Kolumne: Beer from… Do You Speak Beer? Kategorie II

Felix | Mai 11, 2009 | Kommentare (0)

In einem ersten Artikel habe ich euch bereits die Kategorie I des Beer Judge Certification Program aus Nordamerika vorgestellt. Die BJCP ist eine Vereinigung von Biertestern, welche versuchen mittels “Biergattungs-Richtlinien” eine bestimmte Qualität in Nordamerika zu erzielen, da es dort kein Reinheitsgebot für Bier gibt. Nun möchte ich in einem weiteren Artikel die Kategorie II, laut BJCP, vorstellen. Zu diesen gehören Pilsner, mit den folgenden Unterkategorien:

2A“German Pilsner (Pils)” – Deutsches Pilsner
Typische Vertreter: Victory Prima Pils, Bitburger, Warsteiner, Trumer Pils, Old Dominion Tupper’s Hop Pocket Pils, König Pilsener, Jever Pils, Left Hand Polestar Pilsner, Holsten Pils, Spaten Pils, Brooklyn Pilsner

Aroma: typischerweise ein leicht getreideartiges Pilsmalzaroma, manchmal nach Graham Cracker (Wikipedia), und ein ausgeprägtes blumiges oder gewürzartiges Aromahopfen-Bouquet. Rein, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl. Viele haben anfangs ein schwefliges Aroma (vom Brauwasser und/oder der Hefe), sowie einen leichten Anflug von DMS aus dem Pilsmalz im Hintergrund.

Aussehen: strohfarben bis leicht goldfarben, sehr klar, mit einer cremigen, lange haltbaren Blume.

Geschmack: frisch und bitter, mit einem trockenen bis halbtrockenen Abgang. Mäßig bis wenig ausgeprägte Malzsüße, obwohl einige Getreidearomen und eine geringe Süße aus dem Pilsmalz akzeptabel sind. Die Hopfenbittere dominiert den Geschmack, und setzt sich durch den Abgang bis zum Nachgeschmack durch. Der Hopfengeschmack kann von niedrig bis hoch variieren, sollte jedoch immer aus deutschen Aromahopfen stammen. Rein, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl.

2B“Bohemian Pilsner” – Pils aus Böhmen

Typische Vertreter: Pilsner Urquell, Krušovice Imperial 12°, Budweiser Budvar (“Czechvar” in den USA), Czech Rebel, Staropramen, Gambrinus Pilsner, Zlaty Bazant Golden Pheasant, Dock Street Bohemian Pilsner

Aroma: Schwer, mit komplexem Malz- und würzigem, blumigem Hopfenbouquet von Saazer Hopfen. Etwas angenehmes, maßvolles Diacetyl is akzeptabel, muß jedoch nicht vorhanden sein. Sonst rein, ohne fruchtige Ester.

Aussehen: sehr hell goldfarben bis dunkel poliert goldfarben, sehr klar, mit einer kompakten, lange haltbaren, cremigen weißen Blume.

Geschmack: reichhaltige, komplexe Malzsüße kombiniert mit einer ausgeprägten, aber doch weichen und abgerundeten Bittere, sowie einem Gewürzgeschmack von Saazer Hopfen. Erwas Diacetyl ist akzeptabel, jedoch nicht notwendig. Die Bittere ist vorherrschend aber niemals harsch und nicht lange anhaltend. Der Nachgeschmack wirkt ausgewogen zwischen Malz und Hopfen. Rein, keine fruchtigen Ester.

2C“Classic American Pilsner” – klassisches amerikanisches Pilsner

Typische Vertreter: an dieser Stelle werden keine Biere genannt, es wird vielmehr auf die “Occasional brewpub and microbrewery specials” hingewiesen (also die gelegentlich speziell eingebrauten Biere aus Gasthausbrauereien und kleineren Brauereien).

Aroma: wenig bis mittel getreideartiges, maisartiges oder süßes Malzaroma kann vorhanden sein (Reisbasierte Biere sind neutraler). Mittleres bis gemäßigt hohes Hopfenaroma, oft von klassischen Aromahopfen. Reiner untergäriger Charakter, ohne Fruchtigkeit oder Diacetyl. Etwas DMS ist akzeptabel.

Aussehen: gelb bis dunkel goldfarben. Feste, lang anhaltende weiße Blume. Brillant und klar.

Geschmack: mäßig bis mäßig hohe Malzigkeit, ähnlich den kontinentalen Pilsnern, aber doch leichter in der Intensität durch die relativ hohe Gabe von bis zu 30% Maisflocken oder Reis. Leicht getreide- und maisartige Süße aus dem Mais, mit ausgleichender Hopfenbittere. Reisbasierte Versionen sind frischer, trockener, und entbehren oft den maisartigen Geschmack. Mittlerer bis ausgeprägter Hopfengeschmack aus Aromahopfen (entweder sehr spät hinzugefügt oder zur Vorderwürze). Mittlere bis hohe Hopfenbittere, welche weder kratzig sein sollte noch einen harschen Nachgeschmack hinterlassen sollte. Keine Fruchtigkeit und kein Diacetyl. Sollte sanft und lange gelagert sein.

Anmerkung: Natürlich ist diese Unterteilung in den Augen vieler Bierliebhaber wieder vollkommener Quatsch.
“Wie kann man nur ein Jever und ein Bitburger und ein Budweiser Budvar in einer Kategorie unterbringen? Sind doch alles recht unterschiedliche Biere, oder?”.
In Europa wird das etwas anders gehandhabt: hier gibt es eine Kategorie “Pilsner”, die alle oben angeführten Biere enthält. Eben, weil sie alle ähnlich sind: untergärig, oft sehr hell, hopfenbetont, mit einem stabilen Schaum.

Innerhalb dieser Kategorie bleibt dem Brauer noch sehr viel Spielraum zur Entwicklung eines Bieres, während der nordamerikanische Brauer sehr enge Grenzen gesetzt bekommt (so er denn Wert auf Anerkennung durch das BJCP legt…). Ist es ein deutsches Pils? Oder ein böhmisches? Oder ein klassisch-amerikanisches (was ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich ist, “klassisch” und “amerikanisch”)?

So, nächstes Mal gibt’s die Kategorie III, “European Amber Lager”, am besten vielleicht zu übersetzen mit “Märzenbiere”.

Autor: Andi

Zu seinem Blog: Thegermanguy.net hier klicken

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