Kolumne: Beer from… Mal was anderes – Wurzelbier – mit Rezept

Felix | 26. März 2009 | Kommentare (10)

McDonalds? Nie wieder! Burger King? Nur wenn es sein muss. Wendy’s? Gibt’s in Deutschland nicht mehr, und außerdem mag ich das auch nicht, basta! Zugegeben, ich bin …äh, nennen wir es mal einfach… ein bisschen älter geworden, und da nimmt der Verzehr von Junk Food normalerweise eher ab, so dass mich diese ganzen Burgerketten eher kalt lassen. Mit einer Ausnahme...

Als ich vor vielen Jahren nach Kanada kam landete ich zuerst in Vancouver, an der Pazifikküste gelegen, weil meine Freundin eben von da war. Irgendwann verspürte ich damals auch den Wunsch nach einem Cheeseburger, und kam auf die Idee, man könne doch einen McDonalds aufsuchen – worauf meine Freundin mich fragte ob ich denn noch alle Tassen im Schrank hätte, und man könne das Zeugs doch nun wirklich nicht guten Gewissens zu sich nehmen, es sei doch ungesund, viel zu teuer, und überhaupt und sowieso… Als Alternative wurde mir A&W angeboten. Und siehe da: große, saftige, leckere Burger mit viel Käse; knusprige Pommes, die erstens nicht viel zu versalzen sind, und zweitens auch nicht vor Fett triefend auf dem Teller landen; panierte Zwiebelringe, die, man glaubt es kaum, wirklich nach Zwiebel schmecken!

Tja, und diese A&W-Kette verkauft eben auch jede Menge Rootbeer. Ich muss zugeben, dass mich das zuerst sehr geschockt hat – Bier aus Wurzeln? Wie eklig! Aber sehr viele Leute tranken dieses Zeugs leidenschaftlich gern. Es kam, wie es kommen musste, und eines Tages probierte ich doch mal dieses Rootbeer.

Industriell hergestelltes Rootbeer hat mit Bier nichts mehr zu tun, es handelt sich mehr um eine Brause mit relativ unbekannten Zusatzstoffen, die man entweder mag oder eben auch nicht. Geruch und Geschmack dieses Getränkes können durchaus Erinnerungen an eine Apotheke wecken. Ein bißchen almdudlerisch, möchte ich fast sagen – ich liebe übrigens Almdudler, während andere es als eine Strafe Gottes für den Sündenfall verdammen.
Irgendwann stieß ich auf die Tatsache, dass Rootbeer in früheren Zeiten wirklich mal als Bier konzipiert wurde, und auch mittels alkoholischer Gärung hergestellt wurde. Wir, d.h. ich, Bierbrauer, und meine kanadische bessere Hälfte, Köchin, beschlossen daher, die Herstellung von althergebrachtem Rootbeer auszuprobieren… Die Resultate waren durchaus respektabel.

Ich möchte hier das Rezept veröffentlichen, mit dem wir, meiner Meinung nach, das beste Resultat erzielt haben. Die Zutaten sind schwer erhältlich, sogar hier in Kanada und in den Staaten. Ich habe allerdings für alles eine Online-Bezugsquelle gefunden.

Rezept für Rootbeer:

7 Gramm Sassafrasholz – Bezugsquelle
7 Gramm Sarsaparilla – Bezugsquelle
3,5 Gramm Süßholzwurzel – Bezugsquelle
ca. 2,5 cm frischer Ingwer, geschält und in ganz dünne Scheiben geschnitten
1 – 2 Vanilleschoten, halbiert
2 Liter Wasser

Alles zusammen in einem sehr großen Topf für einige Minuten aufkochen, Topf vom Herd nehmen, abdecken, und für ca. 2 Stunden stehen lassen. Anschließend durch ein sauberes Tuch (oder Kaffeefilter) abfiltern. Danach weitere 2 Liter Wasser hinzufügen, und bis zum Erreichen einer Temperatur von ca. 24°C abkühlen lassen.

