Kolumne: Beer from… Do You Speak Beer? Kategorie I
Bereits vor einiger Zeit habe ich euch etwas vom nordamerikanischen Biermarkt und seinen Gegebenheiten erzählt. So gibt es eine Vereinigung von Biertestern, welche versuchen mittels “Biergattungs-Richtlinien” eine bestimmte Qualität in Nordamerika zu erzielen, da es dort kein Reinheitsgebot für Bier gibt. Diese Organisation nennt sich Beer Judge Certification Program und nun möchte ich euch die eingeteilten Kategorien näher erläutern.
Laut BJCP gehören zur Kategorie 1, “Light Lager” (also leichte oder helle untergärige Biere), die folgenden Unterkategorien:
1A – “Lite American Lager”
Typische Vertreter: Bitburger Light, Sam Adams Light, Heineken Premium Light, Miller Lite, Bud Light, Coors Light, Baltika #1 Light, Old Milwaukee Light, Amstel Light
1B – “Standard American Lager”
Typische Vertreter: Pabst Blue Ribbon, Miller High Life, Budweiser, Baltika #3 Classic, Kirin Lager, Grain Belt Premium Lager, Molson Golden, Labatt Blue, Coors Original, Foster’s Lager
1C – “Premium American Lager”
Typische Vertreter: Full Sail Session Premium Lager, Miller Genuine Draft, Corona Extra, Michelob, Coors Extra Gold, Birra Moretti, Heineken, Beck’s, Stella Artois, Red Stripe, Singha
Anmerkung: Diese drei Kategorien hätte man eigentlich alle in einer einzigen Kategorie zusammenfassen können, da die entsprechenden Beschreibungen dieser Biere, bis auf den Stammwürzegehalt, vollkommen identisch sind:
Aroma: wenig bis gar nicht malzaromatisch. Wenn doch vorhanden, dann oft getreideartig, süßlich oder Maisartig. Hopfenaroma von gar nicht vorhanden bis hin zu einer leichten, gewürz- oder blumenartigen Beschaffenheit. Sehr geringer Hefecharakter (grüner Apfel, DMS, oder Fruchtigkeit) ist optional und akzeptabel. Kein Diacetyl.
Aussehen: sehr helle Strohfarbe bis zu mittlerem Gelb. Weißer, feinporiger Schaum, der nicht lange stabil bleibt. Sehr klar.
Geschmack: frisch und trocken, mit wenig getreideartiger oder maisartiger Süße. Hopfengeschmack gar nicht bis sehr gering. Sehr geringe Bittere. Im Großen und Ganzen geschmacklich ausbalanciert, von leicht malzig bis leicht bitter. Hoher CO2-Gehalt kann eine leichte Acidität (Säure) verleihen. Kein Diacetyl (Butterartiges Fehlaroma des Bieres). Keine Fruchtigkeit.
1D – “Munich Helles”
Typische Vertreter: Weihenstephaner Original, Hacker-Pschorr Münchner Gold, Bürgerbräu Wolznacher Hell Naturtrüb, Mahr’s Hell, Paulaner Premium Lager, Spaten Premium Lager, Stoudt’s Gold Lager
Aroma: angenehme Malzsüße, wobei Pilsner Malz-Aroma dominiert. Sehr wenig bis wenig gewürzartiges Aroma der Aromahopfen, leichtes DMS (Dimethylsulfid) im Hintergrund (vom Pilsner Malz). Weder Ester noch Diacetyl vorhanden.
Aussehen: mittleres Gelb bis fahl goldfarben, klar, mit einem cremigen weißen schaum.
Geschmack: leicht süßlich, malziges Geschmacksprofil. Getreide und Pilsner Malz-Aroma dominiert, mit wenig bis mittlerer Hopfenbittere. die den malzigen Eindruck unterstreicht. Wenig bis moderates gewürzartiges Aroma von Aromahopfen. Nachgeschmack und Gesamteindruck bleiben malzig. Klarer Geschmack, keine fruchtigen Ester und kein Diacetyl.
