Großer Rückblick auf das Festival Mondial de la bière in Straßbourg
Das kanadische Bier- und Brauereifestival “Mondial de Biere” in Montreal ist nicht nur bei Bierspezialisten bekannt. Es zieht magisch zahlreiche Besucher und Aussteller aus sämtlichen Teilen der Erde an. 2008 feierte das Festival 15-jähriges Jubiläum und so wurde dieser Anlass genommen um das Festival nach Europa zu expandieren. 2009 fand es das erste Mal und 2010 das zweitemal in Straßburg statt. Unser Autor Frank Frindte hat sich auf den Weg nach Frankreich gemacht um für euch dieses französisch-kanadische Bierfestival einmal auszuloten. Hier ist sein Bericht.

Ich machte mich mit meinen Bruder mit dem Auto auf den Weg nach Straßbourg. Nach knapp einer Stunde, zum Glück wohne ich relativ nah an der Grenze zu Frankreich, waren wir schon im Hotel. Von dort mit der Tram auf das Messegelände Straßburg-Wacken gefahren. Dort fand vom 22.-24.10. das Festival “Mondial de la Biere” statt.
Schwärmen kann man viel über Bier, aber so eine Veranstaltung muss man gesehen haben. 100 Brauereien mit über 400 Sorten Bier präsentierten sich einem bierfreudigen Publikum. Man bekam ein Probierglas und schon ging es los. Ich bekam sehr viel Auskunft über das Thema Bier und dies in allen Sprachen und Facetten.
Zum Programm:
• es gab Sud- und Braudemonstrationen
• Seminare und Diskussionsrunden
• Workshops “Bier und Käse” und “Bier und Schokolade”
• Sammlerbörse
• ein professioneller Bierverkostungswettbewerb mit Verleihung von Goldmedaillen.
• das Publikum konnte die drei beliebtesten Biere krönen und auch die schönsten Etiketten wählen
Ich habe von jedem etwas gesehen aber es war viel zu viel um das alles in Worte fassen zu können, nichts desto trotz werde ich es probieren.
Eine Liste der anwesenden Brauereien würde hier den Rahmen sprengen, deswegen nur die deutschen Teilnehmer:
Ayinger, Hirsch, Hoepfner, Hofbräu, Illbacher, Krombacher, Kronen, Maisel, Ulmer, Rothaus, Weisses Bräuhaus G. Schneider & Sohn und das Weltenburger Kloster.
Am Eingang befand sich direkt ein Shop. Man konnte dort alle Sorten kaufen, die auf der Messe angeboten wurden. Aber drei bis 15 Euro für eine Flasche Bier, naja das war ganz schön teuer. Aber der Shop wurde vom Publikum ausgiebig genutzt und die Leute haben körbeweise Bier eingekauft. Nachträglich ein fröhliches “Prost”!
Danach kam erst einmal etwas historisches. Leider nur auf Französisch aber trotzdem schön anzusehen. Die “Federation Nationale des Associations Brassicoles” (www.fnabra.org) hat die Eröffnung übernommen. Viele kleine Brauereien, Historiker, Schriftsteller und Bierfreunde sind in dieser Vereinigung Mitglied und setzen sich für den Erhalt der französischen Bierkultur ein. Dazu gehört auch “Philipp Volwar”, ein älterer Bierhistoriker, der schon 15 Bücher und diverse Artikel über Bier veröffentlicht hat. In Frankreich eine Leitfigur des Bieres. Kurz unterhalten habe ich mich auch mit “Nicolas Barbieux”, den wohl jüngsten Braumeister in Frankreich. Mit 24 Lenzen betreibt er alleine eine Brauerei (Brasserie á Savor), mit 500 hl Jahresausstoß. Flaschenabfüllung und Transport, alles alleine, wirklich verrückt. Ein paar Käsehäppchen und dazu sein Bier “Silviacus”. Ein Triple, sehr fruchtig, 7,5% Alc., hell. Man merkt den Bock gar nicht. Sehr gut.
Nochmals kurz zu der Ausstellungshalle. Die Brauereien waren meistens nach ihren Ländern sortiert. z.B. Kanada hatte einen riesen Tresen und dahinter waren mehrere Brauer. Es gab Verkaufsstände wie Rastal (Gläser), Hopfen, Malz usw. Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt. Es gab diverse Restaurants oder auch einfach nur belegte Baguettes.
