte dabei zu seiner Beliebtheit unter den Gästen beigetragen haben.
Esther Isaak de Schmidt-Bohländer: “Ich erinnere mich nicht mehr. Ein schlechtes Zeichen. War nach meiner Bewertung trinkbar.”
TU Hamburg Campusperle Braugemeinschaft: Berliner Schwarze
Extra für den Bierwettbewerb in Berlin kreierte das Team der Campusperle (gleichzeitig auch die Organisatoren des Wettbewerbs) eine Art Antithese zum bekannten Erfrischungsgebräu Berliner Weisse.
Aus Weiß wurde Schwarz, aus sauer wurde malzig-süß, und aus Waldmeister bzw. Himbeere wurde Holunderlikör. Es freut uns, verkünden zu dürfen, dass dieses Experiment geglückt ist. Die Verwendung vieler Zutaten ist nicht immer ein Garant für ein komplexes und doch stimmiges Bier, doch in diesem Fall war es besonders die volle Malzigkeit (Karamellmalz, Münchener Malz, Abteimalz), die uns mit ihrer Vielschichtigkeit überzeugte. Die aufkommende Säure, die uns an Münchener Dunkel erinnerte, wurde durch den Holunderlikör gut ausgeglichen, und auch wenn das Bier durch den Likör sehr süß (Honig, Blüten) wurde, stach dessen Aroma doch nie allzu stark durch. Jenen, die ihr Bier gern pur genießen sei aber versichert: das Basisbier der „Berliner Schwarze“ ist auch für sich absolut genießbar. Uns überzeugten karamellig-röstige, pflaumen- und kakaoartige Aromen in einem dichten Körper.
Esther Isaak de Schmidt-Bohländer: “Die CAMPUSPERLE hätte einen OSKAR für die Organisation verdient. Und sie sind wahnsinnig symphatisch. Der Bierstil war aber überhaupt nicht erkennbar, das Bier war sehr trinkbar, aber keiner der Brauer konnte erkennen, was es denn für ein Bier gewesen wäre.”
Im zweiten Teil werden dann folgende Teilnehmer noch etwas näher vorgestellt:
- 4Wedding: „Halt die Fresse, das muss so schmecken!“ (Pale Ale)
- Universität für Bodenkultur Wien: „Black Hops Oatmeal Stout“
- Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Smaragdblut
Autor: Dirk Hoplitschek
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Wann gibt es eigentlich den zweiten Teil? Ich hoffe bald! Die Biere klingen schon sehr spannend.
Gibts die auch irgendwo zu bestellen? Oder werden die gar nicht verkauft?
Wann gibt es eigentlich den zweiten Teil? Ich hoffe bald! Die Biere klingen schon sehr spannend.
+1
@ThomasT: Die Biere gibt es leider noch nirgends zu bestellen. Die Teilnehmer waren Studenten, die sich im Brauen versucht haben.
Die Wiener Produktion von s’Kerndl lief allerdings über eine Privatbrauerei in Österreich, wer weiß ob die Brauer dort nicht das Potential des Bieres entdecken und es mit ins Sortiment nehmen.
Das IPA von 4Wedding (kommt im nächsten Teil und der kommt bestimmt bald wenn Felix wieder etwas mehr Luft nach seiner Bierreise hat
) könnte irgendwann in Berlin erhältlich sein, die Jungs würden gern selber eine Klein-Brauerei aufmachen. Das ist aber in Deutschland alles andere als leicht und vorher will ja auch noch zu Ende studiert werden
.
Hallo,
Der 2. Teil wird heute online gehen
Wichtig ist auch einfach zu sehen, dass viele junge Leute gerne interessante Biere nicht nur brauen, sondern sich auch dafür interessieren. Der Grundgedanke Bier = Pils, Helles, Weizen differenziert sich immer mehr in die Richtung Bier = unendliche Sortenvielfalt und das ist gut so
Ansonsten, danke Robert für deine vielen Infos…Super Sache!!