1E – “Dortmunder Export”
Typische Vertreter: DAB Export, Dortmunder Union Export, Dortmunder Kronen, Ayinger Jahrhundert, Great Lakes Dortmunder Gold, Barrel House Duveneck’s Dortmunder, Bell’s Lager, Dominion Lager, Gordon Biersch Golden Export, Flensburger Gold
Aroma: wenig bis mittleres Aroma von deutschem oder tschechischem Aromahopfen. Moderates Pilsner Malz-Aroma, von getreideartig bis leicht süßlich. Ein leichtes Schwefelaroma (durch das Wasser und/oder die Hefe hervorgerufen) kann anfänglich vorhanden sein, genauso wie ein leichtes DMS-Aroma (durch das Pilsner Malz) im Hintergrund. Kein Diacetyl.
Aussehen: hell bis dunkel goldfarben, klar, mit einem stabilen weißen Schaum.
Geschmack: Weder Dominanz des Pilsner Malzes noch der Aromahopfen, beide sind in einem ausgewogenen Verhältnis mit einem leichten Anflug malziger Süße, resultierend in einem geschmeidigen aber trotzdem frischem und erfrischendem Bier. Die Balance setzt sich bis zum Schluß fort, die Bittere des Hopfens überwiegt allerdings im Nachgeschmack (obwohl manche Biere dieser Kategorie leicht süßlich enden). Klar im Geschmack, keine fruchtigen Ester, kein Diacetyl. Etwas mineralischer Charakter kann vom Brauwasser herrühren, obwohl es normalerweise nicht als offenkundiger mineralischer Geschmack auffällt.
Das war die BJCP-Kategorie 1. Im nächsten Artikel dieser Serie stelle ich die Kategorie 2 vor, “Pilsner” Biere.
Wie vorher schon einmal erwähnt, hat diese Typisierung nicht unbedingt viel mit dem deutschen/österreichischem/schweizer/europäischen Bierverständnis zu tun.
Das hat unter anderem auch damit zu tun, daß das Berufsbild des Brauers und Mälzers in Nordamerika nicht geschützt ist, d.h. jeder darf sich Bierbrauer nennen, irgendeine Art von Ausbildung ist nicht nachzuweisen. Dementsprechend sind es auch, nach europäischem Verständnis, keine Fachleute die diese “Standards” etablieren, sondern interessierte Laien und (in weit überwiegendem Fall) ungelernte Brauer.
Auch die Gegebenheiten des Marktes müssen berücksichtigt werden: hat sich eine Marke auf dem Markt etabliert, sagen wir mal z.B. Erdinger Weißbier, so wird dieses Geschmacksprofil quasi zu einer Art Standard per se und wird von anderen Brauereien emuliert.
Abweichungen von diesem “Quasi-Standard” setzen sich dann nur langsam durch, d.h. es dauert auch eine gewisse Zeit bis die BJCP-Standards adäquat angepasst werden.
Ich habe auch vor in nächster Zeit in einem Artikel (oder einer Artikelreihe) noch etwas mehr auf die sensorische Beurteilung von Bieren einzugehen. Ich kann mir vorstellen, dass einige unserer Leser Schwierigkeiten haben “DMS”, “Diacetyl”, “Ester” oder “Phenol” geschmacklich mit irgend etwas in Verbindung zu setzen. Bald mehr davon…
Autor: Andi
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Hallo Andi,
wie immer ein fundierter und interessanter Beitrag, von dessen Lektüre man nicht unbedingt dümmer wird.
War jetzt einige Tage in einer Weinanbauregion, muss mich wieder geschmacklich an bier gewöhnen.
Gruß aus Berlin, dem dicken “B”
Bierbaron
[...] einem ersten Artikel habe ich euch bereits die Kategorie I des Beer Judge Certification Program aus Nordamerika [...]