Innovative Brauer-Power zu Gast in Berlin

Gastautor | September 30, 2011 | Kommentare (2)

Am Dienstag, dem 27. September 2011, fanden sich auf dem Messegelände ICC in Berlin 18 Kandidatenteams zu einem von der studentischen Vereinigung „Campusperle“ organisierten Brauwettbewerb zusammen. Im Rahmen zweier Kongresse (European Congress of Chemical Engineering & European Congress of Applied Biotechnology) stellten die jungen Hobbybrauer ihre Biere dem Publikum und einer Jury aus Fachleuten vor. Der Teilnehmerkreis setzte sich dabei vorwiegend aus deutschen und österreichischen Studenten entsprechender Fachrichtungen zusammen, doch auch Unabhängige waren geladen. Das Team von Bier-Index war für Euch vor Ort und hat im folgenden den Besuch in einen Artikel verpackt.

Die erste Hürde, die es zu bewältigen galt, war die Verwirrung bei der Anmeldung. Zwar hatten wir uns online als Pressegäste eingetragen, doch trotz einer Bestätigungsmail fanden die Damen an der Rezeption uns nicht in ihrer Kartei. Kein Problem, denn wohlweislich hatten wir den Schriftverkehr ausgedruckt, sodass man uns schnell neue Ausweise druckte. Im Zuge dieser Verwirrung erhielten wir jedoch keine Gelegenheit, die äußerst wichtige Verzichtserklärung zu unterschreiben, ohne die wir keine Biere hätten kosten dürfen. Erst, als wir schon am achten Stand angekommen waren und ein Bier quasi „schwarz“ getestet hatten, fanden wir den dort ausliegenden Wisch und setzten bereitwillig unsere Autogramme.

Dirk von www.bier-index.de

Dirk von www.bier-index.de

Dann begann ein wunderbarer Spaß. Während im Zentrum der Halle die Biochemiker noch Wettrennen mit alternativ betriebenen Fahrzeugen veranstalteten, streiften wir von Stand zu Stand, anfangs noch etwas zögerlich, dann aber von der freundlichen Atmosphäre (und bald auch dem Bier) ermutigt. Was wir zu sehen (und zu trinken) bekamen, lässt nur einen Schluss zu: Es gibt Hoffnung für die Biernationen Deutschland und Österreich.

Die vorgestellten Biere waren allesamt mindestens interessant, meist besser als Produkte des Massenmarkts, und in einigen Fällen ausgezeichnet. Dies honorierte auch Esther Isaak de Schmidt Bohländer, ihres Zeichens Ladenbesitzerin für Bierspezialitäten in Hamburg (www.bierland-hamburg.de) und Jurymitglied, indem sie einigen der dargebotenen Biere nach der Preisverleihung spontan den Vertrieb anbot.

Die Gründe dafür waren reichhaltig: Von kompromisslos herben, nordischen Pilsenern, wie wir sie im Carl-Wilhelms-Bräu (TU Braunschweig) fanden, über die reichen, vielschichtigen Malznoten der „Berliner Schwarze“, die vom Team der TU Hamburg mit einem Schuss Holunderblütenlikör angeboten wurde, bis zu enorm schwierig zu kategorisierenden Bieren wie dem tschechischen Wassermann (einem Algenbier) oder dem Pfälzer Chlorophyllbier – die Jungbrauer experimentierten mit ausgefallenen Verfahren und Zutaten, und brauten trotzt geringer Erfahrung und oftmals geliehener Ausrüstung frei von der Leber weg…oder eher frei auf die Leber zu?

Die Jury, u.a. mit Esther Isaak de Schmidt Bohländer vom Bierland-Hamburg.de

Die Jury, u.a. mit Esther Isaak de Schmidt Bohländer vom Bierland-Hamburg.de

Bei 18 Bieren und ziemlich schankfreudigen Ausstellern müssen wir uns, bevor wir zu den Gewinnern kommen, noch bei den Gastgebern bedanken, denn ohne das reichhaltige Buffet wäre es uns wohl nicht vergönnt gewesen, tatsächlich fast alle Biere auch zu kosten. Ausgezeichnet wurden am Ende zunächst die beste Präsentation und der höchste Frauenanteil (auch wenn uns der Sinn letzterer Kategorie verschlossen bleibt). Beides ging an die Damen vom Karlsruher Venusbräu, da das Team ausschließlich aus Frauen bestand und sie mit ihrer begeisternd sympathischen (wenn auch nicht virtuosen) Gesangseinlage zu überzeugen wussten. Auch die Kategorien „weiteste Anreise“ (Black Hops & Freibier, Wien) sowie jeweils niedrigster und höchster Alkoholgehalt (ProBierotisch, Gießen und die Sakebrauer aus Aachen) waren wohl nicht allzu ernst gemeint.

Auch Frauen können Bier brauen - Hier die Mädels vom Venusbräu

Auch Frauen können Bier brauen - Hier die Mädels vom Venusbräu

Aufs Treppchen durfte dann als Dritter das wirklich schmackhafte Oatmeal Stout (ein Stout mit Hafer- und Weizenmalz) der bereits erwähnten Black Hops (Universität für Bodenkultur Wien). Besonders freuten wir von Bier-Index uns über den zweiten Platz der vier Berliner Independent-Brauer 4Wedding“ mit ihrem hervorragenden Pale Ale „Halt die Fresse, das muss so schmecken!“, da sie nicht einmal die Vorzüge geliehener Ausrüstung hatten, sondern sich selbst als „Balkon- und Baumarktbrauer“ betitelten.

Der Sieg ging schließlich an die Zickfelder Meeresbrise“ (Flensburg), ein hypertonisches Weizenbier. Vielleicht war es ein schlechtes Omen, dass Veranstalter Markus Zeitler bei der Preisverleihung auf den großen Aufwand und die Werbung hinwies, die die Hersteller betrieben hatten.
Denn es war ausgerechnet das Siegerbier, bei dem wir von Bier-Index nicht mit der Jury übereinstimmten.

Nicht, dass es ein schlechtes Bier gewesen wäre – die „Meeresbrise“ ist ein einwandfreies Produkt, aber angesichts der vielen innovativeren, interessanteren und spannenderen Gebräue vor Ort fällt es uns schwer, diese Entscheidung nachzuvollziehen.

Auch im Nachhinein wurden vereinzelt kritische Stimmen laut. Ein Hobbybrauer bezeichnete die Veranstaltung als „zu aufgeblasen“. Viele kleine Beschränkungen und unnötige Vorschriften nähmen im Vergleich zum Vorjahr etwas von der freigeistigen Energie des Wettbewerbs, so der Herr aus dem Team der Universität Bielefeld. Dennoch verbleibt bei uns ein insgesamt positiver Eindruck, und neben den abwechslungsreichen und guten Bieren möchten wir auch ihre kontaktfreudigen Hersteller loben, die sich über unser Interesse ehrlich freuten und sich auch unsere Kritik gern anhörten. Leider können wir im Rahmen dieses Artikels nicht so ins Detail gehen, wie wir es möchten, daher werden wir den meisten Teilnehmern und ihren Produkten einen eigenen Zusatzartikel widmen – immerhin sind wir Biertester, und zu den geschmacklichen Vorzügen konnte bisher kaum etwas gesagt werden.

Wir freuen uns jedenfalls aufs nächste Jahr. Wo immer der Wettbewerb dann stattfindet (Gerüchten zufolge wieder in Hamburg), der Bier-Index wäre gern ein weiteres Mal dabei.

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