Kolumne: Beer from… Mal so richtig Bier trinken?
Wer kennt das nicht: man sitzt mit Freunden bei einem oder zwei (oder drei) Bierchen zusammen, scherzt, hat eine Mordsgaudi, unterhält sich über dies und jenes oder meinetwegen auch über etwas komplett anderes, etwa über das persönliche Lieblingsbier, und dann passiert es… jemand wagt es tatsächlich, das Unaussprechliche auszusprechen:
„Wos sogst do? Des Weißbier vom XXX mogst? Bist narrisch oda wos? Den Plempi kost ja ned saufn, da biagts da jo de Zeanägl auf!“ (für alle Nicht-Bayern: „Wie bitte? Das Weizenbier der Brauerei XXX schmeckt dir besonders gut? Da muß ich dir leider widersprechen, dieses Bier gehört geschmacklich nun überhaupt nicht zu meinen Favoriten!“)
Nun könnte man jetzt stundenlang darüber debattieren, ob dieses Bier jetzt wirklich trinkwürdig oder doch bloß eher zum Füße waschen gedacht ist, aber sehr wahrscheinlich wird man auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Gottseidank, denn Geschmäcker gibt es so viele verschiedene wie es Menschen gibt, und Geschmack ist etwas, über das man beim besten Willen nicht streiten kann – und auch nicht streiten sollte. Wie sagt mein alter Herr immer so schön: „Jedem Tierchen sein Plaisierchen!“.
Was man hingegen machen kann und auch machen sollte, ist, Biere objektiv zu verkosten und nach festgelegten Kriterien miteinander zu vergleichen. Das hört sich sehr einfach an, erfordert jedoch einiges an Übung und Training. Sehr viele Faktoren gilt es dabei zu berücksichtigen, und seine eigenen Präferenzen sollte man hierbei auch hinten anstellen können.
Um eine Bierverkostung erfolgreich durchzuführen, müssen zunächst einmal einige Vorbereitungen getroffen werden. Man benötigt z.B. einen Raum in dem nicht geraucht werden darf, denn Zigarettenqualm beeinträchtigt das Geschmacksempfinden.
Man benötigt auch absolut saubere und richtig gespülte Gläser. Ganz besonders gilt das bei vergleichenden Verkostungen, d.h. bei denen ein Bier mit einem anderen verglichen werden soll. Am besten eignen sich hierfür klare, dünnwandige, zylindrische Gläser; so werden die Bierfarbe, die Klarheit und der Glanz eines Bieres am wenigsten beeinflußt.
Die Gläser bitte NICHT in der Spülmaschine spülen, das kann zu Ablagerungen führen die die Qualität des Bieres beeinträchtigen können. Auch haushaltsübliche Geschirrspülmittel eignen sich mit Sicherheit nicht zur Bierglas-Reinigung. Es gibt im Handel jedoch spezielle Reiniger für Biergläser die keinerlei Rückstände hinterlassen, und somit weder Geschmack oder Geruch, noch den Schaum des Bieres in irgendeiner Art verändern.
Wer nicht gleich eine ganze Flasche des Reinigers kaufen will, wendet sich einfach vertrauensvoll an die Kneipe seines Vertrauens!
Nun werden die Biere eingeschenkt, wobei darauf geachtet werden sollte, daß keine zu großen Unterschiede bei der Einschenktechnik auftreten. Der Winkel des Glases bezüglich des Winkels der Flasche (oder des Winkels des Zapfhahnes), sowie die Einschenkgeschwindigkeit haben einen riesigen Einfluß auf die Bildung einer Schaumkrone, auch oft „Blume“ genannt.
Jetzt fallen beim Bier auch sofort die ersten Punkte ins Auge die es zu beurteilen gilt:
• Wie ist die Bierfarbe? Eher blaß? Oder doch kräftig? Golden oder goldgelb? Eher eine leuchtende Bernsteinfarbe? Oder vielleicht doch wie dunkler Bernstein? Typisch? Oder doch außergewöhnlich?