Dann sind wir an den ersten Bierstand gekommen. Ein belgisch/niederländischer Stand mit dem Namen C10. Lauter nicht gebundene Brauereien aus der Provinz Flamen. Dort haben wir uns ein Kriek von Lindeman´s gegönnt. Einfach gut, weil die Belgier diese Brauart einfach beherrschen. 3,5% Alc., fruchtig nach Kirsch, langanhaltend im Geschmack. Dort am Stand haben wir Vic Jaenen getroffen. Er hat uns viel über die Flamen und das Bier der Trappistenkloster erzählt. Er ist Exportmanager von “La Trappe” (www.latrappe.nl), der einzigen Trappistenbrauerei in den Niederlanden. Weltweit gibt es nur noch sieben Trappistenbiere, davon sechs aus Belgien und eines aus den Niederlanden. Nur wenn ein Bier in einem Trappistenkloster unter Aufsicht und der Verantwortung der Mönche gebraut wird, darf es den Namen “Trappistenbier” tragen. Die Brauerei beschäftigt 26 Personen und hat einen Jahresausstoß von 60 000 hl. Wenn es möglich ist, möchte er in Deutschland mit seinem Bier auf den Markt kommen. Er weiß aber selbst, wie schwer das wird.
Dann haben wir das “La Trappe Quadrupel” getrunken. Es ist bernsteinfarbig, hat einen runden Geschmack, leicht süßlich und angenehm herb. Das Bier reift in Eichenholzfässern. 10% Alc.

Dann gab es die erste Enttäuschung. Aus Frankreich gab es groß Werbung “wir sind 100 % elsässisch”, haben aber kein Wort Deutsch gesprochen. Die Brasserie
Licorne (www.brasserielicorne.com) mit ihrem Bier Elsass. Es war nicht gut, hell, sauer, typisch Geuzen.
Den nächsten Stand habe ich mir gleich gar nicht gemerkt. Ein Bier mit dem Namen L´etincell aus Frankreich. Ein Bier mit Absinth. Warum muss man alles verpfuschen? (Brasserie Artisonate Hollbeer, www.gilbertholl.com).
Am brasilianischen Stand habe ich mich sehr wohl gefühlt. Freundlich, sehr viel Auskunft über das Land, das Bier usw. In der Brauerei “Cervejaria Colorado” (www.cervejariacolorado.com.br) arbeiten 37 Personen. Sie haben einen Jahresausstoß von 50 000 Liter. Sie brauen nach dem deutschen Reinheitsgebot und sie haben auch einen Grund dazu. 80 Millionen Deutsche leben in Brasilien. Die Brauerei ist im Norden von San Paulo. Das “Cavin Bier” ist ein Pilsner mit 4,5% Alc. Es unterscheidet sich von den anderen Bieren, weil sie Maniok zugeben (Wurzelknolle, Wolfs-Milchgewächs). Es ist nicht so herb wie unser Pils. Aber trotzdem lecker im Geschmack.
Das “Indica Bier” ist eine Spezialität. Es ist ein “India Pale Ale”, dunkel, sehr stark gehopft, 7% Alc. Es hat im Abgang ein Zitrusaroma und so wirkt das Bier nicht wirklich bitter, sondern sehr erfrischrend. Es war das Bier des Jahres 2000 von der Zeitschrift “Die Freunde des Table”.
Der nächste Stand war der von “ho´Beer international”. Sie hatten eine Vielzahl von deutschen Bieren. Warsteiner, Krombacher, Bitburger usw. Es waren bestimmt so 50 Sorten die Herr Ehoeck in Frankreich verbreitet. Er hat ursprünglich nicht weit von meiner Heimat gewohnt. Viernheim, Heidelberg und auch Speyer. Er hat das Eichbaumbier (Mannheim) in Frankreich salonfähig gemacht. Heute steht das Eichbaumbier mit über 7 000 hl ganz vorne in Frankreich.
