Kolumne: Beer from… На благо Товарищ!

Felix | 14. April 2009 | Kommentare (1)

Ja, ja… ich weiß. Alles falsch geschrieben, und falsch übersetzt, und überhaupt einfach falsch! Aber was soll ich denn machen, wenn ich nun mal kein Russisch spreche? Also mußte Tante Guhgl wieder mal herhalten…
Wieso überhaupt Russisch? Nun ja, ich dachte mir mir das würde gut zu meinem heutigen Artikel passen, der sich mit Медову́ха und квас befasst. Nicht hauen! Aua, aua… OK, OK – ich geb’ mich geschlagen: mein heutiger Artikel befaßt sich also mit Medowucha und Kwas.

Nicht, daß ich das schon jemals getrunken hätte. Oder irgendwann mal in Russland oder der ehem. UdSSR gewesen wäre. Leider nicht. Beruflich allerdings hatte ich schon fast damit zu tun:
Vor einigen Wochen hatte mein Chef die glorreiche Idee, dieses phantastische Gebräu aus Rußland*wiewardochgleichderName?*… brauen zu wollen. “Wenn Millionen von Leuten in Rußland das trinken, dann werden Kanadier das auch trinken”. Mit diesen Worten drückte er mir eine kleine Schachtel in die Hand. “Mach’ das mal fertig!” Die Schachtel enthielt nur ein braunes Pulver, sonst nichts.

Also lesen wir mal die Gebrauchsanleitung. Shice, kann kein Russisch. Umdrehen. Ah ja, jetzt ja… welch freudige Überraschung: eine Gebrauchsanleitung in deutsch! “Kwass” – aha. Keine Ahnung. Ah, auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum: “Mindestens haltbar bis August 2002″. “Cheeeef!…”
Somit hatte sich das Brauen “dieses russischen *wiewardochgleichderName?*” sehr schnell erübrigt, und ich konnte diese Episode kanadischen Unternehmertums wieder ad acta legen.

Bis ich bei Englishrussia.com auf einen Artikel stieß, der mein Interesse weckte. In diesem Artikel drehte es sich um das russische Getränk Medowucha. Ich übersetze den einfach hier mal schnell für euch:

Seit hunderten von Jahren ist es Tradition in Rußland, dieses besondere Getränk aus Honig und und Hopfen herzustellen. Auch einige berühmte russische Schriftsteller haben dieses alkoholarme Getränk manchmal erwähnt.

Es ist überliefert, daß alle Familienmitglieder vor der Hochzeit zusammenkamen um einen großen Vorrat dieses Honiggetränkes für das Hochzeitspaar zu brauen. Während der Hochzeit und bis zu 30 Tage nach der Hochzeit durfte das Paar ausschließlich dieses Getränk trinken – nichts anderes war erlaubt. Die Flitterwochen wurden in Rußland also sogar nach diesem Honiggebräu benannt (engl. honeymoon → Honigmond).

Das Rezept selbst ist sehr einfach. Zuerst bringt man Wasser in einem Topf zum Kochen, dann fügt man reichlich Honig hinzu, und nach einer gewissen Zeit noch etwas Hopfen. Danach läßt man das Gebräu abkühlen und fügt etwas Hefe hinzu. Das ist alles, in ca. fünf Tagen haben sie ein echtes russisches Getränk das sogar stärker als ein normales Bier ist.

Soweit die Übersetzung. Warum das Getränk anfangs als “alkoholarm” und später als “stärker als ein normales Bier” beschrieben wird kann ich auch nicht sagen. Vielleicht hängt das mit den äußerst genauen Mengenangaben im Rezept zusammen?

Der Artikel auf Englishrussia.com enthält übrigens auch Photos, aber leider erhielten wir nicht die Erlaubnis diese auf Lieblingsbier.de zu verwenden.

Mehr Informationen bietet auch die Wikipedia nicht, außer dass man noch Beeren bzw. Beeren- und Fruchtsäfte hinzufügen kann, und auch sonst scheint das sonst so allwissende Internet sehr sparsam mit Infos zu diesem Thema zu sein.

Nach diesen wenigen Informationen kann man aber davon ausgehen, dass es sich bei Medowucha quasi um eine Mischform zwischen Met und Bier handelt.
Wer schon Erfahrungen damit gesammelt hat: bitte Bericht an Lieblingsbier.de!

Nun aber zu Kwaß. Kwaß wird in Deutschland auch als “Brotbier” bezeichnet, und darum hat es logischerweise auch Eingang in Lieblingsbier.de gefunden.
Kwaß gehört in Rußland seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Erfrischungsgetränken überhaupt. Es hat einen sehr angenehmen, süß-säuerlichen, brotigen Geschmack. Kwaß gilt als sehr gesund und verdauungsfördernd, und viele Leute fügen zur Geschmacksverbesserung noch Früchte, Beeren, Honig und/oder Gewürze zu, was zur Folge hat, daß auch jede Menge Vitamine und Spurenelemente in so einem Kwaß enthalten sind.

Ich habe für die Leser von Lieblingsbier.de ein einfaches Rezept aufgetrieben. Man benötigt:

• 250g Roggenbrot
• 100g Zucker
• 20g Hefe
• 2l Wasser
• nach Geschmack Rosinen

Die Zubereitung ist denkbar einfach, obwohl es, wie bei jedem Gärprozeß, auch hier zu Fehlgärungen kommen kann:
Das Brot in dünne Scheiben schneiden und in einer trockenen Pfanne oder im Ofen dunkelbraun werden lassen, bis es trocken ist. Das Brot in kleine Stücke brechen, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt für 4 Stunden warm stellen. Hefe in wenig lauwarmen Wasser auflösen und mit Zucker vermischen. Den Brotaufguss absieben und die Flüssigkeit auffangen. Die Hefe-Zucker-Masse in die Flüssigkeit geben und 10 Stunden an einer warmen Stelle ziehen lassen. Fertigen Kwaß abseihen, in Flaschen abfüllen und ein paar Rosinen hinein geben. Flaschen fest verschließen und kalt stellen. Nach drei Tagen ist Kwaß fertig.

Dieses Rezept stammt übrigens von RusslandJournal.de (für alle Rußlandfetischisten ein absolutes Muss).
So, zum Abschluss dieses Artikels gelobe ich hiermit feierlich, die Russische Sprache, dessen Grammatik, Rechtschreibung, Aussprache und Syntax nie wieder so zu verballhornen wie in diesem Artikel. Ja, ich schäme mich. пока, до свидания!

Autor: Andi

Zu seinem Blog: Thegermanguy.net hier klicken

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  1. [...] als offizieller Nordamerika-Korrespondent für Lieblingsbier.de muss man nicht nur gar kein Russisch, sondern nebenbei auch noch schlecht Spanisch sprechen [...]

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