Interview: Bier-Start-Up Heureka

Felix | Dezember 28, 2010 | Kommentare (0)

Nach einiger Zeit können wir euch endlich wieder ein Interview rund um das Thema Bier präsentieren. Wir haben die Gründer des Bier-Start-Ups “Heureka” ausgiebigst zu ihrer Unternehmung und zum Thema Bier gefragt. Was sich hinter Heureka-Bier befindet und was es damit auf sich hat, erfahrt ihr im folgenden Text. Viel Spaß beim lesen.

Weitere Informationen findet ihr auch auf der Internetseite www.heureka-bier.de und unter Facebook.com/Heureka.Bier.

Interview: Bier-Start-Up Heureka

1. Hallo, stellt euch doch erst mal unseren Lesern vor. Wer seid ihr? Was macht ihr so und was habt ihr mit dem Thema Bier zu tun?

Heureka ist ein junges Bier-Start-Up, das im Jahr 2010 gegründet wurde. Gründer sind der erfahrene Gastronom Michael Zielfeldt, der unter Anderem im Ruhrgebiet mehrere gastronomische Projekte geleitet hat und der Student Patrick Bales, der in Vallendar an der WHU – Otto Beisheim School of Management Betriebswirtschaft studiert. Schon vor vielen Jahren hat sich Michael Zielfeldt dazu entschieden, brauereifreie Gaststätten zu betreiben, da die etablierten Brauereien den Wirten kaum noch Raum für eigene Gewinne lassen. Seitdem arbeitete er mit No-Name-Bieren. Bieren, die bei Markenbrauereien abgefüllt werden, jedoch ein anderes Etikett tragen und dadurch wesentlich günstiger sind. Im letzten Jahr hatte er dann die Idee, eine eigene Marke zu schaffen und eine Brauerei zu suchen, die gemeinsam mit ihm diese Marke aufbaut. Das Gesamtkonzept „Heureka“ wurde schließlich von Patrick Bales erstellt, der seitdem mit Zielfeldt zu gleichen Teilen an Heureka beteiligt ist. Mit der Lahnsteiner Brauerei aus Lahnstein/Mittelrhein, welche ja auch Partner von euch ist, wurde anschließend eine starke Privatbrauerei gefunden, die das Bier nun produziert.

2. Ihr habt eine eigene Biermarke auf den Weg gebracht, welche nach euren Aussagen eine “kleine Revolution des deutschen Biermarktes” nach sich zieht. Wie kam es dazu und wieso handelt es sich dabei um eine Revolution??

Heureka ist in vielerlei Hinsicht genau das Gegenteil von den traditionellen, altbackenen deutschen Biermarken. Erstens ist der Name weder an einen Ort noch an einen Familiennamen gebunden. Der Name erzählt die Geschichte von Archimedes von Syrakus, der vor über 2.000 Jahren splitternackt, Heureka-rufend durch Athen gelaufen ist, nachdem er in der Badewanne das Archimedische Prinzip entdeckt hatte. Zweitens werben wir mit einem bunten, modernen Logo ohne alberne goldene Verzierungen, oder altdeutsche Schriftzüge mit dem wir uns klar von den anderen Bieren abgrenzen. Der dritte Punkt sind die Preise. Obwohl wir dem Kunden ein positives Image, eine Marke und ein qualitativ hochwertiges Bier anbieten, liegen unsere Preise deutlich unter denen der etablierten Brauereien. Das ist eigentlich der entscheidende Punkt, denn: Den größten Bierausstoß in Deutschland hat die Oettinger Brauerei, obwohl die meisten Ö-Käufer doch mit heruntergezogener Kappe in den Getränkemarkt gehen, damit sie bloß keiner sieht. Das teure Bier wird doch fast nur aus dem Grund gekauft, weil man sich gut dabei fühlt, eine Marke zu kaufen. Heureka kombiniert die Vorzüge dieser beiden Güter. Wir bieten die Marke und den Preis. Der einzige Punkt, wo wir die Tradition nicht abgeben wollten, ist der des Bieres an sich. Deutsches Bier steht nun mal seit jeher für höchste Qualität, was wir uns gerne auch anheften. Natürlich wird unser Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut. Um jedem abschließend zu verdeutlichen, dass wir einen völlig anderen Weg als die etablierten Brauereien gehen, steht auf jeder Heureka-Flasche der Slogan „never established“.