An diesem Stand traf ich auch Herrn Tobias Funke. Exportverkaufsleiter von Weltenburger (www.weltenburger.de) Sie hatten alle Sorten dabei nur nicht das Goldprämierte “Barock Dunkel”. Schade, mein Lieblingsbier. Aber ein “Winter-Traum” vom Fass, kann man auch nicht wiederstehen. Ein bernsteinfarbiges, vollmundiges, karamelliges Bier mit speziellen Malzen gebraut.
Was ich nicht gewusst habe, dass die Brauerei Bischofshof aus Regensburg mit der Weltenburgerbrauerei schon seit 1973 kooperiert. Die ganze Endverarbeitung der Klosterbiere wird in Regensburg vollzogen. Er hat uns ein neues fünf Literfass gezeigt, dass mit dem Slogan “Zapfen wie im Lokal” beworben wird. Das Bier kann man nach dem Öffnen des Zapfhahnes, wenn man möchte, noch 30 Tage trinken. Das CO2 wird erst beim Öffnen des Hahnes dazugegeben, dann wird gezapft wie in einem Lokal. Gute Idee, aber wahrscheinlich zu teuer.
Eine andere Brauerei aus Deutschland wird in Compiegne (Paris) und in Belforth vertrieben. Der Braumeister Wolfgang Ebert aus der Schloßbrauerei Irlbacher (www.irlbacher.de) stand uns Rede und Antwort. Irlbacher hat einen Jahresausstoß von 70 000 hl und expandiert/exportiert in ganz viele Länder. Außer nach Frankreich auch nach Italien, Rumänien und Japan. Ganz neu hatten sie das Bio-Hell im Angebot. Es handelt sich um ein helles Bier mit 4,9% Alc. Die Farbe ist goldgelb, das Schaumbild sehr gut, vollmundig, leichter Hopfennachgeschmack. Danach ein Winterfestbier, ein leckeres, malziges Bier mit 5,5% Alc. Bis dato das leckerste der Messe.

Danach wurde es wieder etwas schlechter, es kam halt kein deutsches Bier mehr. Aus Belgisch-Luxemburg haben sich 14 Brauereien zusammengeschlossen. Am Stand waren vier Brauereien vertreten. Leider wurden wir dort nicht so richtig ernst genommen.
Mit 250.000 Hektoliter Jahresausstoß gehörte die nächste BRauerei zu den eher größeren auf der Messe. “Jean-Francois Istin” leitet die “Brasserie de Bretagne” (www.brasseriedebretagne.com). Er besitzt die sieben größten unabhängigen Brauereien in Frankreich, mit einem Jahresumsatz von 4,1 Mio. Euro. Insgesamt werden 12 Biere gebraut und letzes Jahr hat er hier auf der Messe Gold für sein “Celtika-Triple” bekommen. Mit 8,8% Alc. ein süffiges Bockbier. Ein Teufel auf dem Etikett und ein Horn als Trinkgefäß, wirklich sehr originell. Nach unserer Unterhaltung hat sich der Chef dann noch persönlich die Gitarre geschnappt um uns nicht nur mit seinem guten Bier zu verwöhnen. Vielen Dank dafür.
Danach sind wir über den großen Teich geschwommen. Kanada hatte auch sehr viele Jungbrauer zur Messe abgesandt, immerhin stammt die Messe ja auch aus Kanada. Sehr freundlich wurden wir von einer “Micro-Brasserie” namens “Ho.st” empfangen. Auch in dieser Brauerei wird mit wenig Mitteln viel erreicht. Die Brauerei liegt 30 km von Montreal in Quebeck und braut eigentlich nur für ein Lokal und ortsansässige Supermärkte. Er hat den weiten Weg auf sich genommen um neue Kontakte in Europa knüpfen zu können. Die Auswahl der Sorten ist allerdings zahlreich. Neben den etlichen Saisonbieren gibt es insgesamt 24 Sorten zur Auswahl. Das “Postcolonial IPA” hat 6,5% Alc. Das Bier schmeckt leicht bitter und nach einem Hauch Orange. Sehr süffig. Das “Helle” hat 5,5% Alc. und man kann es mit einem bayerischen Vollbier vergleichen. Auch hat die Brauerei alles auf Deutsch getrimmt. “Hopfenstark” als Brauereinamen und “Ampelmännchen” auf den Etiketten.