480 ml Melasse (Bezugsquelle) und 1 Gramm Trockenhefe (Backhefe) hinzufügen und gut umrühren. Jetzt am besten (zwei) leere 2 Liter Colaflaschen mit sehr heißem Wasser und Spülmittel auswaschen. Gut nachspülen! Jetzt den Sud vorsichtig in die leeren Flaschen umfüllen. Dabei darauf achten, daß man die Flaschen nicht zu voll macht – mindestens 5 cm frei lassen! Flaschen anschließend sorgfältig verschließen und für 12 Stunden für die Hauptgärung zimmerwarm aufbewahren.

Danach noch für weitere 2 – 5 Tage im Kühlschrank nachgären lassen. Das Rootbeer ist jetzt fertig, ihr könnt es entweder trinken oder gleich wegschütten – ganz nach Belieben. Obwohl es wie eine exotische Brause schmeckt: Rootbeer enthält Alkohol!
Vorsicht beim Aufmachen, die Flaschen können einen ungeheuren Druck entwickeln! Wer es ganz exotisch mag, kann gerne auch noch einen Rootbeer float ausprobieren: Rootbeer in ein Glas, Krug, Vase, Badewanne oder ähnliches füllen, und dann langsam eine, zwei, fünf, oder 247 Kugeln Vanilleeis hineingleiten lassen…
Tja, kanadisch ist eben manchmal sehr anders!

Autor: Andi

Zu seinem Blog: Thegermanguy.net hier klicken

Bier-Relevanz / interessante Artikel:

  1. Kolumne: Beer from… Die Qual der Wahl… wie schön!
  2. Kolumne: Beer from… Mal so richtig Bier trinken?
  3. Bier Rezept: Die Bierkekse
  4. Bier Rezept: Schweinebraten mit Dunkelbiersauce
  5. Bier Rezept: Apfelringe in Bierteig

Category: Beer from...

Kommentare (10)

Trackback URL | Kommentare RSS Feed

  1. braumeister sagt:

    hallo kollege,
    almdudler, verstehe. natuerlich vom hell braeu aus altoetting.
    rootbeer, erinnert mich an eine zahncreme mit dem namen “mentadent C”.

    gruss aus dem sudpazifik

  2. Andi sagt:

    Südpazifik? Wer treibt sich da rum? NEID!!! *sofort hinwill*

    Mentadent C trifft den Geschmackseindruck ziemlich genau… hehe! Mein Fall ist es auch nicht unbedingt, ich trink’ lieber Weißbier :-)

  3. Danke das ihr es euch zum Auftrag gemacht habt die deutsche Bierkultur rund um den Globus zu tragen! Zum Glück gibt es die Globalisierung :D und so verrückte Bierbrauer wie ihr es seid!

    Du könntest dich gerne mal aus dem Südpazifik bei mir per Email info@lieblingsbier.de melden. Hätte da ein paar Fragen :)

    Grüße,
    Lieblingsbier

  4. braumeister sagt:

    hallo andi,
    hast du meine e-mail bekommen?

    gruss aus dem sudpazifik

  5. root-beer-trinker sagt:

    Vorsicht! Sassafras ist Krebseregend!

  6. Felix sagt:

    Ohja richtig.

    Kartoffel-Chips auch und Bier erzeugt Leberschäden. Am Besten das Haus nicht mehr verlassen.

    Trotzdem Danke für den Hinweis :)

  7. root-bee-trinker sagt:

    “In den meisten Ländern außerhalb der USA wird Sassafras aufgrund seines hohen Gehaltes an Safrol, das krebserregend ist, als Giftpflanze angesehen. Auch in den USA wird heute für kommerziell hergestelltes Root Beer nur mehr künstliches Sassafras-Aroma eingesetzt; einige Privatproduzenten verwenden aber weiterhin Sassafras. Safrol liefert auch einen Rohstoff zur Herstellung von MDMA (Ecstasy).”

