Tarifstreit: Wut der Brauer wächst – Weitere Streiks geplant

Felix | 31. März 2011 | Kommentare (1)

Der Tarifstreit im Braugewerbe spitzt sich weiter zu. Wütende Proteste von Brauereimitarbeitern bei den heutigen Verhandlungen um gekündigten Bundesrahmentarifvertrag im Kress Hotel in Bad Soden. Seit Wochen bundesweite Warnstreiks. Brauereibeschäftigte stoppen Bierauslieferung. Siedepunkt auch für Gewerkschaft NGG längst überschritten. Weitere Warnstreiks und Protestaktionen drohen. Was kommt als nächstes?

Es gärt gewaltig in Deutschlands Brauereien. Tausende Beschäftigte zwischen Flensburg und den Alpen legten in den vergangenen zwei Wochen für mehrere Stunden ihre Arbeit nieder.

Den Bierbrauern und ihren Kolleginnen und Kollegen riss der Geduldsfaden, nachdem sich die Arbeitgeberseite bei den regionalen Entgeltrunden für die rund 28.400 Brauereibeschäftigten vielfach als völlig unflexibel und ungewöhnlich dreist erwiesen hatte. Bei der Entgeltrunde für die Hasseröder Brauerei (AB InBev) und Service GmbH etwa ließ sich die Arbeitgeberseite auch 20 Minuten nach Beginn der offiziell vereinbarten Verhandlungszeit nicht blicken.

Für Empörung sorgt seit Wochen auch die einseitige Kündigung des Bundesrahmentarifvertrages (BRTV) der Brauwirtschaft durch die Arbeitgeber mit dem erklärten Ziel, die Beschäftigten künftig in „Stammbelegschaften“ und schlechter bezahlte „Randbelegschaften“, eventuell sogar mit eigener Niedrigstlohngruppe, aufzuspalten. Eine Blockadehaltung pur gibt es bislang zudem bei der Weiterführung von Übernahmevereinbarungen für Auszubildende – ganz so, als gäbe es in Deutschland keinen drohenden Facharbeitermangel.

Für viele Beschäftigte ist das Maß des Erträglichen voll, zumal die Arbeitgeberseite durch ihr Verhalten offenbar bewusst einen Arbeitskampf provozieren will und nicht merkt, dass sie bereits dabei ist, in aller Öffentlichkeit den guten Ruf ihrer Brauereien aufs Spiel zu setzen.

Beim gestern zu Ende gegangenen „Brauforum“ der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) berichteten die Betriebsratsvorsitzenden der großen deutschen Brauereien Erstaunliches. So hätten viele Geschäftsführer auf den jüngsten Betriebsversammlungen deutlich gemacht, dass sie – im Gegensatz zu den Verhandlungsführern der Brauwirtschaft – eine tarifliche „Abgruppierung“ von Teilen der Belegschaft keinesfalls für richtig und sinnvoll halten. Die von den Arbeitgebern unfreiwillig ausgelöste Beitrittswelle auch im Verwaltungsbereich der Brauereien und die anhaltenden Proteste seien der beste Beweis für die „verquere Verhandlungsposition“ der Arbeitgeberseite, so Claus-Harald Güster, stellvertretender Vorsitzender und Verhandlungsführer der NGG.

„Eine Aufspaltung der Belegschaften in Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse wird es mit der NGG nicht geben! Die Arbeitnehmer brennen darauf, ihren Rahmentarifvertrag zu verteidigen. Ihre Geduld ist zu Ende. Sie fragen nicht mehr, ob sie streiken können, sondern wann. Wenn die Arbeitgeber unbedingt Ärger brauchen, um wieder klar denken zu können, dann sollten sie sich nicht wundern, wenn ihnen die Belegschaften bald den Bierhahn abdrehen!“

Hier gärt es bislang unter anderem:

* Beck & Co., Bremen
* Berliner Kindl-Schulthaus-Brauerei,
* Bischofshof, Regensburg (in der kircheneigenen Brauerei wurde den Warnstreikenden
* sogar der Zutritt zu den Toiletten verwehrt)
* Brauerei Krostitz bei Leipzig
* Brauerei Krombacher im Siegerland
* Diebels in Issum
* Dortmunder Actien Brauerei (DAB)
* Friesisches Brauhaus zu Jever (mit dem ersten Arbeitskampf seiner Geschichte)
* Gilde Brauerei in Hannover
* Haus Kölscher Brautradition Köln
* Holsten Brauerei Hamburg
* König-Brauerei, Duisburg
* Leipziger Brauhaus zu Reudnitz
* Privatbrauerei Barre in Lübbecke
* Privatbrauerei Dinkelacker in Stuttgart
* Privatbrauerei Iserlohn
* Roland Brauerei Service Bremen
* Rolinck, Burgsteinfurt
* Spaten-Franziskaner-Bräu München
* Stuttgarter Hofbräu

Findet sich auch euer Lieblingsbier auf der Liste? Nun ja, vielleicht wird es bald nicht mehr zu haben sein. Wenn weitere Streiks folgen werden, wird das Bier im Sommer sicher knapp werden.

Quelle: NGG.net

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Category: Bier Allgemein, Biere

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