• Wie sieht der Schaum aus? Sehr feine Blasen (oder „Poren“), gleichmäßig? Oder ungleichmäßig kleine und große Blasen? Ist der Schaum stabil, oder fällt er innerhalb kürzester Zeit zusammen? Wie ist die Schaumfarbe?
• Wie ist die Klarheit (bzw. Trübung bei Weißbieren, Zwickel-, Keller- und Zoiglbieren) des Bieres?
• Nun zum Geruch des Bieres: ist er angenehm? Frisch und rein? Existieren besondere Geruchskomponenten, z.B. hefig, zitrusartig, oder sticht vielleicht ein Gurkenaroma heraus?
Nun zur eigentlichen Verkostung, zum ersten langersehnten Schluck, dem Antrunk.
• So ziemlich das erste was einem auffallen wird ist die Frische, die CO2-Haltigkeit: schmeckt das Bier frisch oder eher alt, schal, abgestanden? Wie fühlt sich das CO2 auf der Zunge an – angenehm oder lästig? Wie ist der Gesamteindruck, ist das Bier typisch für die Gattung, über- oder unterdurchschnittlich?
• „Vollmundigkeit“ könnte man vielleicht auch mit „Mundgefühl“ gleichsetzen: wie „fühlt“ sich das Bier im Mund an? Kommt der Geschmack sofort zum Tragen, oder muß man erst dreimal um den Block laufen bis ein Geschmackserlebnis auftaucht?
• Bier wird aus Malz und Hopfen hergestellt, also sollten wir auch versuchen diese beiden Komponenten sowohl separat als auch im Gleichklang miteinander zu bewerten.
Überwiegt eher die Süße des Malzes oder die Bittere des Hopfens, sind beide harmonisch aufeinander abgestimmt?
Sind besondere Malzaromen auszumachen, z.B. karamel-, schokoladen- oder brotartige Aromen?
Ist die Bittere des Hopfens angenehm oder unangenehm, adstringierend (adstringierend = wenn es einem die Löcher in den Socken zusammenzieht)? Hält sich die Bittere lange auf der Zunge? Sind besondere Hopfenaromen vorherrschend, z.B. floral (blumig), zitrusartig?
• Bei trüben Bieren spielt die Hefe natürlich auch eine gewichtige Rolle. Ist der Hefegeschmack gerade richtig? Oder zu dominant? Nicht genügend vorhanden?
Jetzt kommt etwas, was der Fachmann als „retronasalen“ Eindruck bezeichnet, und zwar ist das der Geschmackseindruck, den man nach dem Ausatmen durch die Nase erhält. Oder anders: wenn man rülpst und dann durch die Nase ausatmet erhält man noch einmal einen (meist) angenehmen Gesamteindruck vom Bier, den es anschließend in Worte zu fassen gilt.
Fazit: „Des schmeggt wia ei’gschlafene Fiaß“ ist nicht wirklich eine Äußerung wie man sie von einem echten Bierliebhaber und Kenner erwarten sollte, auch wenn es manchmal stimmen sollte. Ein bißchen mehr Informationen wären hier durchaus angebrachter und auch sicherlich hilfreicher.
Wer mehr über Bierverkostung erfahren möchte, dem kann ich die virtuelle Bierverkostung auf der Webseite des Bayerischen Brauerbundes ans Herz legen.
Herr Dr. Stempfl von der Doemens Akademie zeigt neben der Verkostung verschiedener Biere auch wie man Weißbier richtig einschenkt (für die „Preiß’n“ unter unseren Lesern
), faßt die Grundlagen einer Bierverkostung kurz zusammen, und erläutert in einem Video auch, welches Glas zu welchem Bier paßt.
Und wer sehr viel mehr wissen will, der sollte sich zu einem Lehrgang als Biersommelier anmelden. Nach erfolgreicher Beendigung dieses zweiwöchigen Intensivkurses kann man sogar mit Biertrinken Geld verdienen…
Autor: Andi
Zu seinem Blog: Thegermanguy.net hier klicken
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