Kolumne: Beer? Nein Danke! Teil 2

Felix | Juni 3, 2009 | Kommentare (0)

Bereits vor einiger Zeit haben wir für euch den ersten Teil über das Reinheitsgebot in Nordamerika, verfasst von Andi unserem Nordamerika-Korrespondenten, veröffentlicht. Den zweiten Teil wollen wir euch natürlich nicht länger vorenthalten. Deswegen, viel Spaß beim lesen!

Nun weiter im Text, wir sind noch nicht am Ende. Während diese im ersten Bericht genannten Aromen nur den Fruchtbieren zugesetzt werden, existieren noch viele andere Stoffe die hier dem Bier zugesetzt werden dürfen.
Ich kann und möchte an dieser Stelle nur auf einige eingehen. Wer weitere Infos haben möchte kann mir gerne eine E-mail schicken oder einfach einen entsprechenden Kommentar hinterlassen.

Um unerwünschte Eiweiße aus der Würze zu entfernen, wird hier beim Kochen der Würze sehr häufig sogenanntes “Irisches Moos” zugegeben. Das hat nichts mit Moos zu tun, vielmehr handelt es sich dabei um ein Produkt aus Rotalgen (auch Knorpeltang genannt; Referenz), das an der Küste von, unter anderem, Irland gesammelt wird.
Diese Rotalgen werden dann weiter zu Carrageen verarbeitet, welches neben der Enfernung von Eiweißen im Bier noch zu folgenden anderen Zwecken verwendet wird:
In der Lebensmittelindustrie wird Carrageen als Geliermittel für Schlankheits- und Light-Produkte und in Fleischwaren (z.B. Wurst) , sowie als Verdickungsmittel in kalt angerührten Marmeladen, Babynahrung, Milchprodukten, Milchshakes, Eiscreme und Desserts eingesetzt. Mit Hilfe von Carrageen können auch Trübungen in Weinen beseitigt werden. In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 407 zugelassen. Carrageen wird auch in der Kosmetikindustrie (Zahnpasta) verwendet. Das Dickungsmittel Carrageen (E 407) ist auch nach der Europäischen Öko-Verordnung für Bio-Lebensmittel zugelassen.

Toll nicht? Sehr vielseitig… Aber da ist noch eine Kleingkeit die mir sauer aufstößt (Zitat aus der Wikipedia): Im Tierversuch wurden Geschwürbildungen und Veränderungen im Immunsystem mit abgebautem Carrageen festgestellt. Na dann Prost!



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Aber weiter, wir haben ja nicht ewig Zeit. Eine weitere Zutat im Sudhaus (oder später bei der Gärung) ist Fermcap-S (Handelsname). Die enthaltene Chemikalie ist Polydimethylsiloxan, ein anorganisches Polymer auf Siliziumbasis, ein Silikon.
Es dient in der Brauerei entweder dazu ein Überkochen der Würze zu verhindern, oder eine übermäßige Schaumbildung während der Hauptgärung zu vermeiden. Nötig ist die Gabe dieser Chemikalie in Nordamerika deshalb, weil viele Brauereien Geld sparen wollen indem sie kleinere (eigentlich zu kleine) Gefäße (Sudkessel, Gärtanks) kaufen.

In Deutschland ist das selbstverständlich nicht erlaubt. Hier werden diese “Probleme” verhindert, indem man der gewünschten Produktion entsprechend große Anlagen baut.
Polydimethylsiloxan ist vielen unter euch aus anderen Anwendungen bekannt: es ist unter anderem in Cola light Produkten enthalten (zur Schaumverhinderung), es dient als Arznei bei Gasansammlung im Magen-/Darmtrakt (Blähungen) und bei Kopfläusen, und schließlich dient es auch als Schmierstoff… bei Kondomen.

Neben diesen Stoffen kommen noch viele weitere zum Einsatz:

• Zucker in allen Variationen
• Stärke in allen Variationen
• Mischungen aus beiden
• natürliche und künstliche Frucht- und Gewürzaromen
• Holzspäne
• Hefeprodukte zur Schaumverbesserung
• Ascorbinsäure (Vitamin C) zur Haltbarmachung
• Polymere zur Beseitigung von Kältetrübung
• Folsäure als Hefenahrung (Handelsname “Yeastex”)
• künstliche Enzyme, hier besonders Amylasen
• und, und, und…

Wen wundert es bei dieser Liste noch wenn Leute sich weigern diese “Biere” zu trinken?
Deutsche Brauer und Mälzer demonstrieren seit 1516, dass man für ein gutes Bier nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe benötigt – warum also sollte ich diese ganze Chemie zu mir nehmen, wenn sie doch im Endeffekt unnötig ist?
Mancher wird jetzt einwenden, dass Radler und Ruß’n, Ententeich und Dreckiges, Betonmass und Isarwasser ja auch kein reines Bier mehr seien. Das ist natürlich absolut richtig, aber diese Biermischgetränke sind mit richtigem Bier hergestellt und fallen somit doch mehr unter den Begriff eines “Biercocktails” – zu denen man stehen kann wie man will.

Deutsches Bier zählt zu den besten der Welt, und dabei soll es bleiben. Trinkt mehr Deutsches Bier!

Autor: Andi

Zu seinem Blog: Thegermanguy.net hier klicken

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