3. Wie lässt sich euer Heureka Bier charakterisieren?

Heureka schmeckt grundsätzlich fein herb. Was es von manch anderem Bier unterscheidet ist seine kräftige Farbe und seine betonte Hopfenbittere.

4. In welcher Phase ist das Unternehmen Heureka im Moment?

Heureka befindet sich im Moment absolut in der Start-Up-Phase. Im Moment sind wir dabei, ein Konzept zu erstellen, in welcher Form wir unser Flaschenbier anbieten werden. Nach aktuellem Stand wird es darauf hinauslaufen, dass wir auch in der Verpackung einen ziemlich alternativen Weg einschlagen werden. Wir rechnen damit, im Februar/März 12 Flaschen Heureka in einem hochwertigen Wellpappe-Karton anbieten zu können. Dies ist zwar teurer als die herkömmliche Kunststoff-Kiste, die ja aufgrund des Pfandes und der damit verbundenen Rückgabe mehrfach verwendet werden kann, gibt dem Produkt jedoch ein gehobeneres Gesicht. Im Fassbier-Bereich werden wir demnächst nach und nach die Wirte der Republik ansprechen und in Verhandlungen treten. Nebenbei engagieren wir uns bei Großveranstaltungen und Studentenverbindungen.

5. Wo seht ihr “Heureka” in 10 Jahren?

Das ist sicherlich ganz schwer zu sagen. Wir werden in den nächsten Monaten den Markt abklopfen und gucken, welches Potenzial in der Marke Heureka steckt. Danach kann man eine Prognose wagen.

6. Was ist euer Lieblingsbier, außer euer eigenes?

Für meinen Teil: Bitburger und Heineken (eiskalt!)

7. Was denkt ihr ist von Nöten um die “Bierkultur” in Deutschland weiter bewahren zu können?

Die deutsche Bierkultur ist stark mit den Kneipen verknüpft. Da schon seit geraumer Zeit ein reges Kneipensterben stattfindet, muss man da unbedingt tätig werden und ein Umdenken anstoßen. Hauptsächlicher Grund sind unserer Meinung nach die etablierten Brauereien, die den Wirten Knebelverträge auferlegen und den Wirten es damit nicht mehr erlauben, profitabel zu wirtschaften. Das hat in den letzten Jahren zu starken Preiserhöhungen geführt, die der Kunde jedoch nicht mehr mitträgt. Ein 0,3l-Pils über 1,50 € geht einfach gar nicht. Genau hier setzt Heureka an und gibt den Wirten die Chance, ohne Bindung, jedoch mit Marke, Werbemitteln und allem was dazugehört ihre Kneipe zu betreiben. Mit Heureka kann der Wirt mit einem deutlich niedrigeren Preis größere Gewinne erzielen, als mit einem Bier einer etablierten Brauerei. Bestes Beispiel hierfür ist die von Michael Zielfeldt betriebene günstigste Kneipe Deutschland, dem „Unglaublich“ in Mayen. Hier kostet das 0,2l-Pils nur 60 Cent und glauben Sie mir, der Deckungsbeitrag stimmt trotzdem. Man sieht also, dass hohe Preise nicht von hohen Produktionskosten kommen, wie ja häufig argumentiert wird. Jedem Wirt ist es möglich ein Konzept, wie dem des „Unglaublich“ durchzusetzen und wenn wir es schaffen, viele Wirte dazu zu bewegen, wird sich Deutschlands Kneipenkultur auch wieder erholen. An die Systemgastronomie „Unglaublich“ kann sich jeder Wirt dranhängen (Wir reden hier von einer Art Franchising) und damit von unserem Know-How und unseren Einkaufsquellen profitieren.

Vielen Dank für das interessante Interview, viel Glück weiterhin und wir freuen uns wieder von “Heureka” hören zu dürfen!

Sendebeitrag der ZDF Sendung “Drehscheibe Deutschland” über das “Unglaublich” in Mayen und “Heureka” Bier, für alle die, die es nicht glauben können:

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