Neue Kategorie: Bierartikel – Die Entstehung der Bierkultur

Felix | 17. März 2008 | Kommentare (1)

Heute möchten wir euch eine neue Rubrik bei Lieblingsbier.de präsentieren. Unter dem Rubrik Namen Bierartikel möchten wir euch einige interessante Beiträge von Gastautoren rund um das Thema Bier präsentieren. Verfasst werden diese Essays von verschiedenen Autoren, die sich bei uns gemeldet haben oder mit dennen wir zusammenarbeiten. So haben wir in Zusammenarbeit mit drei jungen Frauen aus Frankreich eine Facharbeit gestaltet, die aber gerade noch vom französischen in das Deutsche übersetzt wird. Ebenfalls haben wir einen Gastautor mit dem Namen Jonny Proppe, der regelmäßig Beiträge über Bier für uns verfassen wird. Vielen Dank schonmal an dieser Stelle.

Zunächst wollen wir euch einen Beitrag über die “Entstehung der Bierkultur” präsentieren.

Wer heute nach der Herkunft des Bierbrauens gefragt wird, nennt vermutlich die mitteleuropäischen Klöster. Doch weit gefehlt! Die erste Bierkultur erhob sich in einer Gegend, in der heutzutage der Alkoholkonsum strengstens verboten ist: Mesopotamien, der heutige Süd-Irak. Es waren die Sumerer, die dort bereits 5000 vor Christus die erste kultivierte Gerste anbauten. Ursprünglich diente das Getreide neben dem Urweizen Emmer zur Brei- und Brotherstellung; doch wie es der Zufall sooft will, entstand der Legende nach ein Missgeschick.

Ein sumerischer Bauer soll seine Fladenbrote im Regen haben liegen lassen. Da man in Hungerzeiten auch feuchtes Brot nicht verschmäht, erfuhr der Bauer einen netten Rauschzustand, als er den nassen Fladen aus Getreide und Datteln verzehrte.

Wir sehen also, dass die Geschichte des Ackerbaus dicht mit der Entstehung des Brauwesens verknüpft ist, und dass Bier – anders als Wein – kein Naturprodukt, sondern ein Kulturgetränk ist, das von Menschenhand geschaffen wurde. Neben den Sumerern waren es die Ägypter und Babylonier, die etwa zeitgleich eine ausgeprägte Bierkultur erwachen ließen und bereits 20 verschiedene Biersorten kannten.

Eine der ältesten Erzählungen der Menschheit ist das um 1800 v. Chr. verfasste babylonische Gilgamesch-Epos, in dem der Urmensch Enkidu nach dem Geheimnis des kultivierten Menschen trachtet. Er erfährt schließlich, dass der Ackerbau den Menschen als das definiert, was er ist: nämlich als Brot und Bier genießendes Individuum. Das Epos ist nur einer von weiteren archäologischen Funden, der die Existenz von Bier vor bereits mehreren tausend Jahren belegt. Nennenswert ist hierbei ebenfalls das älteste nachzuweisende Lebensmittelgesetz der Welt: Der Codex Hammurabi, 1790 v. Chr. vom sumerischen König verfasst, umfasste bereits 282 Paragraphen und beinhaltete bereits eine Art Reinheitsgebot, das bei Missachtung sogar bis zur Todesstrafe führte – der Bierpanscher wurde im eigenen Fass ertränkt.

War das Bierbrauen in der Antike noch Frauensache, sorgten im Mittelalter die Mönche des europäischen Abendlandes für die Erhaltung der Kunst und hatten sogleich eine finanzielle Stütze für ihre Klöster erworben. Die Erhaltung der Bierkultur hatte also religiöse Gründe, denn die Mönche nutzten das flüssige Brot nicht nur als adäquaten Nahrungsersatz in der Fastenzeit. Sie waren in einer Welt des Analphabetismus privilegiert, das Wissen um die Braukunst niederzuschreiben und die Kenntnisse somit weiterzugeben.

Doch nicht zuletzt war es das Bürgertum, das in der Neuzeit durch die Errichtung von Städten zu einem selbstbewussten Bild gelangte und Bierzünfte (Verbände von mehreren Brauereien) errichtete, die einerseits für hohe Absatzzahlen, aber auch für eine reichliche Varietät sorgten. Wir sehen also, dass die Entstehung und Sicherung einer vielfältigen Bierkultur stets günstigen Einflüssen unterlegen war und wir alle nur hoffen können, dass es auf Ewigkeit so bleiben möge. Prost!

Quellen:

- Bedürftig, Friedemann/Lechner, Georg: 1000 Biere aus aller Welt. Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft, Köln o. J., S. 8-9, ISBN 3-625-10351-6

- Meininger Verlag (Hrsg.): Kulturgut deutsches Bier. Meininger Einkaufsführer. 1. Auflage. Meininger Verlag, Neustadt/Weinstraße 2006, S. 8-9, ISBN 3-87524-162-2

- Seidl, Conrad: Bier-Katechismus. Was Sie schon immer über Bier wissen wollten. Zsolnay Verlag, Ulm 2005, S. 15-17/S. 100-101, ISBN 3-552-06007-3

geschrieben von Jonny Proppe

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Kategorie: Bier Artikel

Kommentare (1)

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  1. Frank sagt:

    Interessanter Artikel über Bier. Vor allem die Quellenangabe ist sehr interessant.

    Bin gespannt was da noch so kommt.

    LG,
    Frank

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