Der nächste Kanadier war genauso freundlich. In der Brauerei von “Steve Beauchesne” (www.beaus.ca) arbeiten 35 Leute, allerdings nur aus dem Familien- und Freundeskreis. Beaus braut etwa 12 000 hl im Jahr und sie haben bis zu 12 Biere im Sortiment. Auch sie wurden im letzten Jahr auf der Messe mit Gold prämiert. Das “Festival Ale” hat einen malzigen Geschmack und ist im Abtrunk sehr hopfig. Einem deutschen Jever ähnlich. Das “Lugtread Lager” hat 5,2% Alc. und ist eine Hommage auf das deutsche Bier aus Köln. Und wie ein Kölsch halt so schmeck, viel CO2, aber einfach lecker.
/center>Bei den Amerikanern war ich eher enttäuscht. Die “Stone Brewing Co.” (www.stonebrew.com) steht in Amerika auf Platz 30. 150 000 hl Jahresausstoß und über 300 Beschäftigte arbeiten dort. Das IPA hat 6,9% Alc. und war sehr hopfig betont. Ein langanhaltender bitterer
Geschmack.
Danach französischer Kult. Meteor (www.brasserie-meteor.fr) ist die älteste Brauerei Frankreichs und befindet sich seit 1640 am selben Standort. Anhand amtlicher Urkunden lassen sich die Brauereiaktivitäten in Hochfelden aber sogar bis auf die Zeit um 870 zurückverfolgen. Heute ist Meteor die letzte unabhängige und Familienbetriebene Brauerei im Elsass. Sie hat 200 Mitarbeiter und lehnt sämtliche Übernahmeangebote ab. Meteor beliefert 4000 Cafés und Barsin ganz Frankreich. Flaschenbier wird meistens im Elsass verkauft. Das erste Pils Frankreichs kam 1925 ebenfalls von Meteor. Aber auch das Weihnachtsbier wird in Frankreich sehr viel getrunken. Wir haben es auch genossen.

Der letzte Stand an dem wir vorbeigekommen sind war eine Kombination aus deutschem und französischem Bier und einem Hersteller aus Getränkefahrzeugtechnik. Die Firma CTR (www.ctr-fahrzeuge.de) ist ein führendes Unternehmen in der Herstellung von Promotionfahrzeugen und Schankwagen für Getränkeindustrie und Gastronomie. Sie planen neben Eigenentwicklung auch Fahrzeuge nach Wunsch des Kunden. Schon über 20 Jahre gibt es die Firma CTR und ihre Devise lautet “die Liebe zum Detail”. Meine Meinung zu den ausgestellten Schankwagen: Wirklich toll, habe keinen besseren bis dato gesehen (über die Firma CTR folgt noch ein weiterer Bericht).
Die Bodenwöhrer Familienbrauerei Jakob, spezialisiert auf Weißbiere, hat einen franz. Partner. “Entrepot Osswald” (www.entropot-osswald.fr) verbreitet diese Biere in Frankreich und lässt sich seine Hausmarke in Deutschland brauen. Das Blond ist hell und sehr süffig, im Nachgeschmack leicht süßlich, was mir sehr gut schmeckte. Zum Abschluss der Messe ein gelungenes Bier.
Das war mein erster Besuch dieser “Mondial de la biere”. Sollte es wieder stattfinden werde ich mich auf den Weg machen und ich kann es euch auch nur empfehlen. Das Original findet 2011 wieder in Kanada (wahrscheinlich ohne mich)
statt. Ob es wieder nach Europa kommt wussten die Aussteller noch nicht. Da wir kleine Brauereien unterstützen war dieser Besuch noch eine Reise mehr wert.
bierfra
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Hallo!
Ich muss sagen: RESPEKT! Toller Beitrag mit vielen interessanten Informationen. Ich wohne auch in der Nähe zur franz. Grenze bei Straßbourg, habe aber von dem Festival leider noch nichts gehört. Hoffe es findet mal wieder statt, dann bin ich auch da!
Weiter so!!
Grüße,
Sebo
Wann findet das Festival wieder statt?
Hey,
also meine letzten Infos sind die,
das das Festival am 21.10.-24.10.2011 stattfinden soll.
Infos gibts immer aud der offiziellen Seite von Mondial de la Biere.
gruß
bierfra
Kanadas größte Bierfest, das Montreal Beer Fest