    Weiterhin schreibt Wikipedia:

    “…so bildet es etwa im nordamerikanischen Sassafrasöl mehr als 90 Prozent der flüchtigen Fraktion…”

    Auszug einer Stellungnahme des BgVV vom 11. Mai 2001:

    “…Zubereitungen von Safrol ab 0,1 % sind e-
    benfalls als krebserzeugend eingestuft und entsprechend zu kennzeichnen.
    Safrol ist Hauptbestandteil (75 %) des Sassafrasöls, in größeren Mengen ist es auch in
    Campheröl enthalten, daneben kommt es unter anderem auch in Sternanis, Lorbeeröl, Fen-
    chel und in Muskatnüssen vor. Nach der Aromenverordnung (§ 2 Absatz 2) darf Safrol als
    solches bei der Herstellung von Aromen und anderen Lebensmitteln gewerbsmäßig nicht
    verwendet werden. Als Sonderregelung darf 2 mg/kg Safrol in alkoholischen Getränken mit
    einem Alkoholgehalt von bis zu 25 Volumenprozent, von 5 mg/kg in solchen über 25 Volu-
    menprozent und 15 mg/kg in Lebensmitteln enthalten sein, die Muskatblüte oder Muskatnuss
    enthalten (Alage 4 zu § 2 Absatz 3 Aromenverordnung). Die tägliche Aufnahme aus Le-
    bensmitteln und Gewürzen wurde vom Europarat mit 2 mg pro Tag geschätzt.”

    Das Du Kartoffel-Chips und Bier mit Sassafras vergleicht ist echt schon hart. Versteh mich nich falsch, ich liebe Root Beer mit Sassafras. Aber es gibt mitlerweile Sassafras Öl/Extract ohne Safrol. Auch wir können es für den privaten Gebrauch in kleinen Mengen beziehen.

    LG

  8. Felix sagt:

    Danke für den Auszug.

    Ist schon ok, der Vergleich mit Chips war natürlich überspitzt. Aber es ist halt immer so eine Sache mit Stoffen, die Krebs hervorrufen können.

    Ich denke es kommt eben auf die Menge und auf die Verarbeitung drauf an und jeder ist immerhin selbst für seine Gesundheit verantwortlich,

    Natürlich hat der Hinweis hier im Beitrag gefehlt, aber das wurde ja nun ergänzt und jeder sollte sich verantwortungsvoll mit den Zutaten auseinandersetzen, wenn er solche Rezepte ausprobiert. Das ist ja auch selbstverständlich.

    Viele Grüße,
    felix

  9. root-bee-trinker sagt:

    Von welcher Art Melasse im Rezept ist eigentlich die Rede?
    -Von Zuckerrohrmelasse oder Melasse aus Zuckerrüben.
    Ich kenne bis jetzt nur Melasse aus Zuckerrüben, nennt man auch Zuckerrübensirup. Schmeckt Zuckerrohrmelasse anders als Zuckerrübenmelasse?

    Ist es egal welche Melasse ich nehme oder beeinflusst die Art der Melasse den Geschmack maßgeblich?

    Und, gährt die Hefe bei den zwei verschiedenen Melasse-Arten unterschiedlich?

    Mich würde auch interessieren, welche Melasse denn nun der Autor des Rezeptes verwendet hat.

    LG

  10. dagmar gimbel sagt:

    Warum fehlt denn die mass- bzw. geschmackgebende zutat
    Wintergrün? die entsprechende pflanze:Gaultheria procumbens. wer mal eine ihrer roten früchte zerquetscht und daran riecht,weiss wonach das rootbeer der amis in den 70ern schmeckte.auch die kaugummis der hubba-bubba generation. die pflanzen sind z.z.in jedem bau- bzw.supermarkt zu finden.

Hinterlass einen Kommentar




Wenn du ein Bild neben deinem Kommentar möchtest, hol dir ein Gravatar.