Interview: Der Bierzauberer Günther Thömmes – Autor, Brauer und Inhaber der kleinsten Brauerei Österreichs

Felix | 12. August 2011 | Kommentare (3)

In einem Bierjournal habe ich über ein Buch gelesen, welches mir vom Namen sofort sympathisch erschien. Der Bierzauberer, eine schwungvolle Mischung aus historischem Roman, die Anfänge des Bierbrauens und gut gelungener Spannung. Meiner Meinung nach ein gelungener Roman und für Bierliebhaber ein Muss im Bücherregal.

Wir haben für euch mit dem Autor der Bücher Günther Thömmes ein Interview rund um seine Autorentätigkeit, die Bierkultur in Deutschland und über die Brauertätigkeit des Autors geführt. Herr Thömmes ist nämlich nicht nur Autor, er braut auch sein eigenes Bier in der kleinsten hauptgewerblichen Brauerei Österreichs.

Der Beginn der Bierzauberer-Saga. Schon jetzt ein Klassiker und Standardwerk für Bierfreunde: Fünf Auflagen in den ersten 2,5 Jahren! Mittlerweile gibt es zwei Folgebände, weche sehr erfolgreich sind.

Ein altes, geheimnisvolles Buch, ein Brauer aus dem 13. Jahrhundert – und schon steht die Tür zum Kosmos des Mittelalters weit offen.
Niklas von Hahnfurt macht sich auf den steinigen Weg, der beste Bierbrauer seiner Zeit zu werden. Von seiner fränkischen Heimat gelangt er dabei über das Kloster Weihenstephan nach St. Gallen, der Hochburg mittelalterlicher Braukunst. Als dort mehrere Pilger mit vergiftetem Bier ermordet werden, gerät Niklas ins Visier des fanatischen Inquisitors Bernard von Dauerling. Es beginnt eine Jagd auf Leben und Tod. Niklas’ Flucht führt ihn in die Bierstädte Regensburg, Bitburg und Köln, sogar bis nach Lübeck und London kommt der “Bierzauberer”. Doch am Ende ist ein letztes “Bierduell” mit seinem Todfeind unausweichlich.

Das Interview des Autors:

Bierzauberer


Stell dich doch bitte kurz einmal unseren Lesern vor.
Mein Name ist Günther Thömmes, Jahrgang 1963, verheiratet, ein Kind, aufgewachsen in Bitburg/Eifel.

Seit wann bist du Braumeister, wo hast du deine Ausbildung gemacht, bei wem warst du bis jetzt beschäftigt ?
Meinen Abschluß als Dipl. Braumeister an der TU München-Weihenstephan habe ich 1991 gemacht, davor habe ich von 1985-87 eine Ausbildung als Brauer und Mälzer bei der Bitburger Brauerei Th. Simon gemacht.
Während des Studiums habe ich Praktika bei der Schwester Doris in der Klosterbrauerei Mallersdorf sowie drei Monate bei Guinness in London absolviert.
Nach dem Studium war ich etwa mehr als 5 Jahre bei A. Ziemann in Ludwigsburg und habe dort Brauereien geplant, begutachtet und neue Anlagen in Betrieb genommen. Da war ich in der ganzen Welt unterwegs. 1997 bin ich dann für GEA Tuchenhagen nach USA gegangen und habe dort 3 Jahre lang den US-Brauereimarkt betreut. Dort habe ich auch meine Liebe zum Pale Ale entdeckt. Nach meiner Rückkehr habe ich noch 1,5 Jahre lang für die gleiche Firma Russland und Osteuropa vertriebstechnisch betreut. Anfang 2002 bin ich mit meiner Frau nach Österreich gezogen und habe ab da in der familieneigenen Firma gearbeitet, als Berater für Brauereien in Österreich und Ex-Jugoslawien., u.a. mit der Regionalvertretung für meine früheren Arbeitgeber Ziemann und Tuchenhagen. Anfang 2010 beschloß ich, mich mit einer kleinen Brauerei selbstständig zu machen.

Stell doch kurz mal deine Brauerei vor.
Meine Brauerei ist die kleinste hauptgewerbliche Brauerei Österreichs. Bilder gibt’s unter www.bierzauberer.info. Sie besteht in den Hauptaggregaten aus:
Ein 200-Liter-Sudwerk (Fa. Gruber, Eugendorf) mit elektrisch beheizter Pfanne, Läuterbottich, Temperaturautomatik, eingebautem Würzekühler und frequenzgeregelter Kreiselpumpe; ein 200-Liter Wassertank mit Heizautomatik; 4 offene, ungekühlte Gärbottiche; 2. CIP-Tanks; 4 ungekühlte Druck- und Lagertanks a 500 l plus 2 a 250 Liter (Fa. Mueller, Holland); eine große Kühlzelle für die Druck- und Lagertanks; ein Flaschenwascher (Fa. Gruber); ein Flaschenfüller 2-stellig (Fa. Gruber); eine kleinere Kühlzelle für Vollgut.
Die Brauerei wird ausschließlich elektrisch betrieben, mit Ökostrom.
Als Gebinde gibt es Mehrweg-Bügelflaschen ohne Papieretiketten und Kronkorken (No waste). Kein Fassbier! Auf Bestellung fülle ich 5-Liter-Partyfässer.

Seit wann schreibst du Romane, wie bist du darauf gekommen, was machst du lieber schreiben oder brauen?
Die Schreiberei begann in den 90er Jahren, lief aber lange Zeit nur unmotiviert nebenher. Vor ca. 8 Jahren habe ich dann beschlossen, dass ich das Buchfragment, aus dem dann „Der Bierzauberer“ wurde, ernsthaft weiter verfolgen möchte. Und so kam es dann auch. Mittlerweile gibt es drei Bierzauberer-Romane. Alle haben schon mehrere Auflagen erlebt.
Beides, Schreiben und Brauen, macht großen Spaß und ergänzt sich gut: Geistige und körperliche Forderung.

Ist es kein Stress, Braumeister und das Schreiben zu absolvieren?
Seit die Brauerei läuft, komme ich weniger zum Schreiben, es kommen aber sicher auch wieder Phasen, in denen ich wieder Zeit zum Schreiben finde. Stress ist es nicht, eher Ausgleich.

Besuchen viele Menschen deine Internetseite www.bierzauberer.info?
Weiß ich nicht, ich zähle nicht. Gemessen an den Briefen und Emails, die ich bekomme, aber schon.

Deutsche trinken immer weniger Bier, was hältst du davon und könntest du dir Gründe erklären?



In Deutschland herrscht Monotonie auf hohem Niveau. Anstatt die Biertrinker mit neuen GUTEN und KREATIVEN Bierprodukten (und ich meine BIERE, nicht Biermischgetränke) zum Bierkonsum zu bewegen, versuchen die Brauereien, es über immer billigere Biere zu schaffen. Das hat zu einem Verdrängungswettbewerb geführt, der so sehr ungesunde Ausmaße angenommen hat.
Die deutschen Brauer sind selbst schuld, zumindest die, die den Mythos Reinheitsgebot noch immer mit Klauen und Zähnen verteidigen.



Wird sich die Bierlandschaft in den nächsten Jahrzehnten verändern?
Wenn das Reinheitsgebot in Deutschland nicht fällt oder modernisiert wird, wohl nicht. Falls ja, wird sich hoffentlich etwas tun (Mehr dazu auf meiner Website in dem Artikel: „Muss das Reinheitsgebot modernisiert werden?“). Ich prognostiziere für diesen Fall, dass sich der Markt in drei Teile gliedert.

Wie stehst du zu Biermixgetränken?
Würg! Die deutschen Brauer sollen sich was schämen! Ist das der Gipfel der deutschen Brauerkreativität?

Braucht der deutsche Biermarkt innovative Ideen oder sollte er sich weiter auf traditionsbewusste Produkte konzentrieren?
Ideen! Ideen! Ideen! Und Imagepflege fürs Bier!

Was für ein Bier ist denn dein Lieblingsbier?
Das beste Bier ist immer da, was man gerade vor sich stehen hat.
Gerne trinke ich: Weihenstephaner Hefeweiße, Bitburger vom Faß, Schneider Weiße, Budweiser vom Faß (im Schweizerhaus), Sierra Nevada Pale Ale (ein göttliches Bier!) oder ein gut abgehangenes belgisches Tripel

Was hältst du von unserer Seite und dem Medium „Bier und Internet“?
Sehr gelungen, sehr informativ. Ich wünsche euch viele Besucher.

Zum Abschluss noch ein paar bierige Weisheiten für unsere Leser?
Trinkt nicht ein Leben lang das gleiche Bier! Neugierde bringt fast immer Überraschungen und häufig sogar erfreuliche.
Und unterstützt die kleinen Privatbrauer, egal wo. Die haben einen schweren Stand gegen die Konzerne!

Vielen Dank für das Interview!!

Bier-Relevanz / interessante Artikel:

  1. Interview: Inhaber der Weißbiergarage und Sammler des Weißbierglases
  2. Bier Interview: Harald Schneider – Autor des Buches “Räubierbier”
  3. Bier Interview: Brauer und Brauereibesitzer Max Sedlmeier
  4. Interview: Thorsten Schoppe, Brauer des stärksten Biers der Welt

Category: Bier Interviews

Kommentare (3)

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  1. [...] ihr mehr über den Autor erfahren wollt, könnt ihr hier das Interview mit Günther Thömmes lesen, welches Lieblingsbier.de vor einiger Zeit geführt hat (Lieblingsbier.de: Interview mit [...]

  2. Danke für den interessanten Artikel! Ich liebe die Biere des Bierzauberers – zum Glück ja nur ca. 20 Minuten Autofahrt entfernt ;)

  3. Felix sagt:

    Du hast es gut, naja, dafür wohne ich in Franken :-)

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